Hamburger SV

Der HSV steht schon früh am Scheideweg

Guido Müller
So sah es (fast) immer aus in Heidenheim: jubelnde Gastgeber, am Boden zerstörte Hamburger
So sah es (fast) immer aus in Heidenheim: jubelnde Gastgeber, am Boden zerstörte Hamburger / Alex Grimm/Getty Images
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Nach dem Heim-Angstgegner Darmstadt 98, gegen den im Volkspark zu Zweitligazeiten immer noch kein Sieg gelungen ist, hat der Hamburger SV nun ein ähnliches Kaliber auswärts vor der Brust: Es geht zum 1.FC Heidenheim, bei dem die Hanseaten ebenfalls noch nie gewinnen konnten. Ein (schmerzhafter) Streifzug durch die vergangenen Jahre.


Schlechtester Zweitliga-Start ever

Mit einem sparsamen 1:1-Unentschieden gegen Dynamo Dresden im ersten Heimspiel der Saison hat der HSV in dieser noch jungen Spielzeit schon frühzeitig beängstigende Signale ausgesendet.

Zwei weitere Spiele später (mit einer Niederlage beim Stadtrivalen FC St. Pauli sowie einem Heim-Remis gegen die schon erwähnten Lilien) haben die Rothosen die in Hamburg schnell aufkommenden Befürchtungen nicht zerstreuen können. Nach nunmehr vier Spieltagen zieren erst fünf Punkte die Bilanz der Hanseaten.

In der Saison 2018/19 waren es derer neun, ein Jahr später zehn Punkte und in der vergangenen Saison konnte man gar die ersten fünf Spiele für sich entscheiden.

Heuer muss man also mit einem Drittel der Vorjahresausbeute zufrieden sein. Was auch daran liegt, dass man Darmstadt 98 am vergangenen Sonntag, trotz Drehung eines frühen Rückstandes, wieder einmal nicht in Hamburg besiegen konnte.

Nach dem Heim-Angstgegner geht's nun zum Auswärts-Angstgegner

Doch lange Zeit zum Lamentieren ist nicht. Denn nach dem Heim-Angstgegner wartet der in der Fremde. Es geht nach Heidenheim. Und da werden fast alptraumhafte Erinnerungen wach.

Am 22. Spieltag der ersten Zweitliga-Saison, unter Titz-Nachfolger Hannes Wolf, konnte man die zweimalige Führung der Gastgeber (durch Niklas Dorsch zum 1:0 und einem gewissen Robert Glatzel zum 2:1) noch jeweils ausgleichen - und zumindest einen Punkt mit nach Hamburg nehmen.

Berkay Özcan und Pierre-Michel Lasogga hießen die Hamburger Torschützen.

Ein Jahr später war dann echtes Drama in der Voith-Arena angesagt. Mit einem Sieg hätte man am damaligen 33. Spieltag zumindest schon den Relegations-Rang sichern können - und am letzten Spieltag sogar noch die Minimalchance auf den zweiten Rang gehabt.

Und tatsächlich ging der von Dieter Hecking trainierte HSV auch kurz nach der Pause durch Joel Pohjanpalo in Führung. Doch in den letzten Minuten der Partie verspielten immer hektischer werdende Hamburger noch alles.

Jordan Beyer per Eigentor in der 80. und Konstantin Kerschbauer in der 90. Minute sorgten für die kaum noch für möglich gehaltene Wende für die Hausherren, die damit am HSV in der Tabelle vorbeizogen.

Konstantin Kerschbaumer
Kerschbaumer sorgte im Mai 2020 für die Entscheidung in der letzten Minute / Alex Grimm/Getty Images

Am letzten Spieltag dann verdaddelte der HSV mit einem 1:5 (!) zuhause gegen den SV Sandhausen dann auch die allerletzte Chance auf Rang drei. Ein Remis hätte gereicht - denn Heidenheim verlor zeitgleich den Saison-Kehraus beim Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld mit 0:3.

Tja, und unter Daniel Thioune (dem dritten HSV-Trainer im dritten Auswärtsspiel in der Ostalb) ging es dann im letzten Jahr noch schlimmer zu: selbst eine 2:0-Führung nach knapp einer halben Stunde gab dem Team keine Sicherheit.

Christian Kühlwetter sorgte mit seinen drei Treffern fast im Alleingang für eine weitere Hamburger Niederlage beim 1.FCH. Slapstickhaft war dabei vor allem das 3:2 in der abermals letzten Spielminute.

Toni Leistner und Sven Ulreich waren sich bezüglich der Ausführung eines Abstoßes offenbar nicht ganz einig. Nimm du ihn. Nein, nimm du ihn. Und - schwupps! - war Kühlwetter dazwischen gelaufen und ließ sich von Ulreich anschießen.

Christian Kühlwetter
Schoss den HSV im vergangenen Jahr im Alleingang ab: Christian Kühlwetter / Stuart Franklin/Getty Images

Jedes Jahr wird es schlimmer in Heidenheim

Wenn du denkst, du hast den Tiefpunkt als HSV-Fan erreicht - kommt ein Auswärtsspiel in Heidenheim und belehrt dich eines Besseren.

Schon in dieser chronologischen Abfolge der HSV-Auftritte im Osten Baden-Württembergs ist ein langfristiger und dramatischer Abwärtstrend erkennbar.

Ob Tim Walter und sein Team dem endlich Abhilfe verschaffen können? Es ist der vierte Versuch mit dem vierten Übungsleiter im vierten Jahr. Doch selbst im Falle eines Sieges darf eines nicht einziehen - Euphorie.

Die hatte Walter ja auch nach dem 2:2 gegen Darmstadt als Ursache der Unkonzentriertheit seines Teams beim Ausgleichstreffer der Gäste ausgemacht. Doch für das Aufkommen von Hochstimmung wäre rein statistisch sowie kein Platz: Der Gegner nach Heidenheim heißt am 11. September - SV Sandhausen.

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