2. Bundesliga

Machtwechsel in Hamburg? St. Pauli hat mehr A-Nationalspieler als der HSV

Guido Müller
Auch das jüngste Hamburg-Derby ging an den FC St. Pauli
Auch das jüngste Hamburg-Derby ging an den FC St. Pauli / Martin Rose/Getty Images
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Der "große" HSV - und der "kleine" FC St. Pauli. So waren die Rollen in Hamburg bislang verteilt. Doch in der Elbmetropole findet seit einiger Zeit ein schleichender Machtwechsel um die fußballerische Vorherrschaft statt. Abzulesen auch an der aktuellen Zahl von Nationalspielern in beiden Kadern.


Letzter Derby-Sieg des HSV datiert vom 10. März 2019

Wenn der HSV nach dieser Länderspiel-Woche am 11. September wieder den Liga-Betrieb aufnimmt (mit einem Heimspiel gegen den SV Sandhausen), wird es fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahre (!) her sein, dass er letztmals ein Pflichtspiel gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli gewinnen konnte.

Am 10. März 2019 gewann der HSV, am 22. Spieltag der ersten Zweitliga-Saison des Klubs, nach Toren von Pierre-Michel Lasogga (2), Khaled Narey und Douglas Santos mit 4:0 am Millerntor.

In den fünf folgenden direkten Leistungsvergleichen beider Klubs konnten die Rothosen jedoch nur noch einen mickrigen Punkt gegen die Braunen ergattern. Eine Entwicklung, die sich von den direkten Duellen beider Vereine nun auch auf die Gesamt-Performance in der Zweiten Liga ausgebreitet hat.

Dafür genügt schon ein Blick auf den Verlauf der letzten Saison. Nach Beendigung der Hinserie stand der HSV da nämlich noch mit 36 Punkten auf Rang eins. Der FC St. Pauli rangierte zum selben Zeitpunkt, mit gerade mal 16 Zählern, auf dem 15. Platz - in beunruhigender Nähe zu den direkten Abstiegsplätzen.

In der Rückrunde jedoch machten die Paulianer gegenüber dem Stadtrivalen satte neun Punkte gut (31 gegen 22). Und auch in der laufenden Spielzeit stehen sie nach fünf Spieltagen mit drei Zählern Vorsprung schon wieder vor dem HSV.

Diese offensichtliche Kräfteverschiebung in der Hansestadt lässt sich auch an einem Nebenaspekt veranschaulichen: der Anzahl von Nationalspielern in den jeweiligen Aufgeboten.

Bei A-Nationalspielern steht es 4:1 für Pauli

Da kann der FC St. Pauli nämlich in Daniel-Kofi Kyereh (Ghana), Nikola Vasilj (Bosnien-Herzegowina), James Lawrence (Wales) und Jackson Irvine (Australien) mit immerhin vier A-Nationalspielern aufwarten.

Dem hat der HSV nur Jonah Fabisch entgegen zu halten. Und auch das erst seit Kurzem. Denn etwas überraschend wurde das 20-jährige Mittelfeldtalent des HSV nun für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele Simbabwes (dem Geburtsland seiner Mutter) gegen Südafrika und Äthiopien nominiert.

Hamburger SV v FC Midtjylland - Pre-Season Friendly
Steht vor seinem Debüt für die A-Nationalmannschaft von Simbabwe: Jonah Fabisch / Martin Rose/Getty Images

4:1 für St. Pauli also was A-Nationalspieler angeht. Etwas besser kommt der HSV in der Sparte "U21-Nationalspieler" weg.

Auf diesem Level haben die Rothosen mit Anssi Suhonen (Finnland) sowie den beiden diesjährigen Neuverpflichtungen Mikkel Kaufmann (Dänemark) und Ludovit Reis (Niederlande) immerhin drei Vertreter in ihren Reihen, während der FC St. Pauli mit Finn-Ole Becker einen deutschen U21-Nationalspieler vorweisen kann.

Aus Sicht der HSV-Fans bleibt da nur zu hoffen, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Bestandsaufnahme und nicht um einen nachhaltigen Trend handelt. Ansonsten müsste die Geschichte des Hamburger Fußballs wohl schon bald umgeschrieben werden.

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