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Hamburger SV

HSV: Kehrt Seelers Enkel zurück in den Volkspark?

Guido Müller
Apr 13, 2021, 1:52 PM GMT+2
Öztunali, hier im Trikot der U21-Auswahl, im Duell mit dem einstigen Mainzer Kollegen Abdou Diallo
Öztunali, hier im Trikot der U21-Auswahl, im Duell mit dem einstigen Mainzer Kollegen Abdou Diallo / Boris Streubel/Getty Images
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Noch weiß man gar nicht, in welcher Liga der Hamburger SV in der kommenden Spielzeit antreten wird, doch natürlich müssen auch die Verantwortlichen am Volkspark allmählich in die heiße Phase der Planungen für die neue Saison einsteigen. Passend dazu wird gerade ein Name gehandelt, der auf die Fan-Seele geradezu elektrisierend wirkt.

Und das in zweifacher Hinsicht. Denn das Bekanntwerden des Abschiedes von Levin Öztunali, dem Enkel von Klub-Ikone Uwe Seeler, löste im Winter 2013 ein mittelschweres Beben im Traditionsklub aus.

Monatelang hatte Sportdirektor Frank Arnesen, im Verbund mit dem damaligen Trainer Thorsten Fink, versucht, das Talent von einem Verbleib in der Hansestadt über den Sommer 2013 hinaus zu überzeugen.

Vergebens. Öztunali, damals beraten von seinem Vater Mete, entschied sich am Ende für die Offerte von Bayer Leverkusen.

"Bei Bayer 04 Leverkusen haben schon viele junge deutsche Spieler ihre Karriere gestartet. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei meiner Entscheidung und freue mich auf eine tolle Herausforderung bei einem Topklub", jubilierte der damals 16-Jährige, während sich Arnesen nur ein dürres Statement abringen ließ: "Das Leben geht weiter, aber wir haben uns nichts vorzuwerfen. Finanziell haben wir uns noch nie so um ein Talent bemüht wie diesmal."

Knatsch zwischen "Uns Uwe" und "seinem" HSV

Doch diese zur Schau getragene Gelassenheit war dann wohl doch nur für die Galerie. Wie sehr es in Arnesen ob des besiegelten Abgangs Öztunalis brodelte, verdeutlichte die kurze Zeit später erfolgte Suspendierung des Teenagers vom Trainingsbetrieb. Zudem wurde Mete Öztunali, bis dahin als Scout für die Hamburger tätig, kurzerhand seiner Aufgaben entbunden und beurlaubt.

Dinge, die wiederum den Opa auf die Palme brachten. Gegenüber der Mopo schüttete "Uns Uwe" sein Herz aus: "Levin ist freigestellt worden, das habe ich zur Kenntnis genommen. Es ist armselig und lächerlich, denn er ist ein ordentlicher Junge, der bis zum Ende alles gegeben hätte. Irgendetwas wird uns schon einfallen, damit sich der Junge bewegen kann", kommentierte Seeler die Maßnahme (die von Arnesen später übrigens öffentlich dementiert wurde) in ungewohnt scharfem Ton.

Und legte dann noch mal richtig nach: "Ich stehe für die 50er, 60er und 70er-Jahre des HSV, doch diesen HSV gibt es nicht mehr. Der Verein hat seine Seele und Tradition ein bisschen verloren. Ich unterstütze meinen Enkel, ebenso wie die gesamte Familie."

Starker Tobak von der Klub-Legende! Würde er wegen dieser Affäre sogar mit "seinem" HSV brechen? Eine Zeitlang sah es tatsächlich danach aus.

Doch wie das so ist. Der von sportlichen Ergebnissen geprägte Alltag hielt schließlich auch beim HSV wieder Einzug - und Uwe Seelers Enkel war am Volkspark erstmal Geschichte.

Bei Bayer entwickelte sich Öztunali zunächst genau so, wie es sich Rudi Völler & Co. geträumt und die HSV-Fans befürchtet hatten. Am 10. August 2013, zum Auftakt der Bundesliga-Saison 2013/14, kam er im Heimspiel gegen den SC Freiburg zu seinem Bundesliga-Debüt, als er in der 87. Minute für Gonzalo Castro eingewechselt wurde. Damit war Öztunali zu diesem Zeitpunkt der jüngste Spieler, der jemals für Bayer in der Bundesliga aufgelaufen war.

Ein knappes Jahr später errang er in Ungarn mit der deutschen U19-Nationalmannschaft den Europameister-Titel durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen Portugal. Bei dem Turnier wurde Öztunali in die All-star-Mannschaft gewählt.

Leihe - ausgerechnet zum SV Werder Bremen!

