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Kommentar: Kritik an Krisen-Kommunikation und -Management auf Schalke

Alexander Jobst
TF-Images/Getty Images

Inmitten der Corona-Krise erhebt sich die öffentliche Kritik an der Kommunikation und dem Management von Schalke 04, was die derzeitige Lage des Vereins betrifft. Zunächst eine klare Einschätzung, danach fehlende Erklärungen. Wichtige Aktionen zur Hilfe des Klubs stehen ebenfalls nicht an.

Der weiterhin ruhende Spielbetrieb bei gleichzeitig laufenden Kosten ist für viele Vereine im deutschen Profi-Fußball gefährlich - natürlich auch für Schalke. Besser gesagt: Speziell für Schalke. Kommunikations-Vorstand Alexander Jobst und Finanz-Vorstand Peter Peters hatten zu Beginn der Corona-Krise verlauten lassen, dass es sich um eine "potenziell existenzbedrohende" Lage handelt. Worte, die zunächst den gefährlichen Rahmen deutlich machten. Worte, die längst verhallt sind.

"Potenziell existenzbedrohend" - Und dann folgten keine Aktionen auf Schalke

Dass die aktuelle Lage für einen Verein, der keinerlei Rücklagen und stattdessen fast 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten aufgebaut hat, besonders gefährlich ist, sollte niemanden überraschen. Das hat auch nichts mit den zuletzt etwas lauter gewordenen Diskussionen um den Verbleib als eingetragener Verein zu tun - viele Fans bemängeln längst eine Misswirtschaft in den obersten Etagen. Während im vergangenen Jahr die letzte Rate für das eigene Stadion abbezahlt wurde, haben sich die Verbindlichkeiten durch regelmäßiges Arbeiten auf Pump angehäuft.

Peter Peters
S04-Finanzvorstand Peter Peters steht derzeit bei einigen Fans in der Kritik | TF-Images/Getty Images

Allerdings konnte man in den letzten Wochen keine Aussagen mehr seitens der Schalker Vereinsführung vernehmen, welche angesichts der sich veränderten Situation die eigene Lage vernünftig, transparent oder leicht verständlich erklärt hat. Die S04-Fans sitzen im Dunkeln, was den eigenen Verein betrifft. Willi Lemke, ehemaliger Manager bei Werder Bremen, hatte dies am Sonntag im Sport1-Doppelpass kritisiert: "Eine solche Pressekonferenz habe ich auf Schalke nicht gesehen."

Gemeint war das offene und transparente Vorgehen Werders. Von diesem Hieb gegen einen anderen Bundesligisten kann man halten, was man möchte, speziell in der aktuellen Situation, aber Recht hat Lemke damit. Natürlich haben auch viele andere Vereine keine gesonderten PKs abgehalten, aber der Ruf nach mehr Transparenz und Offenheit bei Königsblau schallt auch bei einigen Fans in den sozialen Netzwerken wieder.

Zudem gibt es Unmut über das weitere Vorgehen des Klubs. Während es beinahe Usus in der Bundesliga ist, dass sich die Fans ihre gekauften Karten und Tickets für Geld rückerstatten können, wurde diese Option in den Statements des S04 nicht erwähnt.

Stets wurde der Verzicht erbeten, es wurden Gutscheine für den Fan-Shop oder eine Anrechnung auf künftige Tickets angeboten. So weit wäre es kein Problem, wenn man nicht zumindest indirekt verschweigt, dass die Fans auch die Möglichkeit haben, ihr Geld zurückzufordern. Rechtlich gesehen muss der Verein diese Option nicht nur anbieten, sondern auch vollziehen - und er tut es auch. Dennoch ist es wohl als schlechter Stil anzusehen, dass dies erst über die Eigeninitiative der Fans bekannt wird.

Die fehlenden Sonderaktionen, um gesondert Einnahmen zu generieren, stößt ebenfalls auf Unverständnis. Mit der Aktion "#NurimWir" hat der S04 zwar eine gute Kampagne gestartet, doch die Möglichkeiten von Sonder-Trikots, speziellen Masken in Schalke-Aufmachung oder sogenannte Geister-Tickets bleiben weiterhin ungenutzt. Es gibt zahlreiche Fans und Anhänger, die ihren geliebten Verein durch diese Krise helfen wollen - doch wirklich die Möglichkeit haben sie dazu nicht, und das geht vom Verein aus.

So wird das gesamte Management der Krise, und die dazugehörige Kommunikation, derzeit diskutiert wie kritisiert. Dabei lenkt sich ein Großteil der Wut auf Peter Peters und Alexander Jobst. Während andere Vereine erklären, woran es hakt, welche Summen womöglich fehlen, an welchen Stellen der Fan helfen kann, schweigt Schalke seit Wochen. Aus den zunächst großen Worten, die für ein Aufschrecken gesorgt haben, ist nur wenig erfolgt.