Hamburger SV

7:4! Hamburger Torrausch beim Testspiel gegen Superligist Nordsjaelland

Guido Müller
War (wie auch Mikkel Kaufmann) heute an drei der sieben HSV-Tore direkt beteiligt: Robin Meißner
War (wie auch Mikkel Kaufmann) heute an drei der sieben HSV-Tore direkt beteiligt: Robin Meißner / Martin Rose/GettyImages
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Mit einem spektakulären 7:4-Sieg (ja, richtig gelesen!) gegen den dänischen Erstligisten Nordsjaelland hat der Hamburger SV sein Testspiel in der Länderspielwoche erfolgreich gestaltet.


Der 11.11.2021 - da dachten sich wohl beide Teams, dass auch insgesamt elf Tore fallen müssten. Tim Walter setzte beim Test gegen den dänischen Meister von 2012 (und aktuellen Tabellenzehnten der Superliga unseres nördlichen Nachbarlandes) auf ein 3-4-1-2, mit einer von Moritz Heyer (links), Sebastian Schonlau (zentral) und Jan Gyamerah (rechts) gebildeten Dreierkette.

Davor agierten David Kinsombi und der 18-jährige Elijah Krahn (zu ihm später mehr!) als Doppelsechs, flankiert von Bakery Jatta und Miro Muheim auf den Außenbahnen im Mittelfeld, während Manuel Wintzheimer hinter den beiden Spitzen Robin Meißner und Mikkel Kaufmann operierte.


Die Highlights des Tests im Video:


Wilder Auftakt mit vier Toren in den ersten 19 Minuten

Doch den ersten Schlag machten die Gäste: bereits nach drei Minuten konnte sich der enorm stark aufspielende Lasso Coulibaly auf dem linken Flügel durchsetzen. Seinen Schuss konnte Johansson zunächst noch parieren, doch Yannick Agnero staubte problemlos zur frühen Führung der Gäste ab.

Doch der HSV verdaute diesen Schock schnell - und kam nur zwei Minuten durch eine ähnliche Szene zum Ausgleich: Kaufmann hatte nach starkem Steckpass von Meißner abgezogen und den abgewehrten Ball brauchte Muheim nur noch einzuschieben.

Auch beim zweiten Tor war Robin Meißner entscheidend beteiligt. Nach Wintzheimer-Flanke konnte der dänische Keeper Emmanuel Ogura seinen Schuss zunächst noch abwehren - doch Heyer stand richtig und besorgte die Führung.

Zwei Torschüsse - zwei Tore: maximale Effizienz beim HSV. Doch hinten bot er - wie es angesichts der nicht eingespielten Formation auch zu erwarten war - den Gästen immer wieder Räume. Die diese geschickt zu nutzen verstanden.

Dass sie aber nur acht Minuten nach dem Rückstand wieder auf remis schalten konnten, hatten sie vor allem HSV-Keeper Johannson zu verdanken, der einen katastrophalen Pass in die Beine von Coulibaly spielte, der dann keine Probleme hatte, den Ball zum 2:2 einzuschieben.

Marko Johansson
Sorgte mit seinem Bock für das zwischenzeitliche 2:2 der Dänen: Marko Johansson / Martin Rose/GettyImages

Danach beruhigte sich das Geschehen auf dem Rasen ein wenig - ganz im Gegensatz zu den beiden Coaches, die ihre Teams von der Seitenlinie immer wieder lautstark antrieben.

Vor dem Spiel hatte Walter seine Erwartung ausgedrückt, dass die vielen Jugendspieler, denen er heute eine Chance geben wollte, nun die Gelegenheit hätten, "sich zu präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen". (via mopo.de)

Besonders gut gelang dies im ersten Durchgang Elijah Krahn, der von seinem ganzen Bewegungsablauf ein bisschen an den in diesem Sommer abgewanderten Amadou Onana erinnert.

