Frankreich zieht ins Finale ein - Les Bleus in der Einzelkritik

Henry Einck
Theo Hernández brachte Frankreich in Führung.
Theo Hernández brachte Frankreich in Führung. / Quality Sport Images/GettyImages
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Zwei in der Entstehung glückliche Tore reichen Frankreich zum Sieg über Marokko. Theo Hernández erzielte nach wenigen Minuten den wichtigen Führungstreffer. Als das afrikanische Überraschungsteam in der zweiten Halbzeit zunehmend drückender wurde, brachte Joker Randal Kolo Muani 42 Sekunden nach seiner Einwechslung durch das 2:0 wieder Ruhe ins Spiel. Im Finale bekommt es Frankreich am Sonntagnachmittag mit Argentinien zutun.


Randal Kolo Muani beim Treffer zum 2:0.
Randal Kolo Muani beim Treffer zum 2:0. / Alex Livesey - Danehouse/GettyImages

Die Franzosen in der Einzelkritik

1. Hugo Lloris (TW)

Strahlte als letzter Mann im französischen Spiel viel Ruhe aus. Wurde von den Marokkanern selten geprüft, war in den entscheidenden Momenten aber zur Stelle. Hielt einen Distanzschuss von Azzedine Ounahi stark (10.) und hatte beim spektakulären Fallrückzieher von Jawad El Yamiq seine Fingerspitzen dran (44.).

Bewertung: 7/10


2. Jules Koundé (RV)

Schaltete sich offensiv erneut kaum ein, konzentrierte sich stattdessen auf seine defensiven Aufgaben. Während Koundé in der ersten Hälfte noch alles im Griff hatte, wurde es später doch noch brenzlig. Sah erst bei einem Schnittstellenpass auf Boufal nicht gut aus (52.) und patzte auch im Eins-gegen-Eins gegen Zakaria Aboukhlal kurz vor Schluss (90.+4). Verhinderte in der gleichen Aktion zumindest noch den Anschlusstreffer, indem er auf der Torlinie klärte.

Bewertung: 5/10


3. Raphaël Varane (IV)

Agierte in der Defensive gewohnt routiniert und aufmerksam. Klärte mehrmals auf engem Raum, wenn die Marokkaner kurz davor waren, gefährlich zum Abschluss zu kommen. Fiel nur einmal mit unsorgsamem Verteidigen auf, als er Azzedine Ounahi zu spät am Schuss hinderte (10.). Hatte erheblichen Anteil am Führungstreffer, indem er den öffnenden Ball in die Schnittstelle auf Griezmann spielte (5.)

Bewertung: 7/10


4. Ibrahima Konaté (IV)

Entwickelte sich gerade in der ersten Halbzeit zum Albtraum für die marokkanischen Offensiv-Spieler, weil er mehrmals in letzter Sekunde klärte. So hatte er vor Youssef En-Nesyri noch den Fuß am Ball (32.), grätschte Achraf Hakimi kurz vor der Hereingabe ab (43.) und verhinderte mit der Klärungsaktion nach Hereingabe von Boufal einen sicheren Gegentreffer (53.). Fiel auch einmal nach vorne hin auf, indem er einen klugen, langen Ball auf Giroud spielte (17.).

Bewertung: 8/10


5. Theo Hernández (LV)

Brachte Frankreich mit einem schwierigen Abschluss aus der Luft nach wenigen Minuten in Führung und den Finaleinzug damit auf dem Weg (5.). Das Tor war gleichzeitig die einzig nennenswerte Offensivaktion von Hernández. Hatte in der Defensive gegen das Duo Hakimi-Ziyech viel zu tun. Gerade im zweiten Durchgang wurde der Milan-Star mehrfach überspielt und hatte Glück, dass Konaté jeweils zur Stelle war. So auch bei der Flanke von Ziyech, die Hernández zuließ und beinahe zum Tor geführt hätte.

