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FC Bayern zu dünn aufgestellt - Salihamidzic übt sich in Geduld

Sep 27, 2020, 7:29 PM GMT+2
Hasan Salihamidzic
Gibt sich weiterhin cool, was Neuzugänge betrifft: Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic / Handout/Getty Images
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Noch eine Woche bleibt dem FC Bayern München Zeit, um den Kader für die bereits angelaufene Spielzeit final zusammenzustellen. Nicht all zu viel - doch Sportvorstand Hasan Salihamidzic gibt sich weiterhin betont gelassen.

Dass beim deutschen Quadruple-Sieger noch personell nachgelegt werden muss, ist klar und ergibt sich schon aus einem kurzen Blick auf die Liste der Abgänge. Mit Thiago Alcántara verließ einer der Schlüsselspieler der letzten Jahren den Klub gen Liverpool, der Spanier Javi Martínez steht unmittelbar vor einem Wechsel. Die Leihspieler Philippe Coutinho (FC Barcelona), Álvaro Odriozola (Real Madrid) und Ivan Perisic (Inter Mailand) kehren zudem zu ihren Stammvereinen zurück.

Die Bundesliga ist bereits letzte Woche in ihre neue Saison gestartet - und den fünf genannten Abgängen stehen bislang nur drei Neuzugänge gegenüber. Leroy Sanés Transfer von Manchester City wurde bereits vor Monaten eingetütet, die Ankunft von Torwart Alexander Nübel (FC Schalke) stand ebenfalls seit längerer Zeit fest. Zu diesem Duo gesellen sich noch das 18-jährige Abwehrtalent Nianzou Kouassi von Paris St.Germain, sowie Leih-Rückkehrer Adrian Fein (zuletzt beim HSV) und der aus der zweiten Mannschaft endgültig hochgezogene Joshua Zirkzee. Für eine Mannschaft, die auch in der kommenden Spielzeit auf allen Hochzeiten bis zum Schlussakkord mittanzen will, ist das freilich noch sehr dünn. Darüber hinaus schwebt immer noch das Damoklesschwert eines Abgangs von Leistungsträger David Alaba über den Köpfen der Münchener.

David Alaba
Verlängert David Alaba seinen Vertrag beim FC Bayern? / Alexander Hassenstein/Getty Images

Natürlich ist die aktuelle Lage auch dem durch die Corona-Pandemie bedingten Termin-Kalender geschuldet, der ab März kräftig durcheinander gewirbelt wurde. Just zu der Zeit, in der normalerweise die Deals eingetütet werden, musste sich der FC Bayern auf das Final 8 - Turnier der Champions League in Lissabon vorbereiten. Es ist wohl von daher auch kein Zufall, dass Mannschaften wie Real Madrid, der FC Barcelona oder der dem FC Bayern im Finale der Königsklasse unterlegene Paris St.Germain ebenfalls noch nicht annähernd ihre Planungen abgeschlossen haben.

Doch mit dem FC Barcelona ist auch schon das erste Stichwort bezüglich gescheiterter Transfers beim deutschen Rekordmeister genannt. Denn die Münchener hatten für ihre rechte defensive Außenbahn den Holländer Sergiño Dest von Ajax Amsterdam auserkoren. Doch der 19-jährige Niederländer entschied sich am Ende doch dafür, das Angebot des von seinem Landsmann Ronald Koeman trainierten FC Barcelona anzunehmen. Auf der rechten Abwehrseite verfügen die Münchener mit Benjamin Pavard im Grunde genommen nur über einen gelernten Außenverteidiger sowie eine Not-Lösung in Gestalt dessen Landsmanns Lucas Hernandez.

Zwei Sechser, ein Rechtsverteidiger und ein Back-up für Lewandowski müssen her

Somit fehlen dem deutschen Rekordmeister also zwei Sechser und ein rechter Verteidiger. Mindestens: denn auch über einen Back-Up für Torjäger Robert Lewandowski (32) sollten sich die Münchener allmählich mal Gedanken machen. Und auch die Innenverteidigung wird, unabhängig von Alabas Entscheidung, in den kommenden Jahren ein Facelifting nötig haben. Schließlich wartet auf die Münchener die vielleicht herausforderndste Saison aller Zeiten, mit Spielen nahezu im 3-Tages-Rhythmus bis in den Mai 2020 hinein. Nicht zu vergessen die bis Jahresende noch sechs zu absolvierenden Länderspiele, zu denen jeweils eine gute Handvoll Münchener Spieler eingeladen werden dürften.

Kein Wunder also, dass schon der eine oder andere Spieler seine Besorgnis über die schleppenden Transferaktivitäten zum Ausdruck bringt. So sagte Thomas Müller im Anschluss an den 2:1-Erfolg im UEFA-Supercup gegen den FC Sevilla: "Ich hoffe natürlich, dass wir noch Verstärkung dazu bekommen. Aber da sind andere zuständig, und ich glaube, die kümmern sich auch schon." (Quelle: Münchener Abendzeitung). Auch Keeper Manuel Neuer bewertet den "relativ schmalen Kader" angesichts der bevorstehenden "Hammer-Saison" durchaus besorgt.

"Lassen wir uns überraschen, was am Ende passiert!"

Sorgen, die ihr Sportvorstand offenbar nicht teilt. Weil er schon weiß, was in den nächsten acht Tagen passiert? Sein gegenüber den Sky-Reportern im Rahmen des heutigen Bundesligaspiels bei der TSG Hoffenheim ausgesprochener Satz "Lassen wir uns überraschen, was am Ende passiert", in Verbindung mit einem breiten Grinsen, lässt jedenfalls vermuten, dass in den nächsten Tagen neue Gesichter an der Säbener Straße präsentiert werden. "Wir lassen uns viele Optionen offen und sind im ständigen Austausch mit dem Trainerteam und schauen, was möglich ist", fügte der Bosnier noch hinzu.

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