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Mendyl trainiert wieder auf Schalke - Option als Oczipka-Ersatz?

Hamza Mendyl
Hamza Mendyl ist zumindest vorerst wieder auf Schalke - oder bleibt er doch? | TF-Images/Getty Images

Nach dem Ende seiner Leihe trainiert Hamza Mendyl bereits wieder auf Schalke. Zuletzt hieß es, der junge Linksverteidiger solle den Klub verlassen, doch eine endgültige Entscheidung scheint noch nicht getroffen zu sein. Könnte er womöglich doch noch den gesuchten Backup zu Bastian Oczipka geben?

An Bastian Oczipka gab es in der letzten Saison kein Vorbeikommen. David Wagner, auch in der kommenden Saison der Trainer des strauchelnden FC Schalke 04, sah offenbar keinen Grund, nicht regelmäßig auf den 31-Jährigen zu setzen. Juan Miranda fungierte eher als Ersatz von der Bank, der nur zum Einsatz kam, wenn der Bundesliga-Routinier verletzt war oder aus Personalnot in die Innenverteidigung rücken musste.

Oczipka einziger Linksverteidiger: Schalke benötigt zumindest einen Backup-Plan

Zur neuen Saison ist Miranda nicht mehr da, stattdessen wieder beim FC Barcelona. Der Spanier sucht Einsatzzeiten, er braucht Spielpraxis. Elementar wichtig in diesem Alter, wenn er den endgültigen Sprung in den Profi-Bereich schaffen möchte. Die Leihe, eigentlich bis zum Sommer 2021 geplant, ist vorzeitig beendet worden. Da auch Jonas Carls (erneut) verliehen worden ist, bleibt Oczipka zum aktuellen Stand als einziger Linksverteidiger im S04-Kader.

WAZ und Bild berichteten zuletzt, dass ein möglicher Backup und Ersatz gesucht sei, wenn auch - angesichts der sonstigen Baustellen in der Mannschaften - nicht mit der höchsten Priorität. Gleichzeitig ist Hamza Mendyl eine weiterhin offene Personalie. Nach seinem turbulenten ersten Jahr in Blau-Weiß war er im vergangenen Sommer zum FCO Dijon (20 Einsätze) verliehen worden - neben den Konkurrenten sah man für ihn keinen Platz, während die Ruhe im Kader mitsamt weiteren Gehalts-Einsparungen im Vordergrund stand.

Hamza Mendyl
Das letzte Jahr verbrachte Mendyl in Dijon | TF-Images/Getty Images

Am Donnerstag trainierte der Marokkaner schon wieder auf dem Vereinsgelände von Königsblau. Dort drehte er seine Runden, die er alleine auf einem vereinsamten Feld lief. Der ursprüngliche Plan sah vor, Mendyl in dieser Sommerpause abzugeben, primär fest zu verkaufen. Zwei Angebote aus der französischen Ligue 1 soll es bereits gegeben haben. Offen, was aus ihnen geworden ist. Ein Verbleib ist mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen - auch, weil er womöglich als interner Backup für Oczipka angesehen werden könnte.

Zurzeit wird der 22-Jährige mit einem Marktwert von etwa 2,8 Millionen Euro beziffert. Trotz des noch bis 2023 gültigen Vertrags würde der Fokus bei einem Verkauf eher auf den Gehalts-Einsparungen liegen, als auf der vermutlich sehr klein ausfallenden Ablösesumme. Ob ein Neuzugang über den bislang noch zähen Transfermarkt nicht doch ein insgesamt teureres Paket wäre, ist eine wichtige und berechtigte Frage.

Zweite Chance für Mendyl? Leistung und Disziplin müssen passen

Insgesamt hätte Mendyl, insofern er dies selbst auch wünscht, eine zweite Chance auf Schalke verdient. Blickt man auf seine Leistungen im S04-Trikot, so waren sie nicht grundlegend auf einem schlechten Niveau. Als sehr junger Spieler, mitten in seiner ersten Saison im Ausland, musste er sich direkt im Klassenerhalt unter Beweis stellen - unter Domenico Tedesco zwischendurch sogar als Stürmer spielen, weil er mit seiner Geschwindigkeit am ehesten das Problem der verletzten Angreifer zu verdecken schien.

Die allerwenigsten Spieler in diesem Alter funktionieren direkt und unmittelbar in ihrer ersten Spielzeit. Ist diese noch von Unruhen und einem bis dato sehr ungewohnten Abstiegskampf geprägt, kann sich kein junger Profi richtig zeigen.

Was abseits des Platzes passiert, ist jedoch ein anderes Thema. Mendyl galt teilweise als Quertreiber, der auch die Arbeit und das Ansehen von Ex-Coach Tedesco attackiert haben soll. "Ich war oft zu spät", gestand er beispielsweise selbst im vergangenen September (via Sport Bild). Angeblich nur eine von verschiedenen Disziplinlosigkeiten, durch die damals vor allem auch Nabil Bentaleb und Amine Harit in den Fokus rückten.

Domenico Tedesco, Hamza Mendyl
Sollen ein belastetes Verhältnis gehabt haben: Domenico Tedesco mit Hamza Mendyl | TF-Images/Getty Images

Andererseits sagte er dazu auch: "Aber wir machen alle Fehler und bekommen alle eine zweite Chance." Vermutlich hat er recht, vermutlich hat er diese Chance verdient. Nur mit Oczipka in die Saison zu gehen, so sehr er auch von David Wagner geschätzt wird, wäre töricht. Auch wenn Timo Becker, in der Saison aus der U23 zu den Profis gekommen, vor einer Vertragsverlängerung stehen soll: Es wird wohl noch ein linker Außenverteidiger benötigt.

Mendyl könnte sein Können unter Beweis stellen und als interner Backup durchaus funktionieren. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Eine lange gemeinsame Zukunft wird wohl nicht mehr erfolgen, aber zumindest ein weiteres Jahr wäre dementsprechend durchaus denkbar.