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Jetzt geht's beim HSV ans Fein-Thiouning!

Daniel Thioune
Da war er noch Gast im Volkspark: Daniel Thioune | Martin Rose/Getty Images

Die Saison ist nun (zum Glück!) vorbei, der alljährliche neue Trainer bereits da und nach den nur all zu bekannten warmen Worte während der Präsentation von Neu-Coach Daniel Thioune kann es nun beim Hamburger SV endlich in medias res gehen. Auf den neuen Übungsleiter und sein Team warten einige Aufgaben in den kommenden Wochen.

Die Torwart-Frage

Das geht schon bei der Torwart-Frage los. Zum Ende der abgelaufenen Saison wagte Dieter Hecking noch mal den Schnitt - und stellte ab dem 29. Spieltag den von vielen schon abgeschriebenen Julian Pollersbeck für den immer fehlerhafteren Daniel Heuer Fernandes ins Tor. Dies vorweg: an Pollersbeck lag es sicherlich am wenigsten, dass der Aufstieg erneut verpasst wurde. Doch ein Blick auf die Vertragssituation verrät: eigentlich müssten die HSV-Verantwortlichen demnächst das Gespräch mit dem 25-jährigen Schlussmann suchen. Denn dessen Kontrakt in Hamburg läuft im kommenden Jahr aus. Dasselbe gilt für den dritten Torhüter im Team, HSV-Urgestein Tom Mickel.

Daniel Heuer Fernandes
Als 2. Torhüter oder als Verkaufskandidat eingeplant? Daniel Heuer Fernandes | TF-Images/Getty Images

Da der als Nummer eins in die vergangene Saison gestartete Heuer Fernandes (Vertrag bis 2022) mittlerweile ins zweite Glied versetzt wurde, muss man sich beim HSV grundsätzliche Fragen stellen: will man mit Pollersbeck als unbestrittene Nummer 1 in die neue Spielzeit (und Heuer Fernandes als dessen Herausforderer)? Oder wäre sogar eine Verpflichtung eines neuen Keepers sinnvoll, um den Konkurrenzdruck nochmals zu erhöhen? Einer von beiden, Heuer Fernandes oder Tom Mickel, wäre dann wohl überflüssig.

In der zentralen Abwehr besteht akuter Handlungsbedarf

Doch noch viel mehr als auf der Torwartposition besteht in der zentralen Defensive akuter Handlungsbedarf. Stand jetzt gibt es vier gesunde Spieler im Kader, die dort agieren können: Gideon Jung, Ewerton, Stephan Ambrosius (der gegen den SV Sandhausen am letzten Spieltag, trotz der 1:5-Klatsche, gute Ansätze zeigte) und Leih-Rückkehrer Jonas David. Rick van Drongelen fällt mit seiner Knieverletzung voraussichtlich bis mindestens Ende des Jahres, im schlimmsten Fall Anfang 2021, aus. Der Schotte David Bates beendet zwar ebenfalls seine (erfolglose) Leihe bei Sheffield Wednesday, dürfte aber beim HSV kaum noch eine Zukunft haben.

Robin Knoche
Steigt HSV in das Rennen um ihn ein? Robin Knoche | Boris Streubel/Getty Images

Im Gespräch waren zuletzt die Namen von Robin Knoche (28, dessen Vertrag in Wolfsburg nicht verlängert wurde), Lasse Sobiech (29, der schon in der Saison 2013/14 für die Rothosen aktiv war) und - im Zuge der Verpflichtung von Daniel Thioune als Cheftrainer - der Osnabrücker Moritz Heyer (25).

Gefragt, ob sein früherer Schützling auch gleich seine erste Verpflichtung beim neuen Klub werden könnte, antwortete Thioune betont ausweichend: "Ich setze mich mit vielen Dingen auseinander. Wir wissen um die Baustelle in der Innenverteidigung, die ist mir nicht neu. Aber es wird auch da Lösungen geben. Ob Moritz Heyer dazugehören wird, bleibt erstmal ein Geheimnis."