Doch schon kurze Zeit später zeichnete sich ab, dass er es in Leverkusen schwer haben würde, dauerhaft auf regelmäßige Einsätze zu kommen. Und so ließ sich der gebürtige Hamburger zur Rückrunde der Spielzeit 2014/15 verleihen.

Und abermals mussten die HSV-Fans sehr tapfer sein: Denn der Enkel von Uwe Seeler streifte sich ab jenem Winter ausgerechnet das grüne Trikot des Erzrivalen aus Bremen über. Für den er dann auch noch seinen ersten Bundesliga-Treffer (am letzten Spieltag besagter Saison) erzielte.

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Im grünen Trikot des Erzrivalen des HSV: Levin Öztunali bejubelt ein Werder-Tor / PATRIK STOLLARZ/Getty Images

Nach eineinhalb Jahren in der "Verbotenen Stadt" kehrte Öztunali, gestählt durch insgesamt 41 Bundesliga-Spiele für Werder, zurück an den Niederrhein. Wo die Konkurrenz allerdings abermals so groß war, dass er der Offerte des FSV Mainz 05 kaum widerstehen konnte. Ende August 2016 unterschrieb Levin Öztunali einen Fünfjahresvertrag mit den Rheinhessen.

Mit denen er in der Saison 2016/17 sogar auf europäischem Parkett auftreten konnte. Beim 3:2-Sieg der Mainzer in Qabala gelang Öztunali sein erster (und bis heute einziger) Treffer im Europapokal. Zum Abschluss der Spielzeit, im Sommer 2017, wurde er dann auch noch U21-Europameister.

Öztunali unter Svensson nur noch Randfigur

Jetzt schließt sich dieser Kreis. Für Öztunali und für Mainz 05. Denn der 2016 unterschriebene Kontrakt läuft in gut zweieinhalb Monaten aus. Eine Verlängerung wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Öztunali ist bei den Mainzern mittlerweile ins zweite Glied abgerutscht.

Kam er unter Achim Beierlorzer, mit dem die 05er in die Saison gestartet waren, und dessen Nachfolgern Jan-Moritz Lichte und Jan Siewert in der Hinrunde noch zu regelmäßigen Einsätzen, sah das unter Bo Svensson ganz anders aus.

Levin Oztunali, Danny Latza
Hier bejubelt Öztunali seinen bisher einzigen Saisontreffer (in Dortmund). Zuletzt saß er meist nur auf der Bank / Pool/Getty Images

Unter der Ägide des Anfang Januar zum Cheftrainer bestellten Schweden absolvierte Öztunali nur noch ein Spiel über die volle Distanz von neunzig Minuten. In acht der letzten neun Spielen ließ ihn der Coach sogar komplett außen vor. Doch ein Bankplatz ist für einen Spieler seiner Güte auf Dauer keine Option.

Und so kann es eigentlich nicht überraschen, dass diese Personalie jetzt auch den Hamburger SV wieder beschäftigt. Doch der muss sich natürlich aufgrund der aktuellen Konstellation (siehe oben) weiterhin bedeckt halten.

Öztunali-Rückkehr nur im Fall des Aufstiegs denkbar

Wie die Mopo jedoch berichtet, soll sich sogar Öztunali selbst eine Rückkehr zum Hamburger SV wieder gut vorstellen können. Dies gilt aber wohl nur für den Fall, dass die Hamburger in diesem Frühjahr in die Beletage zurückkehren. Immerhin soll der Kicker auch in Gesprächen mit Klubs aus England und Spanien stehen.

Er wäre, daran kann es gar keinen Zweifel geben, eine enorme Verstärkung für den HSV. Und gleichzeitig Balsam für die geschundene Fan-Seele.

Technisch beschlagen, viel schneller als es ob seines Bewegungsablaufes bisweilen aussieht und mit einer phänomenalen Schusstechnik ausgestattet, braucht man nicht viel Phantasie, um ihn sich in führender Rolle im offensiven Mittelfeld der Hamburger vorzustellen.

Und schon fängt man als HSV-Fan wieder das große Schwelgen an. In meinem Traum sehe ich ein wieder annähernd gefülltes Volksparkstadion, vielleicht am 5. November (dem Geburtstag von Levins Opa Uwe). Und ich sehe Levin ein Tor erzielen - und den Opa stolz Beifall klatschen. Und neben Uwe sehe ich auf der Tribüne Horst sitzen, wie er Uwe zärtlich in die Rippen stuppst. Nach dem Motto: "Siehst du, Dicker - alles wird gut!"

Dann wache ich auf - und werde mir darüber bewusst, dass der HSV noch nicht mal aufgestiegen ist. Aber Träumen kostet ja auch nichts.

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