Als sich alle schon auf ein Unentschieden zur Pause eingestellt hatten, schlug der HSV nochmal zu: einen starken öffnenden Ball von Schonlau veredelte Kinsombi mit einer perfekt getimten Flanke auf den völlig blank stehenden Muheim, der zum 3:2-Pausenstand einköpfte.

Seifert mit Mega-Bock kurz nach seiner Einwechslung

Nach dem Wiederanpfiff ging der wilde Ritt praktisch im selben Tempo weiter. Für Schonlau hatte Walter den 18-jährigen Luis Seifert gebracht, der sich, erst wenige Sekunden auf dem Platz, erstmal mit einem kapitalen Bock einführte, der beinahe zum 3:3 geführt hätte. Muheim konnte jedoch in letzter Sekunde auf der Linie klären.

Die Dänen waren in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs das dominierende Team - doch das nächste Tor machte wieder der heute enorm treffsichere HSV.

Nach einer schönen Kombination über links kam Kaufmann an den Ball. Der Däne behielt die Übersicht und legte im Strafraum quer auf Kinsombi, der keine Probleme hatte, den Ball aus 15 Metern einzunetzen.

Jetzt agierte auch Walter wieder - und schickte mit U19-Spieler Bent Andresen, dessen Teamkameraden Felix Paschke und Robert Glatzel (für Jatta, Heyer und Kinsombi) gleich drei neue Akteure aufs Feld.

Die sich nun zwangsläufig ergebende Unordnung im Team nutzte dann nur wenige Minuten später erneut Coulibaly, um sein Team auf ein Tor heranzubringen.

Kaufmann und Meißner mit drei Torbeteiligungen

Aber an diesem Nachmittag war es irgendwie ein Spiel Marke "Offener Schlagabtausch". Auf den dritten Gegentreffer reagierte der HSV abermals prompt - und kam durch Meißner nach schöner Flanke von Kaufmann zum 5:3.

Für Kaufmann war es die dritte Torbeteiligung in diesem Spiel. Wenngleich es auch nur ein Testspiel war: der heutige Auftritt sollte dem stotternd in die Saison gestarteten Dänen eigentlich Rückenwind für die kommenden Wochen geben.

Mikkel Kaufmann
Sein heutiger Auftritt sollte Kaufmann Rückenwind für die kommenden Wochen geben / Stuart Franklin/GettyImages

Mit Arlind Rexhepi (für Wintzheimer) nahm Walter im Anschluss an das Tor seinen letzten Feldspieler-Wechsel vor. Und Rexhepi war gerade eine Minute auf dem Feld, als Glatzel von Meißner per schönem Steckpass in die Box geschickt wurde und den Ball cool zum 6:3 einschoss. Auch für Meißner war es die dritte Torbeteiligung.

Doch vorbei war damit noch lange nicht. Die Dänen, im Wissen um die defensive Labilität ihrer Gastgeber, waren jedenfalls nicht bereit, das Handtuch zu werfen und kamen in der 79. Minute durch einen tollen Kopfball ihres ivorischen Abwehrrecken Adama Nagalo (der gefühlt ein paar Sekunden in der Luft stand!) zum 4:6 aus ihrer Sicht.

11 Tore am 11.11.

In der Folge hätten die Nordeuropäer auch tatsächlich noch weiter verkürzen können, ehe dann Glatzel einen am sehr auffälligen Krahn (der durchspielte!) verursachten Foulfelfmeter zum 7:4-Endstand verwandeln konnte.

Schöne Geste dann von Walter: nach dem elften Tor des Tages verschaffte er noch Regionalliga-Keeper Steven Mensah ein paar Einsatzminuten, in denen sich der ebenfalls erst 18-Jährige jedoch nicht mehr auszeichnen konnte.

Fazit: Sieben Tore gegen einen dänischen Erstligisten zu erzielen, muss man auch in einem Testspiel erstmal schaffen. Dabei überstrahlte vor allem die gnadenlose Effizienz der Hamburger eine bisweilen wilde (aber ob der Aufstellung auch nachzuvollziehende) Leistung in der Defensive.

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