Frankreich

Frankreich phasenweise stark, aber ohne nötige Power: Deutschlands Halbfinalgegner in der Einzelkritik

Helene Altgelt
Germany v France: Semi Final - UEFA Women's EURO 2022
Germany v France: Semi Final - UEFA Women's EURO 2022 / Shaun Botterill/GettyImages
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In einem teils rasanten Halbfinale unterlag Frankreich Deutschland mit 1:2, konnte phasenweise aber das Spiel dominieren. Die Abwehrchefin und eine Einwechselspielerin ragten heraus - die Einzelkritik.


Spielverlauf:

1:0 Alex Popp 40.
1:1 Merle Frohms (Eigentor) 44.
2:1 Alex Popp 76.

Pauline Peyraud-Magnin (Tor): Bewertung 4/10

Keine souveräne Leistung der französischen Torhüterin, die Bälle mehrmals erst im Nachfassen sichern konnte oder sich bei Flanken verschätzte. Einen Freistoß von Popp parierte sie gut, beim 1:0 war sie chancenlos, das 2:1 wäre haltbar gewesen.

Eve Perisset (Rechtsverteidigung): Bewertung 6/10

Musste gegen die an dem Abend sehr aktive Svenja Huth verteidigen - keine einfache Aufgabe. Sie musste einmal zu einem Foul greifen, ansonsten liefen aber die allermeisten deutschen Angriffe über die rechte Seite - gute defensive Leistung. Perisset war wach und konnte zwölf Bälle zurückgewinnen. Kam beim 1:0 aber einen Schritt zu spät gegen Popp. Offensiv weniger involviert als Karchaoui auf der linken Seite, brachte aber eine gute Flanke für Mateo ein.

Griedge Mbock Bathy (Innenverteidigung): Bewertung 6/10

Zeigte sich mit 97% Passgenauigkeit gewohnt souverän am Ball und ließ sich vom deutschen Pressing nicht beirren. Allerdings klärte sie weniger Bälle als Renard, hatte nicht so viele Defensivaktionen. Insgesamt ein solider, aber teils zu passiver Auftritt der Lyon-Spielerin.

Wendie Renard (Innenverteidigung): Bewertung 7/10

Renard machte ein gutes Spiel und hatte mit einem ihrer Kopfbälle in der 64. Minute Frankreichs beste Chance, Merle Frohms war aber zur Stelle. Im Spielaufbau meist souverän und brachte sich viel mit nach vorne ein. Defensiv klärte sie viele Bälle, ob zentral, links oder rechts. Sie gewann drei ihrer fünf Luftduelle, aber das wichtigste gegen Popp nicht.

Sakina Karchaoui (Linksverteidigung): Bewertung 5/10

In der ersten Hälfte zeigte Karchaoui, dass sie sich auch offensiv viel einbringen will, harmonierte gut mit Cascarino und sorgte auch teilweise für Gefahr. Da Deutschland die beiden aber oft mit zwei, drei oder gleich vier Spielerinnen bedrängte, verging ihr etwas die Lust am Angreifen, in der zweiten Hälfte war sie weniger vorne dabei. Sie hatte aber defensiv auch einiges zu tun, die meisten deutschen Angriffe rollten über ihre Seite. Konnte Svenja Huth nicht vom Flanken vor den zwei Toren abhalten.

Charlotte Bilbault (defensives Mittelfeld) Bewertung 7/10

Bilbault war oft recht allein im defensiven Mittelfeld und musste daher viel laufen. War dafür zuständig, den anderen Spielerinnen zur Hilfe zu kommen und soviele Bälle wie möglich zu gewinnen und schnell weiterzuleiten. Machte diese Aufgabe auch gut, spielte aber keine nennenswerte Rolle im Spielaufbau. Holte in der Nachspielzeit noch einen wichtigen Freistoß raus.

