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Gladbach und die Gunst der Stunde: Folgt der nächste Meilenstein?

Nov 17, 2020, 3:16 PM GMT+1
Max Eberl, Alexander Zickler, Rene Maric, Oliver Neuville, Frank Geideck, Marco Rose
Die sportliche Leitung der Borussia blickt entspannt in die Zukunft | DeFodi Images/Getty Images
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Die Borussia hat sich in der letzten Dekade vom Abstiegskandidaten zu einer deutschen Spitzen-Mannschaft hochgearbeitet. Mit der Verpflichtung des erfolgshungrigen Trainers Marco Rose und einem Kader, der aktuell seine Todes-Gruppe in der Champions League anführt, befindet sich der Verein auf einem guten Weg, den nächsten Meilenstein zu erreichen.

Dass der momentane Aufwärtstrend auch mit einem höheren Druck verbunden ist, kann jedoch kein Kriterium dafür sein, am Ende der laufenden Saison erneut mit "leeren Händen" dazustehen.

Die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach befindet sich in einer interessanten Phase ihrer Entwicklung. Zum ersten Mal seit Urzeiten musste der Verein vor der laufenden Saison keinen Leistungsträger abgeben und konnte die bereits vorhandene Qualität im Kader dadurch in Ruhe weiter optimieren.

Das mehr als stabile Konstrukt aus Rose und dessen Trainerstab, der hervorragend besetzten Mannschaft und der traditionell familiären Atmosphäre im Verein muss allerdings diese Gegebenheiten auch zeitnah nutzen, um den nächsten Schritt zu gehen.

Denn die Mannschaft wird nicht ewig zusammenbleiben und auch andere Personalien werden der Fluktuation im Profi-Geschäft zum Opfer fallen.

Wann, wenn nicht jetzt? Der Bock muss zum Stier werden!

Dass die Borussia auch im Sommer 2021 keinen Schlüsselspieler abgeben wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Matthias Ginter, Nico Elvedi, Florian Neuhaus, Breel Embolo und vermutlich auch Marcus Thuram werden sich nicht zuletzt bei der Europameisterschaft weiter in den Fokus der europäischen Top-Klubs spielen. Denis Zakaria überlegt nach Informationen von Sky, im kommenden Jahr den nächsten Schritt zu gehen und müsste ebenfalls ersetzt werden.

Zudem steht Marco Rose nicht erst seit gestern auch bei den Platzhirschen Europas in den Notizbüchern, dass Max Eberl irgendwann eine neue Herausforderung suchen wird, ist auch keineswegs auszuschließen.

Hierbei soll nun niemand in Panik geraten, es geht schlicht darum, die Schnelllebigkeit des Geschäfts in Erinnerung zu rufen.

Max Eberl
Max Eberl nimmt die Dinge gewohnt gelassen | DeFodi Images/Getty Images

Vergleich mit NBA und NFL: Fohlen im "Win-Now-Modus"

Sicherlich konnte die Borussia den Ausfall Zakarias bis hierhin hervorragend kompensieren und auch bei eventuellen Abgängen kann man auf Eberls Gespür bei Neuverpflichtungen vertrauen. Doch eine so unglaublich günstige Konstellation gab es lange nicht für die Gladbacher und eine Wiederholung in der Zukunft wird wieder einige Jahre des Übergangs kosten.

Betrachtet man die aktuellen Gegebenheiten der Borussia im Vergleich mit dem Trading-System der US-amerikanischen Profi-Ligen, dann stellt man fest: Die Fohlen sind ein "Win-Now-Team" - ein Ausdruck, der Mannschaften aus der NBA oder NFL beschreibt, die sich aufgrund einer optimalen Wechsel-Phase in die Position gebracht haben, zeitnah Titel zu erringen, da sie meist nur für ein oder zwei Jahre über einen hochwertigen Kader verfügen.

Die Borussia wird dies auch erkannt haben, doch Eberl und Rose bringen den großen Vorteil mit, diesen "Druck" mit einer gewissen Ruhe in Motivation umzuwandeln. Niemand verlangt von der Mannschaft, im kommenden Sommer das Triple zu holen. Aber ein DFB-Pokalfinale, die erneute Qualifikation für die Champions League oder ein Weiterkommen in der Königsklasse sollte schon leise angefragt werden dürfen.

Denn auch wenn man am Ende der Saison wieder ohne "etwas Blechernes" in den Händen in den Urlaub geht, wird es Zeit für die nächste Duftmarke der Fohlen.

Deshalb ist es angebracht, die in der eher problematischen Vergangenheit oft genutzte Analogie "Wir müssen den Bock umstoßen" abzulegen. Stattdessen muss es in dieser Spielzeit heißen: "Wir müssen den Stier bei den Hörnern packen".

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