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Nachfolger von Rangnick bei Man United: Welcher Trainer hat die besten Karten?

Nikolas Pfannenmüller
Ralf Rangnick wird im Sommer auf dem United-Trainerstuhl Platz machen müssen
Ralf Rangnick wird im Sommer auf dem United-Trainerstuhl Platz machen müssen / Alex Pantling/GettyImages
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Mit dem Ende der Saison 2021/2022 wird für Ralf Rangnick bei Manchester United zumindest die Zeit als Trainer enden. "Der Professor" wird den Klub zwar weiterhin in einer beratenden Funktion unterstützen, doch ein Nachfolger für den 63-Jährigen muss trotzdem gefunden werden. Vier Kandidaten werden derzeit intensiv gehandelt - wer hat die besten Karten?


Ralf Rangnick hat Manchester United zuletzt wieder auf Kurs gebracht. Mit zwei Siegen aus den beiden letzten Premier-League-Partien, darunter gegen den direkten Konkurrenten West Ham United, sind die Red Devils auf einen Champions-League-Platz gesprungen.

Zwar ist der Rückstand auf die Top-Drei immer noch beträchtlich, doch nach dem fahrigen Saisonstart gibt es jetzt zumindest wieder die Hoffnung, die Saison halbwegs versöhnlich abzuschließen.

Rangnick soll im Sommer 2022 seinen Trainerposten räumen

Dass Rangnick vor potentiellen Champions-League-Spielen in der kommenden Spielzeit die Kabinenansprache hält, gilt allerdings als äußerst unwahrscheinlich.

Nach dem letzten Saisonspiel im Mai 2022 soll Rangnick seinen Posten räumen und für zwei Jahre als Berater tätig sein. Die Vereinsverantwortlichen haben die feste Absicht, für 2022/2023 einen neuen Trainer zu verpflichten.

Pochettino, ten Haag, Enrique und Lopetegui werden gehandelt

Nach Informationen von The Athletic gelten Mauricio Pochettino, Erik ten Hag, Luis Enrique und Julen Lopetegui als Nachfolgekandidaten. Alle vier haben jedoch noch einen laufenden Vertrag. Doch anscheinend stellt diese Gegebenheit kein Hindernis für Manchester United dar.

Der neue Trainer soll Erfahrung bei einem großen Verein gesammelt haben. Dies ist ein wichtiges Kriterium bei der anstehenden Auswahl des Hauptübungsleiters. Bei der näheren Betrachtung fällt auf, dass alle genannten Trainer dieses Kriterium mehr oder weniger erfüllen.

Pochettino arbeitet derzeit für Paris Saint-Germain und hat zuvor die Tottenham Hotspur in die Premier-League-Spitze geführt. Ten Hag hat national wie international mit Ajax Amsterdam Erfolg gehabt.

Luis Enrique war drei Jahre beim FC Barcelona angestellt und betreut aktuell die spanische Nationalmannschaft. Lopetegui verdient sein Geld als Trainer des FC Sevilla. Außerdem war er für kurze Zeit bei Real Madrid tätig und hat die spanische Nationalmannschaft gecoacht.

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Mauricio Pochettino soll der Favorit als neuer United-Coach sein / SEBASTIEN SALOM-GOMIS/GettyImages

Pochettino hat als einziger Englanderfahrung vorzuweisen

Aber welcher der vier Kandidaten hat auf dem Papier die besten Karten? In Sachen Englanderfahrung kann Pochettino keiner der drei anderen Anwärter das Wasser reichen.

Zwischen Januar 2013 und Juni 2014 trainierte der Argentinier den FC Southampton, ehe zu den Tottenham Hotspur abwanderte und dort mehr als fünf Jahre blieb.

Regelmäßig schaffte Pochettino mit seinen Teams den Sprung in die Top-4 der Premier League. 2019 gelang ihm mit den Spurs sogar der Einzug ins Finale der Königsklasse, doch gegen den FC Liverpool zog seine Mannschaft den Kürzeren.

Bei Paris ist es für Pochettino sehr schwer, positive Schlagzeilen zu schreiben

Als derzeitiger Trainer von Paris Saint-Germain ist Pochettino mit einer anderen Aufgabe konfrontiert. Es geht diesmal nicht wie bei Tottenham oder Southampton darum, ein Team nach oben zu führen, in der französischen Hauptstadt muss der 49-Jährige vor allem mit einer Reihe an Egozentrikern klarkommen und aus diesen schwierigen Charakteren eine Truppe formen, die zusammenhält, Widrigkeiten trotzt und die Defensivarbeit nicht vernachlässigt.