Grace Geyoro (Mittelfeld): Bewertung 7/10

Geyoro bildete zusammen mit Malard die Spitze des französischen Pressings, brachte die deutsche Verteidigung mit ihrem konsequenten Laufverhalten auch ein paar Mal in Bedrängnis. Als Box-to-Box Spielerin viel und auf unterschiedlichen Ecken des Platzes unterwegs, konnte ein paar Mal nur mit einem Foul gestoppt werden.

Sandie Toletti (Mittelfeld): Bewertung 6/10

Vermutlich die Unauffälligste im französischen Mittelfeld an diesem Abend. Konnte Brand einmal nur mit einem Foul stoppen und verursachte dadurch einen Freistoß. Gewann in der 44. Minute ein ganz wichtiges Kopfballduell und konnte den Ball zu Diani bringen, die den Ausgleich erzielte.

Kadidiatou Diani (rechte Flügelstürmerin/Mittelstürmerin): Bewertung 7/10

Diani übernahm in der Offensive Verantwortung und war in der ersten Hälfte Frankreichs beste Offensivspielerin. Sie deutete schon früh ihre Qualitäten im 1-vs-1 gegen Rauch an, danach machte die deutsche Linksverteidigerin es aber gut gegen sie. Zeigte bei ihrem Treffer zum Ausgleich einen sehr guten Abschluss und kam auch in der zweiten Hälfte, als sie als Mittelstürmerin spielte, zu mehreren Möglichkeiten.

Melvine Malard (Mittelstürmerin): Bewertung 5/10

Malard lief wie Geyoro viel und versuchte unermüdlich, Druck auf die deutsche Verteidigung auszuüben. Im eigenen Ballbesitz ließ sie sich immer wieder weit nach hinten fallen, war aber trotzdem nicht wirklich eingebunden in das französische Spiel. Kam zu keinem Torschuss und wurde logischerweise zur Pause ausgewechselt - Marie-Antoinette Katotos Verletzung schmerzte Frankreich erneut sehr.

Delphine Cascarino (linke/rechte Flügelspielerin): Bewertung 5/10

Cascarino spielte bisher ein sehr starkes Turnier, in Milton Keynes blieb sie aber recht blass. In der ersten Hälfte noch sehr aktiv, wurde aber wie Karchaoui oft von drei oder mehr Deutschen angelaufen und verlor dann den Ball. Das schien sie etwas zu entmutigen, sie traute sich wenig und hatte nur ein erfolgreiches Dribbling an dem Abend. Nach der Pause spielte sie rechts, kam da aber auch nicht besser durch. Defensiv aber sehr engagiert, immer wieder als Absicherung da.

Selma Bacha (linke Flügelspielerin), eingewechselt in der 46. für Malard: Bewertung 8/10

Bacha war im Spiel gegen die Niederlande eingewechselt worden und hatte nochmal viel Schwung hereingebracht, war so zur Spielerin des Spiels geworden. Sie bewies auch gegen Deutschland ihre Qualitäten als Edeljokerin, war schnell und quirlig und zeigte ihre exzellente Technik. Wäre für das Finale wohl Startelfkandidatin gewesen. Nur mit dem Abschluss funktionierte es auch bei ihr nicht so, sie hatte viele Chancen, brachte aber einige auch nicht aufs Tor.

Clara Mateo (rechte Flügelstürmerin), in der 61. für Cascarino - Bewertung: 5/10

Mateo hatte keinen so großen Einfluss auf das Spiel wie Bacha, kam auch auf dem rechten Offensiv-Flügel statt wie gewohnt im offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Zeigte nach einer Perisset-Flanke einen guten Abschluss und hatte ansonsten einige Aktionen, aber nicht die zündende Idee. Verlor in der 90. Minute den Ball, sodass Dallmann zu einer sehr guten Chance kam.

Ouleymata Sarr (Mittelstürmerin), in der 80. für Toletti - keine Bewertung

Sarr hatte eine Möglichkeit nach ihrer Einwechslung, konnte den Ball aber nicht kontrollieren. Ansonsten wenig im Spiel.


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