Bayern München

"Heftig, dankbar, erleichtert": Kahn über seine erste Saison als Bayern-Boss

Daniel Holfelder
Oliver Kahn
Oliver Kahn / Alexander Hassenstein/GettyImages
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In einem ausführlichen Statement auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn hat sich Oliver Kahn zu seinem ersten Jahr als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern geäußert. Der ehemalige Weltklassetorhüter schreibt über den Stellenwert des zehnten Meistertitels in Serie und die Enttäuschung nach dem frühen Aus in der Champions League. Kahn wagt außerdem einen Blick in die Zukunft und kündigt zwischen den Zeilen an, dass er seinen Führungsstil verändern will.


Unter der Überschrift "Meine erste Saison als CEO: Das Kleingedruckte des FC Bayern" nimmt Kahn zunächst Bezug zum Gewinn der zehnten deutschen Meisterschaft in Serie. In seiner aktiven Karriere seien drei Meistertitel in Folge "das Maximale der Vorstellungskraft" gewesen. Der aktuelle Erfolg habe daher etwas geradezu "Monumentales".

Bisweilen dränge sich ihm der Eindruck auf, so Kahn, "es steht bei uns irgendwo in der Satzung, vielleicht im Kleingedruckten, dass du als FC Bayern jedes Jahr Titel holen musst – entsprechend führt es also auch zu einer gewissen Erleichterung, wenn man am Ende etwas Zählbares in Händen hält. Das ist aber gut so, denn das alles erneuert in einem immer wieder den Antrieb, stets erfolgreich sein zu wollen."

Kahns spezieller Meistermoment: "Sehr, sehr glücklich nach Hause gefahren"

Als sein persönliches Highlight der Saison bezeichnet Kahn das 3:1 gegen Borussia Dortmund. Zum einen, so der 52-Jährige, machte der Rekordmeister mit diesem Sieg die Meisterschaft perfekt. Zum anderen konnte man den Titel endlich wieder gemeinsam mit den Fans in der ausverkauften Allianz-Arena feiern: "Uns allen hat in den vergangenen zwei Jahren dieses Gefühl, Titel gemeinsam feiern zu können, unheimlich gefehlt."

Kahn weiter: "Wer bei unserem 3:1 über Dortmund in der Allianz Arena dabei war, hat wieder einmal gespürt, wie Fußball sein kann. Es war schön, dieses spezielle Zusammengehörigkeitsgefühl zu erleben, das ein Stadionbesuch bietet: Dieses Gefühl, im Erfolg und in all den Emotionen vereint zu sein. An diesem Tag bin ich sehr, sehr glücklich nach Hause gefahren."

Das Erfolgsrezept des FC Bayern

Er selbst empfinde "eine gewisse Dankbarkeit und auch Demut" über die großartige Entwicklung des FC Bayern. Den Hauptgrund für den Erfolg seines Klubs sieht Kahn in einer über Jahrzehnte gewachsenen Vereinskultur, "die von Spielergeneration zu Spielergeneration weitergegeben wird."

Zwar würden natürlich auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, vornehmlich gingen die Erfolge jedoch auf die besondere Siegermentalität der Münchner zurück. Diese Mentalität fasst Kahn wie folgt zusammen: "Nachlassen, lockerlassen – das gibt es beim FC Bayern nicht. Hier wird sich ständig hinterfragt. Und zwar in einer Konsequenz, die ich nirgendwo sonst jemals erlebt habe. Selbst wenn du gewinnst oder einen Titel holst, wird ständig an den nächsten Schritt gedacht. Dieser Club ist immer in Bewegung. Das Gefühl von Zufriedenheit hat nie Zeit, sich so auszubreiten, dass daraus Selbstzufriedenheit werden könnte. Dieses ständige Ringen hier um die besten Lösungen ist ein Erfolgsrezept des FC Bayern."

"Wenn ich bei einem Halbfinale der Champions League auf der Couch vor dem Fernseher sitze, könnte ich die Wände hochgehen."

Oliver Kahn

Bei der Saisonbewertung ist Kahn daher zwiegespalten. Zwar habe man "in der Bundesliga nah am Optimum abgeliefert." Auf der anderen Seite steht das frühe Ausscheiden in den Pokalwettbewerben.

Speziell das Scheitern gegen Villareal hat beim Bayern-Boss Spuren hinterlassen: "Ich bin sicher, dass unsere Spieler und unser Trainer Julian Nagelsmann diese Erfahrungen so abgespeichert haben, dass uns so etwas nicht mehr passieren darf – und wird. Das Aus gegen Villarreal ärgert mich persönlich noch heute. Wenn ich bei einem Halbfinale der Champions League auf der Couch vor dem Fernseher sitze, könnte ich die Wände hochgehen."

Gleichwohl zeigt sich Kahn überzeugt, dass seine Profis aus der Niederlage lernen werden. "So etwas arbeitet auch in den Köpfen unserer Spieler. Das wird sie anstacheln", so der CEO. "Alles, was uns entgegenschlägt, macht den FC Bayern am Ende nur noch stärker."

Kahn über seinen Führungsstil

Seine ersten zwei Jahre in der Chefetage - zunächst als Vorstandsmitglied, seit Juli 2021 als Vorstandsvorsitzender - seien "heftig, ein ziemliches Stahlbad" gewesen. Um den FC Bayern zu führen, gebe es kein Handbuch, so Kahn. "Wobei ich mitunter das Gefühl habe, dass für die Öffentlichkeit das Wort 'führen' in Bezug auf einen Fußballverein bedeutet, dass man zwingend laut sein muss. Das hat für mich aber nur bedingt was mit Führung zu tun – wenn überhaupt."

Kahn bescheinigt sich selbst zwar "ein Gespür dafür, wann ich nach außen hin präsent sein muss und wann nicht." Trotzdem deutet der Titan zwischen den Zeilen an, dass er in Zukunft größeren Wert auf seine öffentliche Präsenz legen wird: "In meiner ersten Saison als Vorstandsvorsitzender habe ich jedoch auch gelernt, dass es für die Öffentlichkeit von großer Bedeutung ist, dass die handelnden Personen des FC Bayern in der Außenwahrnehmung präsent sind – und zwar dauerhaft präsent. Weil das Identität stiftet."

Blick in die Zukunft

"Unser Ziel für die Zukunft ist klar definiert: Wir wollen unseren Fans attraktiven, emotionalen und erfolgreichen Fußball bieten – am besten mit der maximalen Ausbeute an Titeln", stellt der Bayern-Boss unmissverständlich klar. Diese Aufgabe sei nicht nur wegen der Nachwirkungen der Coronapandemie anspruchsvoll, sondern auch, weil sich der Fußball "generell in einem Wandel mit all den sich weiter professionalisierenden Investorenclubs, einem neuen Champions League-Format ab 2024 und den Financial Sustainability Regulations, der Weiterentwicklung des Financial Fairplay", befinde. Dafür gelte es, betont Kahn, "für uns alle im Club, weiterhin gute Entscheidungen zu treffen. Dafür müssen wir in einer neuen, sich verändernden Fußballwelt denken. " 


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