Borussia Mönchengladbach

Eberl schließt die Akte Rose: "Hat vielleicht die Identifikation nicht in dem Maße gelebt"

Christian Gaul
Max Eberl gab sich erneut sehr offen
Max Eberl gab sich erneut sehr offen / Christof Koepsel/Getty Images
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In einem ziemlich offenen Gespräch legte Max Eberl das Thema um Marco Rose zu den Akten. Dabei präsentierte sich der Sportdirektor der Borussia auf klarem Versöhnungskurs mit den Anhängern.

Während des Gladbacher Trainingslagers in der Hotelanlage Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld sprach Gladbachs Sportdirektor Max Eberl ausführlich über die vergangene Saison und im Besonderen über die emotional aufgeladene Zeit rund um den verkündeten Wechsel des mittlerweile ehemaligen Trainers Marco Rose zum BVB.

Zudem erklärte Eberl, warum er sich zum Jahreswechsel eine vierwöchige Auszeit nahm, die letztlich schon "nach zweieinhalb Wochen beendet" war.

Den rund 90-minütigen Beitrag findet ihr hier. Wir haben für euch einige Kernaussagen zusammengefasst.


"Die letzten Jahre waren extrem erfolgreich für uns, aber man stand auch immer unter Strom und unter Spannung. Ich habe es leider verpasst, den ein oder anderen Erfolg auch zu feiern. Ich war sofort nach dem Schlusspfiff des letzten Spiels bereits in die Aufgaben der folgenden Saison eingetaucht. Meine Gedanken waren immer schon diesen einen Tag weiter. Diese Auszeit war wichtig, um mich neu aufzustellen", so der 47-Jährige im Interview mit dem Podcast MitGeredet des Gladbacher Fan-Blogs MitGedacht.

Doch auch die kurze Ruhepause gab Eberl nicht die wohl nötigen, "gottgleichen Kräfte", um Rose von einem Verbleib bei der Borussia zu überzeugen. Letztlich scheiterte das Projekt auch aufgrund verschiedener Auffassungen von Identifikation.

"Hat die Identifikation nicht in dem Maße gelebt" - Eberl gibt den Fans starken Einblick

"Ich möchte, dass jeder, der sich für uns entscheidet, sich klar zur Borussia bekennt. Ich identifiziere mich sehr stark mit diesem Klub, das erwarte ich auch von den Spielern und Verantwortlichen. Sie sollen sich auf den Verein einlassen, seine Geschichte und die Leute kennen - was diesen Klub ausmacht. Ich weiß, dass der Fußball schnelllebiger geworden ist, doch Identifikation ist etwas, worauf ich wert lege. Wir wollen berechenbar bleiben. Ich glaube, das ist das, was die Menschen nach Corona wieder mehr zum Fußball bringt", beschrieb der Sportdirektor seinen Ansatz.

Dass sich Marco Rose dennoch für den nächsten Schritt entschied, statt den Weg bei der Borussia weiter zu beschreiten, ging auch an Eberl nicht spurlos vorbei.

"Es war auch für mich enttäuschend, dass Marco diese Entscheidung gefällt hat. Wir hatten drei sehr emotionale Gespräche, in denen wir auch geweint haben - das hat aber an der Entscheidung nichts geändert", verriet Eberl.

Max Eberl, Marco Rose
Eberl und Rose: Unterschiedliche Auffassungen führten letztlich zur Trennung / INA FASSBENDER/Getty Images

"Am Ende muss man sagen, dass er die Identifikation, die er am Anfang gepredigt hat, nicht unbedingt in dem Maße gelebt hat. Er hat sich für den vermeintlich größeren Klub entschieden, bei dem er für sich gefühlt hat, eher Deutscher Meister werden zu können als bei uns. Ich habe Marco gesagt: 'Du bist so ein guter Typ. Bleib hier, mach das nächste Jahr hier noch fertig. Denn mit Gladbach in die Champions League zu kommen, ist ein größerer Erfolg als mit Dortmund Zweiter zu werden.' Es hat nicht geholfen. Und doch schätze ich den Menschen Marco Rose extrem. Wir sind im Guten auseinander gegangen", zeichnete Eberl erfrischend detailliert den damaligen Ablauf.

Dass er aufgrund der damaligen Anspannung von Teilen der Fans hart attackiert wurde, konnte der Gladbacher Macher aus verschiedenen Gründen erst später besser verstehen.

Eberl geht auf Fans zu: "Habe es im Nachgang mehr verstanden!"

Eine allgemein beliebte Argumentation betrifft die zur damaligen Zeit fehlenden Zuschauer. Ein voller Park hätte, nach Ansicht vieler Fans, für eine vorzeitige Trennung von Rose sorgen können oder den Verantwortlichen eine schwere Zeit bereitet. Doch Eberl drehte das Argument um.

"Ohne die Fans im Stadion, die einfach mal ihren Frust ob dieser Situation hätten rauslassen können, war es eventuell sogar schwieriger für uns. Die Emotionen und die Enttäuschung habe ich somit erst im Nachgang mehr verstanden. Meine gewagte These: Hätte Marco Rose dauerhaft einen vollen Borussia Park erleben können, hätten wir alle zusammen dafür sorgen können, dass er bleibt. Vielleicht habe ich alleine es nicht geschafft, ihm diese Identifikation rüberzubringen", nahm sich Eberl gewohnt demütig in die Verantwortung.

Der damals herrschende Gegenwind in Richtung seiner Person blieb dem Manager dennoch nicht verborgen.

"Das war schon sehr emotional und hat mich getroffen. Ich habe immer verstanden: Max wir vertrauen dir, aber der Trainer muss weg. Das war für mich ein Widerspruch", gestand Eberl und ließ es sich nicht nehmen, einen damaligen Ausbruch erneut ins rechte Bild zu setzen.

Max Eberl
Max Eberl geht auf die Fans zu / PAUL ELLIS/Getty Images

Nachdem eine Sprachnachricht durch die sozialen Netzwerke geisterte, in der von Wutausbrüchen in der Kabine und einem Bruch zwischen dem scheidenden Rose und einigen Spielern die Rede war, platzte Eberl auf einer Pressekonferenz der Kragen. Der Gladbacher Macher nutzte das Wort "Dumpfbacken" - was vielen Anhängern übel aufgestoßen war.

"Menschen, die der Borussia kritisch und wohlgesonnen gegenüberstehen, waren nicht gemeint. Es ging um den Verfasser der damaligen Sprachnachricht, die wohl alle Fans gehört haben. Nicht die Menschen, die gute Argumente vorbrachten oder die kritisch auf die Sache geschaut haben. Ich brenne oftmals dafür, das zu verteidigen, was wir hier aufgebaut haben", stellte Eberl abschließend klar.

Damit sollte die Thematik um Rose erstaunlich offen als beendet erklärt werden und die Fans sich auch wieder mehr mit ihrem Sportdirektor identifizieren können.

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