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EM 2020

Frankreich bei der EM 2020: Der große Favorit kann nur an sich selbst scheitern

Christian Gaul
Die Franzosen wollen das Double perfekt machen
Die Franzosen wollen das Double perfekt machen / Aurelien Meunier/Getty Images
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Am 11. Juni 2021 beginnt mit einem Jahr Verspätung die Euro 2020. Im Vorfeld des Turniers werfen wir einen Blick auf die teilnehmenden Nationen und stellen Schlüsselspieler vor. Zudem findet ihr bei uns die Termine und möglichen Aufstellungen aller 24 Mannschaften.

Der amtierende Weltmeister Frankreich verpasste 2016 den Titel im eigenen Land, weil der jetzige Gruppengegner Portugal damals den verletzten Ronaldo als Coach anheuerte. Die Zeit der Revanche ist also gekommen.


Mit einem Kader voller Weltstars will die Équipe Tricolore bei der Euro 2020 das Double aus Welt- und Europameisterschaft eintüten und kann sich bei dieser Mission im Prinzip nur selbst ein Bein stellen.

In der Todesgruppe F wartet neben Portugal auch Deutschland auf Les Bleus - gegen Ungarn ist ein hoher Sieg fest eingeplant.

Der Kader

Kann man so anbieten: Der französische Kader ist eine reine Augenweide. Fast alle 26 Spieler im Team von Trainer Didier Deschamps gehören zum Besten, was der Weltfußball derzeit anbietet. Für die Ansammlung von Superstars zählt nach dem WM-Titel 2018 nichts anderes als ein Triumph bei der Euro 2020.

Im Tor wird man wieder mit Hugo Lloris (34, Tottenham) planen, der die Franzosen zudem als Kapitän anführen wird. Mit Steve Mandanda (36, Marseille) und Mike Maignan (25, Lille) sind die beiden Ersatz-Keeper zwei von insgesamt nur sechs Spielern, die zuletzt in ihrem Heimatland kickten. Der Rest ist bei den absoluten Top-Klubs Europas angestellt.

So auch in der Abwehrkette des zu erwartenden 4-3-3, wo neben Innenverteidiger Presnel Kimpembe (25, PSG) die Legionäre Raphael Varane (28, Real Madrid), Lucas Hernández (25, FC Bayern) und Benjamin Pavard (25, FC Bayern) auflaufen werden.

Dass man dabei mit Pavard und Hernández zwei eigentliche Innenverteidiger auf den Außen bringt, ist das wohl größte "Kader-Problem" der Franzosen. Lucas Digne (27, FC Everton) oder Léo Dubois (26, Lyon) gefällt das nicht.

Zudem würden sich viele andere Nationen über Startelfeinsätze von Kurt Zouma (26, FC Chelsea), Clément Lenglet (25, FC Barcelona) oder Youngster Jules Koundé (22, FC Sevilla) freuen - Frankreich wärmt mit ihnen die Bank.

In der Zentrale wird Deschamps wohl auf CL-Sieger N'Golo Kanté (30, FC Chelsea), Paul Pogba (28, Man United) und Adrien Rabiot (26, Juventus) vertrauen. Für Moussa Sissoko (31, Tottenham) und Corentin Tolisso (26, FC Bayern) bleibt nur die Zuschauer-Rolle.

Für die Offensive holte man nach jahrelanger Abstinenz auch Karim Benzema (33, Real Madrid) zurück ins Team. Der Königliche wird dementsprechend hochmotiviert sein und Oliver Giroud (34, FC Chelsea) oder auch Wissam Ben Yedder (30, AS Monaco) verdrängen.

Auf den Flügeln werden Kylian Mbappé (22, PSG) und Antoine Griezmann (30, FC Barcelona) wirbeln, während Ousmane Dembélé (24, FC Barcelona), Kingsley Coman (24, FC Bayern) und Marcus Thuram (23, Gladbach) auf ihre Chance warten müssen.

Der französische Kader ist also unangefochten der stärkste des Turniers. Doch neigen die Spieler dazu, phasenweise in eine gewisse Arroganz zu verfallen und den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren.

In der Gruppe mit Deutschland und Portugal muss der Weltmeister aufpassen, um nicht schon nach der Vorrunde lange Gesichter zu ziehen - die WM 2002 lässt grüßen.

Die mögliche Aufstellung der Franzosen:


Der Schlüsselspieler - N'Golo Kanté

N Golo Kante
N'Golo Kante muss seine Kollegen erden / Soccrates Images/Getty Images

Jüngst gewann er mit dem FC Chelsea die Königsklasse und legte nicht nur im Finale eine beeindruckende Partie auf den Rasen. Der Ball-Eroberer und Antreiber im zentralen Mittelfeld ist das Herz des französischen Teams.

Wo Pogba oder Rabiot lamentieren, krempelt Kanté die Ärmel hoch. Schafft es der bodenständige und respektvolle Kanté, seine Kollegen zu erden und ein wenig lauter zu werden, dann führt kein Weg an den Franzosen vorbei, wenn es um den Titel bei der Euro 2020 geht.


Der Aufstrebende - Jules Koundé

Rayan Ait Nouri, Jules Koundé
Jules Koundé muss noch abwarten / Eurasia Sport Images/Getty Images

Varane und Kimpembe sind derzeit noch eine Nummer zu groß für den jungen Innenverteidiger. Doch schaffte es der 22-Jährige immerhin, Konkurrenten wie Upamecano, Konaté oder Umtiti den Rang abzulaufen und sich ein Ticket für die Euro 2020 zu sichern.

Für den FC Sevilla machte Koundé in der abgelaufenen Saison 49 Partien - fast alle über die volle Distanz. In Zukunft wird er sich seinen Platz in der Stammelf der Nationalmannschaft dennoch gegenüber der Konkurrenz verdienen müssen,


Die Termine der Franzosen in der Vorrunde:

Dienstag, 15.06.2021, 21:00 Uhr: Frankreich - Deutschland (München)

Samstag, 19.06.2021, 15:00 Uhr: Ungarn - Frankreich (Budapest)

Mittwoch, 23.06.2021, 21:00 Uhr: Portugal - Frankreich (Budapest)

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