Frauenfußball - Überblick zur Winterpause: So läuft es in den europäischen Topligen

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Die Frauen-Bundesliga ist noch bis Ende Januar in der Winterpause, einige europäische Top-Ligen haben dagegen den Betrieb schon wieder aufgenommen. Zeit für ein Winter-Update: Wie läuft es in England, Frankreich, Spanien und Italien, wer ist auf Meisterkurs?

England: Enges Titelrennen in Women's Super League - Chelsea in Pole Position

Chelsea FC  v Manchester United - Barclays Womens Super League
Chelsea jubelt über den jüngsten Sieg / Crystal Pix/MB Media/GettyImages

In England ist noch alles offen. Nach der Hinrunde sieht es nach einem Dreikampf um den Titel aus, die besten Karten hat Chelsea. Gut möglich, dass Emma Hayes sich mit der fünften Meisterschaft in Folge verabschieden kann. Die Blues mit den deutschen Nationalspielerinnen Sjoeke Nüsken, Melanie Leupolz und Ann-Katrin Berger haben drei Punkte Vorsprung auf Manchester City und den FC Arsenal. Manchester United musste sich am Wochenende dem Tabellenreiter geschlagen geben und muss mit zehn Punkten Rückstand die Hoffnungen auf die Meisterschale wohl begraben.

United könnte sogar noch ins Mittelfeld abrutschen, denn hinter den vier Topteams lauern zwei formstarke Underdogs. Liverpool und Tottenham halten mit je 18 Punkten beide gut mit und haben bereits gezeigt, dass sie auch die "Big Four" schlagen können. Bei Tottenham wird viel auf Datenanalyse und Statistik gesetzt, was sich anscheinend auszahlt.

Am anderen Tabellenende ist es ebenfalls noch spannend: West Ham United ist überraschend Vorletzter, trotz eines mit internationaler Klasse gespickten Kaders. Im Winter haben sich die Hammers nochmal stark verstärkt, unter anderem mit US-Mittelfeldspielerin Kristie Mewis und Matildas-Star Katrina Gorry. Damit sollte der Klassenerhalt eigentlich drin sein, obwohl West Ham mit fünf Punkten aktuell nur punktgleich mit Aufsteiger Bristol ist.


Spanien: Barça dominiert die Liga F, Überraschungsteam Levante

Claudia Pina
Barcelona hat auch diese Saison viel Grund zum Jubeln / Mateo Villalba/GettyImages

Im Westen nichts Neues: Wie schon in den letzten Saisons dominiert Barcelona die Liga komplett, mit der bestmöglichen Punktzahl (39) und einem Torverhältnis von 59:3. Würde man den Tabellenersten abschneiden, dann sähe die Liga aber sehr spannend aus: Mit Levante, Real Madrid und Madrid CFF folgen drei Teams mit 30 Punkten, auch Atlético hat mit einem Zähler weniger noch Chancen auf die Champions League.

Levante ist das Überraschungsteam der Liga. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln spielt der Verein sehr guten Fußball. Der von Geldsorgen geplagte Club muss aber wohl bald den Preis des Erfolges zahlen, Top-Torjägerin Mayra Ramirez zieht es im Winter-Transferfenster wohl zu Chelsea. Ähnlich viel aus seinen Mitteln macht Madrid CFF um Racheal Kundananji, derzeit eine der besten Stürmerinnen Europas.

Das negative Gegenbeispiel zu Levante und Madrid CFF ist Real: Geld und starke Spielerinnen haben die Königlichen genug, aber sie spielen in der Liga selten wirklich gut, sind Barcelona in der Hinrunde mit 0:5 unterlegen und in der Champions League schon ausgeschieden. Bei dem Kader müsste eigentlich viel mehr drin sein. Im Abstiegskampf stecken vier Teams: Huelva, Granada, Villarreal und Eibar.


Italien: Vor Playoffs in der Serie A Femminile noch alles offen

Italien ist die einzige Top-Liga in Europa, die ein Playoff-System eingeführt hat. Daher ist nach dreizehn Spieltagen in der Serie A Femminile noch alles offen. Nach dem nächsten Spieltag wird die Liga in zwei Gruppen aufgeteilt, die dann Meisterschaft, Champions League und Abstieg ausspielen.

Juventus war lange das dominierende Team in Italien, wurde zuletzt aber etwas von der AS Rom abgelöst. Dieses Jahr ist die alte Dame wieder besser dabei, liegt mit drei Punkten knapp hinter Spitzenreiter Rom. Die bekleckerten sich zuletzt bei einer 0:2-Niederlage gegen Inter nicht mit Ruhm und sind in schwacher Form. Nach der überzeugenden letzten Saison gingen einige Leistungsträgerinnen in der Offensive, und die defensiven Baustellen bleiben.

FC Internazionale v AS Roma- Women Serie A
Inter Mailand konnte neulich etwas überraschend gegen Rom gewinnen / Valerio Pennicino/GettyImages

Hinter dem Top-Duo folgt die Fiorentina mit wenig Abstand. Lina Magulls neues Team Inter Mailand hat trotz des Coups gegen Rom einiges an Rückstand - aber in den Playoffs werden die Karten ja neu gemischt. Das gilt auch für das Tabellenende, wo Napoli und Pomigliano recht abgeschlagen sind. Überraschenderweise ist auch die AC Milan trotz einiger Topspielerinnen mit 13 Punkten klar am unteren Tabellenende zu finden.


Frankreich: Zweikampf in der Division 1 zwischen PSG und Lyon

In Frankreich zeichnet sich das übliche Bild: Olympique Lyonnais und Paris Saint-Germain werden wohl die Meisterschaft unter sich ausmachen. Lyon hat dafür jedoch die besseren Karten und bei einem Spiel mehr satte acht Punkte Vorsprung. Bisher hat OL noch keinen einzigen Zähler liegen gelassen und beachtliche 51 Tore geschossen. Eine Statistik, die die UWCL-Ambitionen der Elf von Sonia Bompastor eindrucksvoll untermauert. Ada Hegerberg ist in Topform und traf in den letzten acht Spielen stets.

Ada Hegerberg
Trifft wie am Laufband: Die Norwegerin Ada Hegerberg / Visionhaus/GettyImages

PSG zeigte sich beim jüngsten 8:1 gegen die Girondins Bordeaux ebenfalls torfreudig. Die Hauptstädterinnen schlagen sich nicht schlecht, haben nur gegen Lyon verloren und in Le Havre nur Remis gespielt. Hinter den beiden Topteams folgen der Favoritenschreck Paris FC, der diese Saison Arsenal, Wolfsburg und Real Madrid besiegte, und Stade de Reims, die vor allem für ihre exzellente Nachwuchsarbeit bekannt sind.

Für die Girondins de Bordeaux heißt es nach dieser Saison wohl "Au Revoir". Die Girondins waren lange ein Verfolger von Lyon und Paris, Stars wie Khadija Shaw, Katja Snoeijis oder Viviane Asseyi spielten in Bordeaux. Wegen der finanziellen Schwierigkeiten des Klubs sank Bordeaux in den letzten Jahren immer weiter ab. Jetzt sieht es mit fünf mageren Punkten schlecht aus, allerdings haben Lille und Guingamp nur zwei bzw. drei Zähler mehr auf dem Konto.