Matthijs de Ligt über den Start bei Juve und die "Kunst des Verteidigens"

Matthijs de Ligt ist nun anderthalb Jahre in Turin
Matthijs de Ligt ist nun anderthalb Jahre in Turin / Soccrates Images/Getty Images
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Anderthalb Jahre nach seinem Wechsel zu Juventus Turin spricht Matthijs de Ligt über seine bisherigen Erfahrungen (schmerzhafte wie positive), die bisherige Zeit in Italien und den Verteidigungs-Stil, den er sich dort angewöhnt hat - nämlich immer mit dem Schlimmsten zu rechnen.


Anderthalb Jahre ist es nun her, dass sich Matthijs de Ligt für seinen Wechsel zu Juventus Turin entschieden hat. Eine damals durchaus kontroverse Entscheidung, hatten doch viele mit dem Schritt hin zum FC Barcelona zusammen mit seinem Kumpel Frenkie de Jong gerechnet und somit vermutet, die Geldgier seines Beraters Mino Raiolas stünde hinter dieser Entscheidung.

Dem war nicht so. Was dem Innenverteidiger, der schon mit 17 und 18 Jahren bei Ajax Amsterdam für Aufsehen sorgte, ohnehin nicht zuzutrauen gewesen wäre, erklärte er nun auch im Gespräch mit dem britischen Telegraph erneut.

De Ligt über Wechsel zu Juventus: "War ein langer Prozess"

"Es war ein langer Prozess. Man achtet auf die Pro- und Contra-Argumente und am Ende habe ich Juventus gewählt", so der heute 21-Jährige. Und die Entscheidungsfindung lief tatsächlich wörtlich so ab: Er nahm sich ein Stück Papier und schrieb alle möglichen Vor- wie Nachteile auf. Schließlich sollte der erste große Schritt in der Karriere eines der größten Abwehr-Talente wohl überlegt sein.

"Wenn man es hier schafft, kann man es überall schaffen", betonte er mit einem Lächeln. "Ich bin da, wo ich sein möchte und wo ich so viel lernen kann wie möglich. Wir haben sehr erfahrene Spieler - Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci - aber auch im Tor mit Gianluigi Buffon oder auch Cristiano Ronaldo."

Cristiano Ronaldo, Matthijs De Ligt
De Ligt und CR7 sind längst ein eingespieltes Team / Soccrates Images/Getty Images

Eine in der Tat sehr gute Möglichkeit zu lernen. Wichtig sei dabei aber, seinen eigenen Weg zu finden: "Wir alle haben verschiedene Charakteristiken und ich versuche auch nicht sie zu kopieren, aber ich sehe Ronaldo und was er tut, wie er die ganze Zeit fit bleibt. Ich frage nach Tipps, nach Ratschlägen." Zudem habe er schon gelernt, Dinge zu tun, die gut für ihn sind. Schließlich müsse man am Ende seinen eigenen Rhythmus finden.

De Ligt, der häufig betont, nie in die Vergangenheit, sondern nur in die Zukunft gucken zu wollen, profitierte bei seinem Wechsel nach Turin von den Ajax-Tugenden. "Die erste ist Mut", erklärte er und meint damit im fußballerischen Sinne das mutige Aufbau- und das gierige Offensivspiel des niederländischen Klubs. "Die andere ist Disziplin", fuhr er fort. "Das sind wirklich wichtige Aspekte, die oftmals unterschätzt werden. Sie halfen mir schneller zu reifen."

Matthijs de Ligt
De Ligt scheint Turin nicht allzu früh wieder verlassen zu wollen / Quality Sport Images/Getty Images

Dennoch hat er eine gewisse Eingewöhnungszeit beim italienischen Rekordmeister gebraucht - auch wenn der bereits 21-fache Nationalspieler schon in sehr jungen Jahren so wirkte, als sei er der abgeklärteste Innenverteidiger im europäischen Fußball.

"In jedem Spiel spüre ich den Druck", erzählt er. Damit meint er aber den positiven Druck, sich beweisen zu wollen: "Man möchte der Welt zeigen, dass man es verdient, für Juventus zu spielen. "Natürlich gibt es in der Champions League eine ganz besondere Stimmung, aber schlussendlich ist der Fokus immer gleich."

"Kunst des Verteidigens ist, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen"

Dieser Fokus liegt bei ihm selbstredend auf der Defensive. Schnell hat er sich eine neue, passende Art angeeignet, wie er noch besser spielen kann: "Die Kunst des Verteidigens ist es, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen. Es gibt viele Spieler, die schätzen, dass es gut gehen wird für das Team, aber ich denke immer 'Was, wenn mein Teamkollege den Ball verliert? Was, wenn der Gegner die Flanke schlagen kann?'"

"Ich denke immer auf diese Art und Weise und dadurch wird man nicht so sehr überrascht, weil man so schnell und stark wie möglich sein kann; macht man es aber nicht, ist man immer eine Sekunde oder eine Millisekunde zu spät. Das ist das Wichtigste, was ich hier gelernt habe", zog er ein erstes, kleines Resümee.

Noch immer sei er davon überrascht, wie schnell und weit er im Fußball kommen konnte. "Wenn man meinem 15-jährigen Ich gesagt hätte, dass ich an diesem Ort wäre mit all dem, was ich bereits erreicht habe, würde ich sagen, dass das unmöglich ist", so de Ligt. "Aber das ist das Gute am Fußball. Jeder Tag ist ein neuer Tag, eine neue Chance sich zu beweisen."