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FIFA-Präsident Infantino und sein obskures Plädoyer für die WM alle zwei Jahre

Simon Zimmermann
FIFA-Präsident Gianni Infantino
FIFA-Präsident Gianni Infantino / ATPImages/GettyImages
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Wenn man sich beinahe schon Sepp Blatter als FIFA-Präsidenten zurückwünscht, muss schon viel passiert sein. Schließlich ist man vom Fußball-Weltverband allerhand gewohnt. Doch was der aktuelle FIFA-Boss Gianni Infantino vor dem Europarat in Straßburg losgelassen hat, muss ernsthaft an dessen geistige Gesundheit zweifeln lassen.

Die FIFA wirbt bekanntlich intensiv und aggressiv um eine Weltmeisterschaftsaustragung im Zwei-Jahres-Rhythmus. Logisch: mehr Turniere gleich noch mehr Kohle. Der UEFA auf der anderen Seite gefällt das gar nicht. Logisch: mehr Weltmeisterschaften gleich geringere Bedeutung der EM gleich weniger Kohle.

Infantino-Logik: Mehr Weltmeisterschaften stoppt Flüchtlingswelle

Infantinos Plädoyer für eine WM alle zwei Jahre erfuhr nun aber den Gipfel der Bodenlosigkeit. "Wir müssen die gesamte Welt miteinbeziehen. Wir müssen den Afrikanern Hoffnung geben, dass sie nicht über das Mittelmeer kommen müssen, um hier vielleicht ein besseres Leben führen zu können. Wir müssen ihnen Möglichkeiten und Würde geben."

Infantino behauptet also tatsächlich, dass eine WM alle zwei statt vier Jahre die afrikanische Flüchtlingswelle stoppen könnte!

Dabei kritisierte er die ungerechten Verhältnisse im Weltfußball: "Wir sehen, dass Fußball sich in eine Richtung entwickelt, wo wenige alles haben und die Mehrheit hat nichts. In Europa findet die WM zweimal pro Woche statt, weil die besten Spieler in Europa spielen."

Infantino verteidigt WM-Gastgeber Katar

Es verkam fast zur Randnotiz, dass der FIFA-Präsident WM-Ausrichter Katar - natürlich - verteidigte: "Ein Wandel erfolgt nicht schnell. In Europa dauerte es Jahrhunderte und Jahrzehnte. Dank der WM und dank des Schlaglichts hat sich das System in Rekordzeit in nur wenigen Jahren entwickelt."

Immerhin fügte er noch an: "Es muss noch viel getan werden, viel geändert werden. Wir müssen den Druck aufrechterhalten, aber auch anerkennen, dass es Änderungen gab."

Ganz vehement stemmte er sich gegen die Darstellung, bei den Bauarbeiten für die WM-Stadien seien tausende illegale Arbeiter verstorben. Von 6.500 hatte der britische Guardian gar berichtet. "Es sind drei. Drei sind immer noch zu viel, aber zwischen drei und 6.500 ist ein großer Unterschied", entgegnete Infantino.

Ach ja, vor dem Hintergrund seiner Katar-Äußerungen sollte man wissen, dass der FIFA-Präsident seit Oktober im Wüstenstaat wohnt. Für sich und seine Familie hat er dort ein Haus gemietet, zwei seiner vier Töchter gehen im Emirat zur Schule. Das berichtete zuletzt der Schweizer Blick, der diese Informationen vom Weltverband bestätigt bekommen hatte. Demnach verbringe Infantino die Hälfte seiner Arbeitszeit in Katar.

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