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Borussia Mönchengladbach

Adi Hütter will die Jugend sehen - die Chance für Lockl und Scally?

Christian Gaul
Joe Scally gab einen guten ersten Eindruck ab
Joe Scally gab einen guten ersten Eindruck ab / Christof Koepsel/Getty Images
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Entgegen der verbreiteten These, dass Trainer Adi Hütter eher ungern auf junge Spieler setzt, hat der neue Coach der Borussia bereits nachgewiesen, dass er sehr wohl auf Talente bauen kann, wenn die Qualität stimmt. Dies könnte für die kommende Saison einige Debüts in der Bundesliga nach sich ziehen.


"Gladbachs neuer Trainer Adi Hütter gibt der Jugend keine Chance und vertraut lieber alten Hasen."

So, oder so ähnlich, hallte es besonders aus dem Frankfurter Lager in die sozialen Medien, als der Österreicher die Eintracht ohne die Königsklasse verließ und bei der Borussia anheuerte. Dabei müssten doch gerade die Fans der Adler wissen, dass diese Aussage ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist.

In seinen drei Jahren bei der Eintracht baute Hütter nicht nur auf hochkarätige Akteure wie Luka Jovic (23 Jahre alt), sondern gelang es ihm auch, Spieler wie Daichi Kamada (24), Evan N'Dicka (21), Tuta (22) oder Aymen Barkok (23) zu festen Größen zu formen.

Selbiges verspricht man sich nun auch bei der Borussia. Passend zur - wohl auch wirtschaftlich bedingten - Ankündigung von Sportdirektor Max Eberl, aktuell wieder verstärkt auf Talente zu setzen, will sich Hütter in der Vorbereitung auf die kommende Saison ein umfassendes Bild vom Angebot des Fohlenstalls verschaffen.

Scally macht Dampf, Lockl überzeugt - macht Hütter aus der Not eine Tugend?

Sicherlich ist die radikale Verjüngungskur während der Vorbereitung auch dem Fakt geschuldet, dass sich einige Stammspieler noch im EM-Urlaub befinden. Doch unabhängig davon bekommen die zahlreichen Talente derzeit eine Bühne bei den Profis geboten.

Im ersten Test gegen Viktoria Köln (2:2) machten besonders zwei Youngster auf sich aufmerksam, die sich berichtigte Hoffnungen machen dürfen, in der kommenden Saison ihr Debüt in der Bundesliga zu feiern.

"In der Vorbereitung haben die jungen Spieler die Möglichkeit, zu beweisen, dass sie den Sprung in die Mannschaft schaffen möchten. Ich möchte die jungen Spieler in solchen Duellen einfach mal sehen. Sie haben alle versucht, sich gut zu präsentieren", so Hütter nach dem Spiel (Quelle: Bild).

In der ersten Hälfte präsentierte sich besonders der im Frühjahr 2021 verpflichtete US-Amerikaner Joe Scally sehr motiviert. Der 18-Jährige ragte in der teilweise sehr jungen Startelf mit Einsatz und Übersicht heraus.

"Ein sehr offener, selbstbewusster Typ, der gefällt mir – er weiß, was er will", lobte auch Christoph Kramer den Youngster (Quelle: Bild).

Der Rechtsverteidiger schickt sich an, eine wirkliche Alternative für Stevie Lainer zu werden. Eine Alternative, die in der abgelaufenen Saison nicht vorhanden war und den Österreicher quasi zum Durchspielen verdammte.

Per Lockl
Per Lockl zeigte sich hochmotiviert / Christof Koepsel/Getty Images

Im zweiten Durchgang durfte dann unter anderem Per Lockl den Part in der Zentrale übernehmen. Der 20-Jährige kam im Sommer 2020 aus der Jugend des VfB Stuttgart zur Borussia und lieferte in der abgelaufenen Saison satte 38 Spiele für die Gladbacher U23 in der Regionalliga ab.

Gegen die Viktoria trumpfte Lockl mit einer sehr hohen Motivation auf. Jeden Ball wollte er haben, jede Offensiv-Aktion einleiten. An der Grenze zum Übermut spielte er kurz vor dem Ende der Partie zwar einen fast fatalen Fehlpass, doch abgesehen davon ließ sich erkennen, warum sich die Borussia vor einem Jahr so stark um ihn bemühte.

Durch den Ausfall des ebenso erst 20-Jährigen Manu Koné könnte sich für Lockl tatsächlich ein Fenster öffnen. Mit Christoph Kramer und den umworbenen Denis Zakaria und Florian Neuhaus ist Gladbach auf der Sechserposition derzeit nicht unbedingt überbesetzt.

Ein weiterer Konkurrent Lockls ist Rocco Reitz, der bereits in der abgelaufenen Saison sein Bundesliga-Debüt feierte. Der 19-Jährige laborierte zuletzt an einer Covid-Erkrankung, hat diese nun aber wohl auskuriert und könnte sich schon im nächsten Testspiel am kommenden Samstag in Paderborn bei Hütter anbieten.

Zu den genannten Talenten gesellen sich auch weitere Fohlen wie Conor Noß (20), Andreas Poulsen (21) oder Jordan Beyer (21), die allesamt gute Aussichten auf (weitere) Bundesliga-Einsätze haben sollten.

Letztlich ist auch ein Hannes Wolf noch mit dem Status "Talent" zu versehen. Auch der 22-Jährige machte ein gutes erstes Testspiel. Insofern wird man Hütter spätestens im kommenden Sommer nicht mehr nachsagen können, nur auf Erfahrung setzen zu wollen oder zu können.

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