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Geduld gefragt: Werder-Neuling Mina als Sargent 2.0?

Josh Sargent
Josh Sargent (20) gilt beim SVW als Vorbild in der Entwicklung von Johan Mina | Martin Rose/Getty Images

Werder-Neuling Johan Mina bekommt in Bremen eine Menge Zeit zur Eingewöhnung und soll langsam an den Bundesliga-Kader herangeführt werden. Stimmen alle Komponenten überein, so könnte der 18-jährige Ecuadorianer eines Tages ein ganz Großer werden. Am wichtigsten bleibt dabei aber die Geduld - wie bei Josh Sargent.

Endlich ist er da! Werder-Neuzugang Johan Mina stieg am Montagabend nach langer Flugreise am Bremer Flughafen aus dem Flieger. Seine Ankunft in Bremen hatte sich aufgrund der Corona-Pandemie um einige Wochen verschoben. Nun muss der Ecuadorianer erst einmal in Quarantäne, bis zwei negative Testergebnisse vorliegen.

Für das am Freitag beginnende Trainingslager im Zillertal war der 18-jährige Offensiv-Allrounder ohnehin nicht eingeplant. Mina soll sich langsam an seinen neuen Klub, die Stadt und die Kultur Deutschlands gewöhnen. Zum Bundesliga-Kader gehört er noch lange nicht. Seine sportliche Heimstätte bildet vorerst Platz 11 und die dort in der Regionalliga Nord ihre Spiele austragende U23 des Klubs.

Doch bis der Jungspund sein Pflichtspieldebüt für die Amateure absolvieren darf, fließt noch viel Wasser die Weser hinunter. "Er wird sich in den ersten drei, vier Monaten nur im Training und in Testspielen anbieten können", erklärte Sportdirektor Frank Baumann vor versammelter Medienrunde.

Eine geduldige, langsame Eingewöhnung ergibt beim talentierten Linksfuß auch deshalb mehr Sinn, weil er sich mit seinem Ex-Klub CS Emelec derart zoffte, sodass seine letzte Partie auf Vereinsebene mittlerweile anderthalb Jahre zurückliegt. Lediglich im Dress der ecuadorianischen U17- und U20-Nationalmannschaft machte Mina regelmäßig auf sich aufmerksam.

Mina als neues "Langzeitprojekt"

Kritiker der Bremer Transferpolitik werden da natürlich aufmerksam und stecken dem Coup keinerlei Hoffnungen zu. Die kulturelle und sprachliche Barriere sei für einen 18 Jahre jungen Südamerikaner einfach zu hoch. Was sie nicht erkennen: Mina ist Werders neues "Langzeitprojekt".

Das Thema Leihe ist erst einmal kein Thema. Auch für den Sommer 2021 nicht.

Werder-Sportchef Frank Baumann

Eine Leihe des Youngsters sei auch für den kommenden Sommer 2021 nicht geplant, so Baumann. Man wolle ihn langsam per Individual- sowie Mannschaftstraining und athletischen Aufbau an den Profikader heranführen. Ob das nun in einem oder in zwei Jahren gelingt, ist dabei Nebensache.

Josh Sargent als Vorbild

Die bevorstehende Entwicklung Minas könnte dabei deutliche Parallelen zum Werdegang Josh Sargents aufweisen. Auch der Amerikaner kam mit großem Talent aus einer Akademie, durfte in den ersten Monaten kein Spiel für die U23 bestreiten und wurde ohne Leihe langfristig an den Bremer Kader herangezogen. Mittlerweile kommt der 20-jährige Mittelstürmer auf beachtliche 38 Bundesliga-Einsätze.

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Beachtlich: Sargent knipste Ende 2018 gegen Fortuna mit seinem ersten Kontakt im ersten Spiel sein erstes Bundesliga-Tor | ROBERT MICHAEL/Getty Images

Sofern Mina die Zeit und den Freiraum zur Eingewöhnung im Klub annimmt und auch sportlich seine Qualitäten unter Beweis stellt, steht seinem Bundesliga-Debüt früher oder später nichts im Weg. Um im europäischen Raum Fuß zu fassen, war sein Schritt zum SVW sicher der richtige. Werder gilt als familiärer, harmonischer Klub, der es Spielern in der Regel leicht macht, sich wohl zu fühlen.

Sprachlich haben die Bremer mit Leonardo Bittencourt mindestens einen Mann im Team, der fließend Spanisch spricht und bereits zu Kölner Zeiten Spielern wie Jorge Meré und auch Jhon Cordoba bei der Eingewöhnung half. Mit Torwart Eduardo Dos Santos Haesler verfügen die Grün-Weißen über einen weiteren Brasilianer, der zumindest über weite Strecke Spanisch verstehen und auch sprechen dürfte.

Leonardo Bittencourt
Kann Mina bei der sprachlichen Barriere helfen: Flügelflitzer Leo Bittencourt | Pool/Getty Images

Zudem hatte Cheftrainer Florian Kohfeldt bereits im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, Spanisch erlernen zu wollen, da es "einfach die größte Schnittmenge mit den Spielern hat". Ob der 37-jährige Fußballlehrer dies trotz des ganzen Abstiegsstrudels tatsächlich erledigt hat, bleibt dabei mehr als fraglich.

Der Mina-Transfer jedenfalls, ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Selbst wenn alles schief gehen sollte, haben die Bremer keine Unmengen an Geld in den Sand gesetzt. Für Mina ist der Schritt nach Bremen der richtige, um im europäischen Fußball-Business Fuß zu fassen. Klappt es nicht in Bremen, geht es womöglich an anderer Stelle weiter. Der Offensiv-Künstler ist jung und talentiert. Die Zukunft steht ihm offen und es liegt auch ein Stück weit an ihm selber, ob ihm der Sprung ins Fußball-Oberhaus gelingen wird.