Flick mit deutlicher Kritik am deutschen Fußball

Yannik Möller
Hans-Dieter Flick
Hans-Dieter Flick / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Nach dem erneuten Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft sieht Hansi Flick großen Nachholbedarf im deutschen Profi-Fußball. Insbesondere die Ausbildung kritisiert er - und sieht noch weitere, schwierigere Jahre bevor.


Erst der Weltmeistertitel, dann zwei Mal in Serie das Aus in der Gruppenphase. Über die letzten Jahre hat sich der Erfolg mitsamt des Ansehens des DFB spürbar verschlechtert. Auch wenn die eigene Partie gegen Costa Rica gewonnen wurde, was ebenfalls eher schlecht als recht gelang, reichte es schlussendlich auch in Katar nicht für die K.o.-Phase.

Enttäuschung und Unmut stand den Spielern ins Gesicht geschrieben - auch bei Hansi Flick. Zeigte er sich unmittelbar nach dem Abpfiff noch vergleichsweise gefasst, wurde er auf der anschließenden Pressekonferenz sehr deutlich mit seiner Kritik.

Falsche Ausbildung und Verlust der Basics: Flick sieht große Probleme im deutschen Fußball

Und die richtete sich allen voran gegen den DFB und die Spielerausbildung in den letzten Jahren. Ein Reporter fragte ihn etwa, ob sich Deutschland vom einstmaligen Anspruch, "immer Weltklasse zu sein oder in die Weltklasse vorzustoßen", nun erst einmal verabschieden muss.

Seine zunächst noch recht zurückhaltende Antwort (via Bild): "Die Ergebnisse oder das Abschneiden hier bei der WM, da muss ich Ihnen Recht geben. In die Richtung muss es letztendlich gehen. Trotzdem haben wir Spieler, die bei Topvereinen spielen und ich sage schon: Wir haben Qualität."

"Ich glaube, dass es für die Zukunft im deutschen Fußball wichtig ist, dass man einfach auch in der Ausbildung verschiedene Dinge vielleicht auch anders macht", lenkte er dann den Fokus um.

Hansi Flick
Der leere Blick vom Bundestrainer / Alexander Hassenstein/GettyImages

Schon seit Längerem ist es ein Thema, dass bestimmte Spielertypen wieder vermehrt in den Fokus genommen und sie besser ausgebildet werden müssten. Ein Problem, das Flick ebenso sehr sieht und unter dem er als Trainer der Nationalmannschaft nun ebenfalls zu leiden hat.

"Wir reden schon seit Jahren über einen Neuner, den wir brauchen. Über spielstarke Außenverteidiger. Wir reden über viele Dinge, die wir brauchen. Was uns im deutschen Fußball immer ausgezeichnet hat, ist, dass wir verteidigen konnten", erklärte er. Das seien wichtige Elemente, die es bereits im Jugendfußball bräuchte.

Als positives Beispiel hob Flick Spanien heraus: "Eine Mannschaft wie Spanien - auch wenn sie verloren haben - hat gute Basics, einfach eine gute Ausbildung. Sie wissen einfach mit dem Ball umzugehen. Sie sind darüber hinaus taktisch gut geschult." Einen Vorteil, den der Coach rund um den DFB eher als Nachteil gegeben sieht.

Abschließend stellte er mit einem Plädoyer fest: "Ich glaube, dass das für die Zukunft, für die nächsten zehn Jahren, einfach enorm wichtig ist und wir die richtigen Schritte machen."

Es wird also noch etwas dauern, bis die Probleme in der Kader-Zusammensetzung behoben sind. Für die Europameisterschaft im eigenen Land in zwei Jahren wird es die richtigen Schlüsse und Ideen brauchen.


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