Außerdem erwartet jeder Beobachter, dass PSG die französische Meisterschaft holt und die Champions League endlich gewinnt. Nur der nationale Titel bei einem frühzeitigen Aus auf internationaler Ebene käme fast schon einem Scheitern gleich.

Bei Manchester United gibt es mit Cristiano Ronaldo und Paul Pogba zwar auch zwei Superstars mit großen Egos, mit denen man als Trainer besonnen umgehen muss, dennoch scheint der Kader etwas einfacher handzuhaben sein als der von Paris.

Weder ten Haag noch Enrique oder Lopetegui haben in ihrer Karriere in England gearbeitet. Für Pochettino ist diese Tatsache von Vorteil, nur stellt sich die Frage, wie wichtig der United-Führungsriege dieser Aspekt ist.

Enrique hat mit Barcelona die Champions League gewonnen

Wenn der Gesichtspunkt Titel am meisten gewichtet wird, führt kein Weg an Enrique vorbei. Mit dem FC Barcelona war er zweimal spanischer Meister und dreimal Pokalsieger, wenngleich man eingestehen muss, dass dem heute 51-Jährigen etliche Spitzenspieler zur Verfügung standen.

Doch mit Enrique haben die Katalanen zum bisher letzten Mal die Champions League gewonnen. Das war 2015, im gleichen Jahr wurde der Spanier auch zum Weltclubtrainer gewählt.

Nach seinem Weggang 2017 hatte Barça ebenfalls noch einige gute Mannschaften, die danach allerdings nie mehr über das Champions-League-Halbfinale hinauskamen.

Lopetegui gewann 2020 mit dem FC Sevilla die Europa League

Lopetegui hat 2020 mit dem FC Sevilla die Europa League gewonnen und leistet seit zweieinhalb Jahren gute Arbeit bei den Andalusiern. Sevilla kann heuer sogar noch die spanische Meisterschaft holen. Der La-Liga-Zweitplatzierte hat nur vier Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Real Madrid.

Der mediale Trubel rund um den FC Sevilla ist allerdings nicht mit dem von Real Madrid zu vergleichen. Als Trainer der Madrilenen zwischen Juli und Oktober 2018 kam Lopetegui nicht so gut zurecht mit dem Druck und den Erwartungen.

Als die Ergebnisse ausblieben, wurde der 55-Jährige früh in der Saison entlassen. Jetzt in Sevilla scheint die Chemie zwischen dem Team und Lopetegui aber zu stimmen.

Lopetegui und ten Haag haben wohl nur Außenseiterchancen

Angesichts seiner missglückten Madrid-Episode ist Lopetegui aber nicht unbedingt ein Favorit auf den Posten bei Manchester United, wo der Druck und die mediale Aufmerksamkeit ähnlich groß wie in Madrid ist.

Wie Lopetegui hat ten Haag vermutlich nur Außenseiterchancen auf den Job. Zwar haben unter dem Niederländer bei Ajax Amsterdam viele Spieler einen massiven Entwicklungssprung gemacht, doch außerhalb seines Heimatlands hat er noch kaum Erfahrungen aufzuweisen.

Seit Dezember 2017 trainiert ten Haag Ajax, zwischen 2013 und 2015 war er für die zweite Mannschaft des FC Bayern München tätig. Die geringe Auslandserfahrung ändert nichts an der Tatsache, dass ten Haag sich als geschätzter Fachmann enorme Lorbeeren erworben hat.

Topklubs greifen häufig auf große Namen zurück

Topklubs wie Manchester United greifen aber häufig auf Kandidaten zurück, die einen großen Namen haben. Insofern sind Pochettino und Enrique in einer besseren Ausgangsposition als ten Haag und Lopetegui.

Ob Manchester United seinen Wunschkandidat bekommt, hängt allerdings auch davon ab, ob der Auserwählte sich mit seinem jetzigen Klub auf eine Vertragsauflösung einigen kann. Noch sind derartige Gedankenspiele allerdings Zukunftsmusik.


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