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Hamburger SV

HSV und Bobby Wood - das nahende Ende eines Missverständnisses

Guido Müller
Oliver Hardt/Getty Images
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Einem Bericht von The Athletic zufolge wird sich HSV-Stürmer Bobby Wood (28) spätestens nach Ablauf der laufenden Spielzeit dem US-amerikanischen Klub Real Salt Lake City anschließen. Sogar ein Abgang noch in diesem Winter ist nicht ausgeschlossen.

Dafür jedoch müsste bald Klarheit herrschen, wann die nordamerikanische Profi-Liga MLS ihren Betrieb wieder aufnimmt. Bislang stand Mitte März als Zeitpunkt des Saisonstarts im Raum.

Grundsätzlich soll aber zwischen Wood und dem Klub aus der Hauptstadt des Mormonenstaats Utah Einigung über eine Zusammenarbeit ab dem kommenden Sommer herrschen. Demnach soll der Stürmer einen Vertrag bis 2022 erhalten und ein Gehalt zwischen 500.000 und 1,3 Millionen Euro jährlich beziehen.

Weit unter dem also, was er zuletzt beim HSV kassiert hat. Mit Bobby Wood, dessen Vertrag in Hamburg im Sommer sowieso ausgelaufen wäre, verlässt somit der letzte Großverdiener (zwei Millionen Euro jährlich) im aktuellen Kader den Verein.

Damit endet eines der unrühmlichsten Transfer-Kapitel der letzten Jahre. 2016 war Bobby Wood vom damaligen Zweitligisten Union Berlin für den stolzen Betrag von vier Millionen Euro zu den Rothosen gewechselt. Seine Empfehlung: 20 Scorer-Punkte (17 Treffer, drei Assists) in seiner letzten Saison (2015/16) für die Eisernen.

Guter Start beim HSV - und dann kam die vorschnelle Vertragsverlängerung

Und auch beim HSV, eine Liga-Etage höher, schien er sich zunächst gut einzugewöhnen. Zwei Treffer in den ersten beiden Liga-Spielen (gegen Ingolstadt und Leverkusen) schienen die Entscheidung der Verantwortlichen, für Wood an die finanzielle Schmerzgrenze zu gehen, zu bestätigen.

Als kurze Zeit später dann Gerüchte um das Interesse potenterer Klubs (BVB, Bayer Leverkusen) aufkamen, ließ man sich in der Führungsetage beim HSV offensichtlich zu leicht treiben. Auch von dem im Hintergrund der Transfer-Aktivitäten munter mitmischenden Geldgeber namens Klaus-Michael Kühne.

Resultat: Noch vor Beginn der Saison 2017/18 offerierte der Klub dem Stürmer eine sukkulente Vertragsverlängerung (bis 2021) mit geradezu fürstlicher Entlohnung (um die 3,5 Millionen Euro jährlich).

Seit dreieinhalb Jahren läuft Wood seiner alten Form hinterher

Seitdem kam Wood eigentlich nie wieder richtig in die Spur. Besagte Saison 2017/18 endete dann auch noch mit dem erstmaligen Abstieg in die Zweite Liga. Woods Bilanz dieser Spielzeit: zwei Tore in 24 Liga-Spielen.

Auch aufgrund dieser Eindrücke verlieh man den vom Hoffnungsträger zum Sündenbock mutierten Stürmer zu Hannover 96, wo er ebenfalls nicht weiter auffiel. Und natürlich viel zu teuer war, um ernsthaftes Interesse bei den Leine-Städtern zu entfachen, ihn langfristig zu verpflichten.

Auch Hecking konnte Wood, nach dessen Rückkehr im Sommer 2019, nicht mehr auf das richtige Gleis setzen und verlor nach anfänglichen Bemühungen, den Spieler wieder ins Team integrieren zu können, die Hoffnung.

Unter Heckings Nachfolger Thioune wurde Wood aus der fast völligen Versenkung, in die er verschwunden war, hervorgeholt und bekam zumindest wieder regelmäßige Kurzeinsätze. Doch wirklich belohnt wurde dieses Vertrauen auch nicht. Ein mickriger Assist (beim 4:0 über den SV Sandhausen) steht bislang in Woods diesjähriger Leistungsbilanz.

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