Bayern München

Hoeneß' Poltern: Eher Peinlichkeit und Angst vorm Absturz als Machtwort

Yannik Möller
Uli Hoeneß
Uli Hoeneß / Andreas Rentz/GettyImages
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Uli Hoeneß hat sich dieser Tage mal wieder mit gewohnt deutlichen Worten zurückgemeldet. Dieses Mal offenbart er damit aber die noch vorsichtige Angst vor einem sportlichen Absturz. Statt des üblichen Polterns gab es teils peinliche Ausflüchte und unnötige Angriffe. Ein Kommentar.


Kaum ein Funktionär im deutschen Profi-Fußball ist für seine deutlichen, teils sehr herben Kommentare und verbalen Wutausbrüche so bekannt wie Uli Hoeneß. Was er als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender praktizierte, führt er dieser Tage auch in seiner eher passiven Rolle noch weiter aus.

Gemeinhin sind diese Wortmeldungen bei ihm als Poltern bekannt. Davon war zuletzt aber nichts mehr zu merken. Statt markanter, streitbarer Sprüche leistete er sich zuletzt schlichtweg unnötige Angriffe und als süffisantes Selbstbewusstsein kaschierte Angst vor einem sportlichen Absinken.

Hoeneß poltert rum - auf immer unsouveränere Weise

So äußerte er sich sehr kritisch zu Niklas Süle, der die Bayern nun in Richtung BVB verlässt. Dass sich der Verteidiger vor dem letzten Spieltag offenbar nicht gerade gewillt zeigte, nochmal aufzuspielen (wohl auch wegen eines vorab kommunizierten Bank-Platzes), sei eine "katastrophale Aktion" gewesen.

Die nötige Wertschätzung habe er dem Verein "sicher nicht entgegengebracht", so Hoeneß weiter. Kurioserweise gab es bereits kurz nach dem bekanntgegebenen Transfer Meldungen, Süle verhalte sich zu häufig unprofessionell - etwa in Sachen Ernährung. Dieses Nachtreten ist mittlerweile sehr offensichtlich geworden.

Angeführt wird und wurde es schon häufig von Hoeneß. Seine Worte etwa zu Juan Bernat sind im Gedächtnis geblieben. Man fragt sich inzwischen zurecht, ob ein Spieler die Münchener jemals verlassen können wird, ohne im Nachhinein noch einen Kommentar vom Ehrenpräsidenten zu kassieren.

Uli Hoeness, Karl Heinz Rummenigge
Hoeneß mit Karl-Heinz Rummenigge / Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Die zuletzt aufkeimende Kritik an Hasan Salihamidzic bezeichnete er indes als "Hexenjagd". Eine Nummer größer war wohl nicht drin. Viele Fans und Beobachter werfen dem Sportvorstand eine dem FCB nicht gerecht werdende Arbeit vor. Die Causa Lewandowski mitsamt der Gedankenspiele um Erling Haaland sind zurzeit der passende Nährboden für eben jene Kritik.

Doch damit nicht genug. Auf die anlaufenden Transfers in Dortmund angesprochen, rund um Süle, Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi, antwortete er nur (via FCBInside): "Der zweite Platz ist denen sicher."

Was vor einigen Jahren noch als gerechtfertigtes Selbstbewusstsein durchgegangen wäre, weil die Bayern mit ihren eigenen Verpflichtungen noch immer eine Stufe über der Konkurrenz und in einer absoluten Stärkephase waren, wirkt nun wie die vorsichtig geäußerte Angst, dass es zu einem Machtwechsel kommen könnte.

Sorgen, die Hoeneß mit lapidaren Sprüchen kaschiert und sich schützend vor Salihamidzic stellt. Allerdings auf eine solch durchsichtige Art und Weise, dass derart markante Sprüche viel eher schwach als stark wirken. Sowohl im Fan-Umfeld als auch in den Kommentarspalten im Netz ist zu merken: Die FCB-Anhänger sehen solche Äußerungen zurzeit auch recht kritisch.

Dass er zudem forderte, ihm und dem Klub unliebsame Berichterstatter und Medien auszusperren ("dann siehst du eine Woche die Säbener Straße nicht mehr"), lässt ein sehr fragwürdiges Licht auf sein Verständnis von freier Medienarbeit erahnen. Insbesondere zurzeit zulässige und nötige, wenngleich nervige Kritik sind sicher nicht Schuld am Verfehlen der Ziele und der Unruhe im Kader.

Die Krone der Peinlichkeit eroberte sich der 70-Jährige allerdings mit einem peinlichen Kommentar zum VfB Stuttgart. Die Schwaben konnten sich am letzten Spieltag, in der Nachspielzeit den Klassenerhalt sichern.

Sasa Kalajdzic
Stuttgart feierte einen emotionalen Klassenerhalt / Matthias Hangst/GettyImages

Was Hoeneß dazu einfiel (via Bild): "In Stuttgart denkt man ja, sie haben die Weltmeisterschaft gewonnen. Dabei sind sie nur nicht abgestiegen."

Welch unnötiger, völlig ungerechtfertigter Seitenhieb in Richtung des VfB. Offenbar sind bei den Bayern die Emotionen über die letzten zehn Meisterschaften derartig fremd geworden, dass es kein Verständnis mehr dafür gibt, wenn sich Fans über andere Erfolge ihrer Mannschaft freuen.

Zum Glück und völlig zurecht gab Alexander Wehrle die passende Antwort: "Wenn man die Emotionen bei den Feiern der Bayern sieht, denkt man, sie sind gerade 10. geworden – und nicht zum 10. Mal Meister."

Erst abliefern, dann den Mund aufmachen

Kurzum: Hoeneß wirkte schonmal deutlich souveräner als an diesem Wochenende. Kommentare, die eher zum Peinlichen und Unnötigen tendieren, als dazu, im eigenen Verein für klare Verhältnisse zu sorgen, sollte er sich künftig eher sparen.

Nicht zuletzt auch deshalb, dass die Bayern in diesem Jahr selbst nur das Minimalziel erreicht und sich in einigen anderen Spielen nicht gerade abgeklärt gezeigt haben. Sein oftmals loses Mundwerk ist zwar bekannt - aber vielleicht sollten zunächst die sportlichen Leistungen erfolgen und angesichts einer mal wieder recht ruhigen Meisterfeier nicht über Emotionen in anderen Klubs gespottet werden.


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