Bayern München

Kahn: Bayern als Ausbilder für die Premier League? "Ganz bestimmt nicht!"

Yannik Möller
Oliver Kahn
Oliver Kahn / Sebastian Widmann/GettyImages
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Oliver Kahn sieht den FC Bayern weiter in der europäischen Elite - trotz ungleicher Vermarktungsgelder im Vergleich zu anderen Ligen. Ein Ausbildungsklub für die reiche Premier League will und wird der deutsche Rekordmeister nicht werden, bekräftigt der Bayern-Boss.


Zuletzt beklagte Oliver Kahn ein "erdrutschartiges Missverhältnis" in Sachen TV-Vermarktung zwischen der Bundesliga und den anderen europäischen Top-Ligen - allen voran steht natürlich die Premier League im Fokus.

Während die Bundesliga etwas weniger als 150 Millionen Euro bekommt, sind es in England etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Außerdem: Die internationale Vermarktung des englischen Fußballs liegt erstmals höher, als die nationale Vermarktung.

"Das ist ein Fingerzeig, wo die Musik in Zukunft spielen wird: international", wusste der Vorstandsvorsitzende der Bayern nun in der Sport Bild zu betonen. Die ungleiche finanzielle Ausstattung der Top-Klubs, die in europäischen Wettbewerben aber trotzdem konkurrieren, sieht er als großes Problem.

Kahn sieht Bayern international weiter konkurrenzfähig: "Selbstbewusst an Zielen festhalten"

Dennoch glaubt er an die Konkurrenzfähigkeit der Münchener, auch in den kommenden Jahren. "Wir stehen im Fünf-Jahres-Ranking der UEFA momentan auf Platz eins. Wir haben in den letzten Jahren verglichen mit anderen europäischen Topklubs immer überperformt, was die sportlichen Erfolge im Vergleich zu den finanziellen Voraussetzungen betrifft", so Kahn.

Sein Fazit: "Deshalb können wir selbstbewusst an unseren Zielen festhalten."

Im Sinne der Finanzlage der verschiedenen Spitzenvereine ist natürlich auch das deutsche "50+1"-Model ein Thema. Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete diese Regel zuletzt als "Relikt alter Tage".

Kahn hingegen verweist allen voran darauf, dass der FCB durch eine Abschaffung keinen Vorteil hätte, "weil wir in unserer Satzung sogar 70+1 festgeschrieben haben".

Oliver Kahn
Kahn: FCB zeigt sich besorgt, aber selbstbewusst / Alexander Hassenstein/GettyImages

Der ehemalige Nationaltorwart weiter: "Trotzdem ist es unsere Haltung, dass man es den Vereinen selbst überlassen sollte, ob und wie weit sie sich für einen Investor öffnen wollen." Im Verband der europäischen Vereine bemerke er immer wieder, dass Vertreter anderer Ligen nicht verstehen, wieso der deutsche Profi-Fußball an dieser Regulierung festhält.

"Man sieht ja auch bei den neuen Financial Sustainability Regulations [das neue Financial Fairplay], dass die UEFA durchaus befürwortet, dass Investoren-Geld in den Fußball fließt", erklärte Kahn. Zumal solche Vorgänge "grundsätzlich nichts Falsches" seien. Immerhin würden mittlerweile "sehr viele Vereine, nicht nur in England, erfolgreich von Investoren geführt".

Negativ-Beispiele, wie etwa der Einstieg von Lars Windhorst bei Hertha BSC, mit ausbleibendem Erfolg und dafür viel Unruhe, ließ der Vorstandschef nicht gelten. Dahingehend sollte "auch nicht ständig Augenwischerei" betrieben werden - immerhin hätten auch einige Bundesliga-Klubs längst größere Partner mit am Tisch sitzen. Die Bayern etwa mit Audi, Adidas und der Allianz.

TV-Vermarktung in Eigenregie nicht ausgeschlossen

Im Sinne einer besseren TV-Vermarktung wollte er auch eine Vermarktung in Eigenregie nicht ausschließen. "Es sollte keine Denkverbote geben, denn wir alle können aktuell nicht mit den Erlösen aus der Auslandsvermarktung der Bundesliga zufrieden sein", gab Kahn zu verstehen.

Eines schließt er aber doch ganz rigoros aus: Der FCB werde "ganz bestimmt nicht" zu einem Ausbildungsverein für die reiche Premier League, um mit deutlich mehr Transfereinnahmen punkten zu können.

"Wir werden auch in Zukunft sportlich und wirtschaftlich stark und attraktiv für Top-Spieler sein. Wir wissen genau, auf welchen Feldern wir mehr als konkurrenzfähig sind und wo wir uns weiterentwickeln wollen. All das stimmt mich sehr positiv, dass wir ein weiteres erfolgreiches Bayern-Jahrzehnt erleben können", zeigte er sich optimistisch.


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