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Hamburger SV: Acht Prognosen für die Spielzeit 2020/21

Daniel Thioune
Mit Daniel Thioune geht es endlich aufwärts beim HSV | Martin Rose/Getty Images

Heute beginnt die Saison 2020/21. Während an diesem Wochenende noch alles im Zeichen des Pokals steht, geht es ab Ende der kommenden Woche wieder um die Jagd nach Punkten. Eigentlich der perfekte Zeitpunkt, die Geister der Vergangenheit zu verscheuchen und einen träumerisch-optimistischen Blick auf die vor uns liegende Spielzeit zu werfen. So läuft - im Idealfall - die Saison des Hamburger SV - gebündelt in acht Prognosen.

1. Der HSV scheidet nicht gleich wieder in der ersten Pokalrunde aus

Ob Eppingen (1974) oder Geislingen (1984), Osnabrück (2009) oder Jena (2015) - über Jahrzehnte hinweg war die erste Pokalrunde ein zuverlässiger Lieferant für die ersten großen Frustrationen der jeweiligen Spielzeit. Und auch wenn Dynamo Dresden ein wirklich unangenehmer Rivale ist (zumal mit 10.000 Zuschauern im Rücken!), habe ich die Hoffnung, dass Neu-Coach Daniel Thioune seinen Schützlingen das Ausscheid-Antiserum verpassen wird. Helfen wird ihm dabei sicherlich, dass er die Perspektive des Außenseiters gegen den großen HSV bestens kennt. In der vergangenen Saison knöpfte er mit dem VfL Osnabrück den Hamburgern vier von sechs möglichen Liga-Punkten ab.

2. Der HSV gewinnt endlich mal wieder ein Heimspiel gegen den Stadtrivalen

Denn allmählich muss man fast schon Opa fragen, wann dem HSV dies zum letzten Mal gelang. Für alle, die es genau wissen wollen: im kommenden Jahr, am 2. Dezember 2021, jährt es sich zum zwanzigsten Mal. Damals gewannen die Rothosen in einem wilden Match mit 4:3. Torschützen für den HSV: Erik Meijer, Milan Fukal, Collin Benjamin und Sergej Barbarez. Wird also mal wieder Zeit! Wobei: alleine mal wieder ein Tor gegen die Braunen im Volkspark zu erzielen, wäre ja schon ein echter Fortschritt. Das gelang den Rothosen in der Zweiten Liga nämlich auch noch nie...

3. Manuel Wintzheimer ballert sich frei

Sportdirektor Mutzel hat in dem Leih-Rückkehrer einen Wandel ausgemacht. Stabiler, druckresistenter und selbstbewusster sei der Stürmer während seines Jahres beim VfL Bochum geworden. Die Vorbereitungsphase scheint ihm recht zu geben: mit drei Toren war Manuel Wintzheimer bester HSV-Torschütze in den fünf Testspielen. Auch meine persönlichen Eindrücke waren allesamt positiv: der 21-Jährige ist körperlich um einiges robuster geworden, traut sich viel mehr zu, als in seiner letzten Spielzeit im Volkspark. Und während aller Gegners Augen sich vor allem auf den zweifachen Zweitliga-Torschützenkönig Terodde konzentrieren werden, kann Wintzheimer in dessen Kielwasser seine Qualitäten einbringen. Ich prognostiziere: Wintzi trifft zweistellig!

