Mindestgehalt, VAR, Stadien: So will der DFB die Frauen-Bundesliga reformieren

DFB-Geschäftsführer Holger Blask hat große Pläne für die Liga
DFB-Geschäftsführer Holger Blask hat große Pläne für die Liga / Boris Streubel/GettyImages
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Laut der Sportschau will der DFB das seit Langem diskutierte Mindestgehalt in der Frauen-Bundesliga bald einführen - die Klubs sind sich darüber uneinig. Auch darüber hinaus soll es weitreichende Änderungen geben. Die Liga soll professioneller werden, der Anschluss an England und die USA wieder hergestellt werden.

Einen Beschluss gibt es laut der Sportschau noch nicht. Jedoch liegt ein "Wachstums- und Professionalisierungsplan" vor, wie DFB-Geschäftsführer Holger Blask sagt. Darin sind vielfältige Maßnahmen enthalten, es geht vor allem um die Rahmenbedingungen der Liga.

Mindestgehalt in der Frauen-Bundesliga geplant

Einer der wichtigsten Punkte: ein Mindestgehalt in der Frauen-Bundesliga. Die Forderung dazu gibt es schon seit Langem, Lina Magull etwa forderte schon bei der EM 2022 einen Mindestlohn von 2.000-3.000 Euro. Dieser Wunsch könnte bald zur Realität werden.

Laut der Sportschau soll es ein Mindestgehalt zwischen 2.190 und 3.650 Euro geben, das an 22 Kaderspielerinnen bezahlt werden soll. Aktuell verdient noch die Mehrheit der Spielerinnen, nämlich 62 Prozent, weniger als 2.920 Euro. 35 Prozent der Spielerinnen verdienen weniger als 2.000 Euro. Vier Prozent der Spielerinnen bekommen ein Monatsgehalt von über 10.000 Euro.

Über das Mindestgehalt gibt es innerhalb der Liga aber Uneinigkeiten. 50 Prozent der Klubs sprechen sich für ein Mindestgehalt von 3.000 Euro aus, aber es gibt auch Widerspruch. Vermutlich kommt der vor allem von Klubs wie Essen und Nürnberg, die vor allem junge Spielerinnen haben.

Aber auch für Vereine wie Freiburg, Bremen, Köln oder Leverkusen hätte ein solches Grundgehalt erhebliche Folgen. Das Budget würde stark steigen. Aktuell ist der Frauenfußball für diese Vereine bereits ein Geschäft, das mit Zuschüssen funktioniert. Die lagen 2021/22 bei im Schnitt 1,5 Millionen Euro.

Ob das Mindestgehalt am Ende wirklich so hoch wäre, wie aus dem Papier hervorgeht, ist noch fraglich. "Ein Mindestgrundgehalt zur Förderung der Professionalisierung ist Bestandteil der Überlegungen. Die adäquate Höhe und Mechanik ist jedoch - wie viele andere Aspekte auch - Gegenstand unserer aktuellen Diskussionen mit den Klubs und keineswegs schon festgelegt", sagt Blask dazu.

Rahmenbedingungen sollen deutlich besser werden

Nicht nur das Gehalt soll in der Frauen-Bundesliga steigen. Auch die Rahmenbedingungen könnten sich komplett verändern, wenn es nach dem DFB geht. Das ginge mit weiteren Investitionen für die Vereine einher. Die konkreten Vorschläge sind:

  • Ab der Saison 2025/26 nur noch Stadien mit mindestens 5.000 Plätzen, davon 2.000 Sitzplätze
  • Nur Stadien mit Rasenheizung und Flutlicht (mindestens 1.200 Lux)
  • Light-Version des VAR ab 2026/27
  • Größere Mitarbeiterstäbe: Cheftrainer, Assistenz- Torwart- und Athletiktrainer, Physiotherapeut und Videoanalyst in Vollzeit verpflichtend

Vereine wie Essen, Nürnberg, Duisburg oder Freiburg spielen bereits in einem Stadion, das diese Anforderungen erfüllt. Viele liegen knapp über der 5000er-Marke, etwa Wolfsburg, Frankfurt oder Bremen. Bayern und Leipzig haben jedoch Kapazitäten unter 5.000 Plätzen.

FC Bayern München v TSG Hoffenheim - Google Pixel Frauen Bundesliga
Der Münchner Bayern-Campus: Zu klein für die Liga? / Sebastian Widmann/GettyImages

Größere Bundesliga geplant

Der DFB setzt sich auch mit der vieldiskutierten Aufstockung der Liga auseinander. Der Plan sieht vor, dass ab 2027 zwei Vereine dazukommen sollen. Ab 2031 sollen 16 Klubs in der Frauen-Bundesliga spielen.

Allerdings sagt Blask, dass das noch angepasst werden könnte, die Qualität müsse zunächst steigen: "Sonst führt die Aufstockung zu einer noch weiter auseinanderdriftenden Mehrklassengesellschaft. Aktuell stehen unseres Erachtens keine vier weiteren Klubs vor der Tür, die entsprechende Strukturen und sportliche Qualität mitbringen."

Außerdem soll es bald einen Supercup geben, ein Spiel zwischen dem Meister und dem Pokalsieger. Der Supercup soll bereits zur Saison 2024/25 eingeführt werden.

Ambitionierte Pläne: Bundesliga soll beste Liga der Welt sein

Der DFB gibt sich in dem Papier überaus ambitioniert. Der Verband wird gerne als zu langsam kritisiert, etwa von der Initiative "Fußball kann mehr". Die jetzt vorgeschlagenen Veränderungen sind allerdings radikal.

Die Frauen-Bundesliga soll damit (wieder) zur besten Liga der Welt werden. Das war sie schließlich schon einmal, aber das ist inzwischen lange passé. Vor allem die USA und England haben Deutschland in allen Bereichen überholt.

Um jetzt wieder aufzuholen, soll schnell gehandelt werden. Und vor allem Geld ausgegeben werden: Der DFB hat einen Finanzierungs- und Investitionsbedarf von 135,8 Millionen Euro bis 2031 errechnet.

Ursprünglich wollte der DFB das Papier schon Ende 2023 mit den Klubs abstimmen, sodass die Entscheidungen im Mai diese Jahres verkündet worden wären. Der Prozess hat sich jetzt aber verzögert, der DFB warnt vor "Perspektivverlust" und will so schnell wie möglich die Einigung mit den Klubs erzielen. Angesichts des Umfangs der Pläne dürfte das keine einfache Aufgabe sein.

Abspaltung vom DFB wird abgelehnt

Zuletzt wurde vermehrt auch eine Ausgliederung der Liga aus dem DFB diskutiert, ähnlich wie es bei der Männer-Bundesliga der Fall ist. Das schlug die Initiative "Fußball kann mehr" von Axel Hellmann und Katja Kraus vor, weil der DFB zu wenig für die Liga tue.

Mit den geplanten Maßnahmen will der DFB wohl auch bei diesen Tendenzen entgegensteuern und sich als geeignetes Dach für die Liga zeigen. Blask sagt: "Eine Ausgliederung ist per se kein Allheilmittel."