Bewertung: 6/10


6. Aurélien Tchouaméni (ZM)

War wieder der wichtigste Mann im Aufbauspiel von Frankreich. Neben seiner Defensivarbeit setzte er immer wieder Offensivakzente. Trieb den Ball nach starkem Tackle nach vorne und setzte Mbappé mit genialem Steilpass in Szene (36.). Im direkten Anschluss spielte den Ball instinktiv mit dem ersten Kontakt auf den freistehenden Giroud (37.). Als sich der Weltmeister zurückzog, leitete Tchouaméni durch geschickte Pässe immer wieder Konter ein. Einziges Manko: Hatte einen schweren Ballverlust im Aufbauspiel, durch den Yahia Attiyat Allah frei aufs Tor zulief (75.).

Bewertung: 7/10


7. Youssouf Fofana (ZM)

Rückte für den angeschlagenen Adrien Rabiot und die Startelf. Interpretierte seine Rolle defensiver. Wich im Aufbauspiel der Marokkaner immer wieder auf die linke Seite aus, um Hernández gegen Ziyech zu unterstützen. War trotzdem bemüht, sich auch nach vorne einzuschalten. Beispielhaft war der Tempolauf vor dem 2:0-Treffer (79.). Insgesamt ein solider Auftritt.

Bewertung: 6/10


8. Antoine Griezmann (ZOM)

Leitete den wichtigen Führungstreffer ein, indem er Varane den tiefen Laufweg anbot und scharf in den Sechszehner spielte (5.). Versuchte Bewegung in das Offensivspiel zu bringen, agierte im Gesamten aber deutlich unauffälliger als bei den anderen Spielen dieser WM. Strahlte zumindest durch seine Standards immer wieder einen Hauch von Gefahr aus.

Bewertung: 6/10


9. Ousmane Dembélé (RA)

Ein ungewohnt unauffälliger Auftritt des Barça-Stars. Über die französische rechte Seite ging im gesamten Spiel wenig, sodass die üblichen scharfen Flanken und gefährlichen Tempo-Dribblings in den Strafraum ausblieben. Schlug gerade einmal zwei Flanken. Beide fanden keinen Abnehmer. Wurde in der Schlussphase für Kolo Muani ausgewechselt (79.)

Bewertung: 4/10


10. Kylian Mbappé (LA)

Hatte gegen seinen Mannschaftskollegen Achraf Hakimi sichtlich Probleme. Kam erst hinter heraus häufiger in Tempodribblings. Vergab die große Chance auf das 2:0 nach Steilpass von Tchouaméni (36.). Es gilt aber auch zu betonen, dass Mbappé beide Tore indirekt vorbereitete, indem er den Abschluss suchte, sodass der Ball schließlich jeweils bei Hernández und Kolo Muani landete (5./79.). Besonders die Aktion vor dem 2:0 war sehenswert.

Bewertung: 6/10


11. Olivier Giroud (ST)

Fiel in diesem Spiel mehr durch Defensivarbeit auf. Setzte es sich zum Ziel, Shootingstar Sofyan Amrabat vom marokkanischen Aufbauspiel abzukapseln. Hatte den möglichen 2:0-Treffer gleich zwei Mal auf dem Fuß. Zuerst traf er nach langem Ball von Konaté nur den Außenpfosten (17.), dann setzte er einen Ball aus der Drehung vom Elfmeterpunkt am Tor vorbei (36.). Wurde in der zweiten Halbzeit durch Marcus Thuram ersetzt (65.).

Bewertung: 5/10


Einwechslungen:

Marcus Thuram (ST) (ab 65.)

Brachte frischen Wind ins Offensivspiel von Frankreich. Suchte deutlich häufiger die Eins-gegen-Eins-Situationen als Giroud zuvor. War dann am 2:0-Treffer auch direkt beteiligt, als er den Ball von Fofana bekam und auf Mbappé zurücklegte (79.).

Bewertung: 6/10


Randal Kolo Muani (RA) (ab 79.)

Benötigte 42 Sekunden für das Tor. Gerade stand er auf dem Platz, schon lauerte er auf den Abpraller beim Abschluss von Mbappé und bekam den Ball direkt in die Füße. Beim Abschluss dann völlig souverän (79.). Erfüllte das, was sich Deschamps mit seiner Einwechslung erhoffte.

Bewertung: 8/10


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