Bayern München

Rummenigge trauert Alaba nach: "Es fehlt der Organisator"

Simon Zimmermann
Karl-Heinz Rummenigge vermisst David Alaba
Karl-Heinz Rummenigge vermisst David Alaba / Quality Sport Images/GettyImages
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Karl-Heinz Rummenigge trauert David Alaba nach. Nachvollziehbar - aber auch ein bekanntes Phänomen beim Blick in die Vergangenheit.


Corona-Chaos hin oder her: die Niederlage des FC Bayern am Freitagabend in Augsburg hat ALLE überrascht. Es war die dritte Pleite im 19. Saisonspiel unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann. Am Tag darauf nutzte Verfolger Dortmund die Gelegenheit und schob sich wieder auf ein Zähler ran an den Tabellenführer.

Einen weiteren Tag später sprach Ex-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bei Sky 90. Dabei stand auch die Defensive des Rekordmeisters im Fokus. Mit David Alaba und Jerome Boateng hatten vor der Saison zwei Platzhirsche den Klub verlassen. Dayot Upamecano wurde als Nachfolger präsentiert.

Rummenigge trauert Alaba hinterher: "Es fehlt der Organisator"

Nun ist es häufig so, dass der Blick zurück ein wenig verklärt ist. Ein Phänomen, das wohl jeder von sich selbst kennt. Früher war zwar nicht alles besser, aber in der Retrospektive erscheinen oftmals viele Ereignisse und Taten besser, als sie vielleicht tatsächlich waren.

Rummenigge jedenfalls erklärte die Bayern-Pleite in Augsburg auch mit dem Abgang von Abwehrchef Alaba. "Es fehlt vielleicht auch der Organisator der Abwehr. Der ist natürlich auch leider transferiert nach Real Madrid: David Alaba war immer für den FC Bayern in dieser Rolle des defensiven Organisators ein ganz wichtiger Mann. Er war auch für die Kabine ein wichtiger Mann. Ich glaube, David geht schon dieser Defensive ein Stück ab", erklärte der 66-Jährige.

"Was auffällt, ist, dass sie speziell in der Innenverteidigung nicht die Stabilität haben."

Karl-Heinz Rummenigge, Sky 90
Karl-Heinz Rummenigge
Karl-Heinz Rummenigge blickt zurück / Alexander Hassenstein/GettyImages

Und natürlich hat Rummenigge mit dieser Meinung recht. Ein Weltklasse-Spieler wie Alaba täte den Bayern auch in dieser Saison gut. Zumal er als Eigengewächs und Identifikationsfigur im Verein eine Rolle innehatte, die über den Platz hinaus ging. Auch in der Kabine war Alaba ein Wortführer und ein Spieler, der das Team zusammenhalten konnte.

"Grundsätzlich glaube ich sind alle unisono der Meinung, dass dieser Abgang besser nicht hätte stattfinden sollen. Man darf nicht vergessen, der Junge ist bei Bayern München groß geworden. Er hat 13 Jahre da gespielt und es war immer ein wichtiger Bestandteil der DNA von Bayern München, dass junge Spieler, die beim FC Bayern groß geworden sind, mit denen man große Erfolge gefeiert hat, dass die dann auch idealerweise dableiben", führte Rummenigge entsprechend weiter aus.

Rummenigge über Alaba-Abgang: "Haben alle alles getan"

"Das Ganze hat sich irgendwann leider ein bisschen verkeilt. Ob in finanzieller oder auch in atmosphärischer Hinsicht. Das ist schwierig, im Nachhinein zu bewerten. Das entscheidende Kriterium, ist, dass er leider nicht mehr da ist. Ich glaube dieser Abgang ist zumindest bis zur Gänze bis dato nicht richtig kompensiert worden", glaub Rummenigge.

Der nochmals betonte, dass man alles für einen Alaba-Verbleib getan habe: "Ich glaube wir haben alle alles getan. Leider hat sich das ganze Thema irgendwo mal verkeilt. Und er ist zu dem Ergebnis gekommen, er möchte den Klub verlassen, weil er dann ja auch offensichtlich ein extrem interessantes Angebot von Real Madrid hatte."

Wie sehr fehlt Alaba dem FC Bayern wirklich?

Als Bayern-Fan dürfte man durchaus geneigt sein, Rummenigge zuzustimmen. Alaba war in seiner Rolle als linker Innenverteidiger unter Hansi Flick zum unumstrittenen Abwehrchef aufgestiegen, der vor allem auch verbal sehr aktiv war und die Defensive organisierte.

Insbesondere im ersten Jahr unter Flick, als man das zweite Triple der Vereinsgeschichte holte, waren Alabas Leistungen über weite Strecken überragend. Festzuhalten bleibt aber auch, dass diese nach der Corona-Pause deutlich nachließen. In Saison zwei unter Flick war Alaba zwar weiter gesetzt und wichtiger Organisator, seine individuellen Leistungen waren aber nicht mehr konstant auf dem Topniveau der Vorsaison.

Rein an Zahlen der gesamten Mannschaft kann man das ebenfalls ablesen. In der Bundesliga kassierten die Bayern 2020/21 nach zwölf Spieltagen 15 Gegentreffer. Zum Vergleich: 2021/22 sind es nach zwölf Spieltagen 13 Gegentore.

Das liegt zum einen an der etwas stabileren Spielweise unter Nagelsmann im Vergleich zu Flick - auch wenn in Sachen Restverteidigung und Konterabsicherung noch viel Luft nach oben ist. Zum anderen liegt es auch an den überwiegend guten Leistungen der Innenverteidiger. Niklas Süle, Lucas Hernandez und Dayot Upamecano haben sich die Spielzeit bislang recht gleichmäßig aufgeteilt und wussten dabei über weite Strecken zu überzeugen.

Niklas Süle
Die Bayern täten gut daran, mit Niklas Süle zu verlängern / Alexander Hassenstein/GettyImages

Dennoch bleiben negative Ausreißer natürlich in Erinnerung. Der Katastrophen-Auftritt im Pokal gegen Gladbach zum Beispiel. Und so erklärt sich auch noch einmal der rosarote Blick in die Alaba-Vergangenheit ein wenig mehr.

Festzuhalten bleibt am Ende, dass mit dem Österreicher natürlich ein wichtiger Spieler fehlt. Seine Qualitäten als Sprachrohr der Mannschaft kommen dabei besonders ab. Es sind aber auch Qualitäten, die andere Spieler nicht auf Anhieb in diesem Maße ersetzen können. In München sollte man daher nicht den Fehler machen, weiter auf die Vergangenheit zu blicken und Alaba hinterherzutrauern.

Vielmehr wäre es wichtig etwa einen Niklas Süle zu halten. Unter Nagelsmann hat dieser nämlich gezeigt, wie viel Potenzial in ihm steckt. Und dass er in Zukunft einen David Alaba endgültig vergessen lassen kann. Schöne Erinnerungen an den Österreicher beim FC Bayern darf man dann aber natürlich trotzdem haben...

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