Nahrung erhielten die Gerüchte nun zusätzlich durch den Umstand, dass Heyer am gestrigen Montag in Hamburg weilte und daraus auch gar kein Geheimnis machte, sondern ein Foto von dem betreffenden Café an der Außenalster postete.

TSV Prolactal Hartberg v LASK - tipico Bundesliga
Ein Kandidat fürs HSV-Mittelfeld: Peter Michorl vom LASK | Markus Tobisch/Getty Images

Die Suche nach einem Spielgestalter

Im Mittelfeld wird ebenfalls gefahndet. Und zwar nach einem spielstarken Lenker. Diese Rolle wurde von Routinier Aaron Hunt in den letzten zwei Jahren viel zu selten überzeugend interpretiert. Im letzten Viertel der Saison ging Hunt, eigentlich als Anführer für den Rest der Truppe eingeplant, genau wie seine Kollegen sang- und klanglos unter. In diesem Zusammenhang fiel zuletzt immer öfter der Name von Peter Michorl. Der 25-jährige Österreicher ist noch beim Linzer ASK unter Vertrag (bis 2021). Gegenüber SkyAustria sagte Michorl vor kurzem: "Stand jetzt bin ich Spieler des LASK. Ich fühle mich pudelwohl in Linz, das habe ich immer betont. Ich werde jetzt in den Urlaub gehen und Stand jetzt werde ich am 24. August hier zur Vorbereitung antanzen."

Aufgrund der bemühten Wortwahl ("Stand jetzt") sah sich der Interview-Moderator am Ende doch noch gezwungen, den HSV zumindest mal zu erwähnen. Die Reaktion von Michorl war ein verlegenes Lächeln und der vielseitig interpretierbare Satz: "Dazu kann ich im Moment nichts sagen."

Geht noch was bei Pohjanpalo?

Schließlich noch der Sturm. Da hatte man in Leihspieler Joel Pohjanpalo eigentlich den perfekten Kandidaten für die Position des Stoßstürmers. Leider so perfekt, dass er auch entsprechend teuer wäre. Ein vor einiger Zeit kolportiertes Preisschild von um die 10 Millionen Euro wäre für den klammen HSV definitiv zu hoch. Doch hier könnte der allgemeine Terminplan dem HSV in die Karten spielen.

Joel Pohjanpalo
Seine Tore reichten am Ende nicht zum Aufstieg: Joel Pohjanpalo | DeFodi Images/Getty Images

Denn am Ende der kommenden Saison steht bekanntlich die verschobene EURO 2020. Heißt: jeder im Dunstkreis seiner jeweiligen Nationalmannschaft stehende Kicker hat ein ureigenes Interesse daran, möglichst viel Spielzeit zu bekommen, um sich für einen Platz im Turnierkader zu bewerben. Im Falle Pohjanpalos kommt noch die emotionale Zugabe, dass Finnland das erste Mal überhaupt bei einem Großereignis dabei ist. Sozusagen eine Jahrhundertchance für jeden finnischen Nationalspieler. Entsprechend genau wird ein jeder Kicker darauf achten, wo er seine Unterschrift hinsetzt.

Doch bis auf die Tatsache, dass sich Pohjanpalo beim HSV sehr gut eingelebt hat (9 Tore in 14 Spielen belegen das), hat der zweitklassige Traditionsklub sonst nicht viele Argumente zu bieten. Und ob Sportvorstand Boldts weiterhin bestehende Kontakte zu Bayer Leverkusen ausreichen, um den Finnen für ein weiteres Jahr ausleihen zu können, erscheint zumindest zweifelhaft. Bei Geld hört schon im wahren Leben die Freundschaft auf - zwischen Fußballklubs sowieso.

Zusammengefasst gibt es für Daniel Thioune und den HSV sowohl zeitlich drängende Probleme (Verträge der Torhüter) als auch fundamental wichtige allgemeinsportliche Herausforderungen (Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen) zu lösen. Und das auch noch mit einem um sieben Millionen geringeren Etat als noch im Vorjahr. Das Fein-Thiouning beim HSV hat spätestens gestern begonnen.