4. Alle Neuzugänge werden wichtig

Ok, schon einige der Zugänge der letzten Saison waren nicht so schlecht. Zumindest über eine Halbserie hinweg. Spieler wie Sonny Kittel oder Jeremy Dudziak brachten ein spielerisches Element ein, dass wir so vorher nicht hatten. Tim Leibold wurde zum Vorlagenkönig der Liga, Lukas Hinterseer knippste bis zu seiner Degradierung relativ zuverlässig, Adrian Fein machte sich wieder für den FC Bayern interessant und auch Daniel Heuer Fernandes kann man eigentlich nicht viel mehr vorwerfen, als dass er halt nie mal ein Spiel für die Rothosen "gerettet" hat. Leider wurde das Leistungsvermögen der Innenverteidigung gnadenlos überschätzt, mit Papadopoulos zudem ein Spieler aussortiert, der aufgrund seiner Mentalität der Truppe im Schlussdrittel gut getan hätte - die Quittung dafür gab es ab November und vor allem nach dem Re-Start. Die bisherigen Neuen (Toni Leistner, Klaus Gjasula, Amadou Onana und Simon Terodde) haben allesamt keinen Cent Ablöse gekostet - und werden allesamt einschlagen.

5. Der HSV schafft es mal über eine Saison, kein Heimspiel zu verlieren

Im letzten Jahr war man diesbezüglich lange Zeit auf einem guten Weg. Ausgerechnet im letzten Heimspiel der Hinrunde (gegen den 1.FC Heidenheim) setzte es dann die erste Niederlage im Volkspark. In der Rückrunde verschlechterte sich diese Bilanz dann enorm. Neben unnötigen Punktverlusten gegen Holstein Kiel und VfL Osnabrück setzte es besonders bittere Niederlagen gegen den FC St.Pauli (0:2) und den SV Sandhausen (1:5). Wobei an diesem Tag sowie schon alles egal war...

6. Der HSV spielt endlich wieder mutig

Von dem ewigen Hin- und Hergeschiebe in der Abwehrkette plus Rückpässe zum Torwart, der den Ball dann in die Wallachei bolzt - sorry, aber davon haben wir ein für alle Mal genug gesehen. Kein Mensch will eine ängstliche Truppe sehen, in der jeder den Ball (und damit die Verantwortung) an den Nächstpostierten abgibt, um nur ja keinen Fehler zu machen. Ironie: Fehler wurden trotzdem in Hülle und Fülle gemacht, bisweilen slapstickhaft dem Gegner die Torchancen auf dem Silbertablett präsentiert. Dann doch lieber mit vollem Risiko - und gegebenenfalls mit fliegenden Fahnen - untergehen. Getreu dem Motto: man kann etwas wagen - und trotzdem verlieren. Jedoch hat der, der es gar nicht erst wagt, schon von vornherein verloren.

7. Der HSV schafft es, über eine Saison hinweg konstant zu bleiben

Der Saisonschluss der vergangenen Spielzeit wirkte beinahe wie ein Abziehbild des Vorjahres. Zweimal hintereinander hat der HSV in den letzten acht Spielen der Saison einen völligen Einbruch (oder "Systemversagen", wie es Ex-Klubboss Bernd Hoffmann nannte) erlebt - und das lange Zeit in greifbarer Nähe befindliche Ziel (Aufstieg in die Bundesliga) auf fast schon bizarre Weise verspielt. Doch dabei bleibt es auch. Diesmal wird der HSV die Saison von A bis Z konsequent durchziehen. Und von einem vermeintlich "besten Kader der Liga" wird hoffentlich auch keiner mehr vor Beendigung der Saison schwafeln. Geschweige denn von irgendwelchen geplanten Siegesfeiern auf irgendwelchen Rathausbalkons...

8. Der HSV steigt auf!

Es wäre die logische Konsequenz aus den sieben vorherigen Punkten - und für alle HSV-Fans die schönste aller möglichen Nachrichten. Nach zwei vierten Plätzen (einer unnötiger als der andere) sollte es im dritten Anlauf doch endlich klappen. Muss ja auch nicht als Zweitliga-Meister sein. Wobei: schön wäre es schon. Aber bevor mir wieder HSV-eigener Hochmut vorgeworfen wird, begnüge ich mich mit der Rückkehr ins Oberhaus, notfalls auch über die Relegation. Aber ob das meine Nerven noch durchmachen?