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Bayern-Pleite gegen PSG: Scheuer muss sich kritische Fragen gefallen lassen

Daniel Holfelder
Bayern-Coach Jens Scheuer
Bayern-Coach Jens Scheuer / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Bei der 1:2-Niederlage gegen PSG sorgte Bayern-Coach Jens Scheuer für die ein oder andere personelle Überraschung. Die Schachzüge des 43-Jährigen gingen jedoch nicht auf.


Kumagai als Abräumerin vor der Abwehr, Dallmann und Rall auf der Bank. Als am frühen Dienstagabend die Aufstellung gegen PSG durchsickerte, rieb sich der ein oder andere Beobachter verwundert die Augen.

Kumagai im Mittelfeld eine Fehlbesetzung

Für die erste Überraschung sorgte Scheuer mit dem Startelf-Mandat für Carina Wenninger. Die Österreicherin hatte zuletzt vor sechs Wochen gegen Sand von Anfang an auf dem Platz gestanden und ersetzte die etatmäßige Innenverteidigerin Saki Kumagai. Die Japanerin rückte eine Position weiter nach vorne und agierte als alleinige Abräumerin vor der Abwehr.

Die Idee dahinter war klar: Die physisch stärkere Wenninger sollte die bullige PSG-Torjägerin Katoto im Zaum halten, während Kumagai für mehr Stabilität im Mittelfeld zuständig war.

Obwohl die erfahrene Wenninger tatsächlich eine solide Leistung zeigte - bei den Gegentreffern traf die 31-Jährige keine Schuld -, scheiterte dieser Plan. Zum einen erwischte Kumagai einen rabenschwarzen Abend. Die fünfmalige Champions-League-Gewinnerin agierte im Aufbauspiel viel zu behäbig, leistete sich immer wieder haarsträubende Fehlpässe und sah beim 0:1 alles andere als gut aus.

Zum anderen hatte Kumagais Mittelfeldrolle zur Folge, dass Regisseurin Linda Dallmann auf der Bank Platz nehmen musste. Die offensiven Impulse aus dem Mittelfeld sollten von Kapitänin Lina Magull und Sarah Zadrazil ausgehen. Besonders Zadrazil, deren Stärke eindeutig im Spiel gegen den Ball liegt, war mit dieser Aufgabe überfordert.

Wie wichtig es gewesen wäre, im Mittelfeld mehr Offensivkraft aufzubieten, zeigte sich nach der Einwechslung von Sydney Lohmann. Die 21-Jährige kam eine halbe Stunde vor Schluss und sorgte mit ihrer Dynamik immer wieder für Gefahr in der Pariser Hälfte. Genau diese Gefahr war den Bayern trotz klarer Feldüberlegenheit eine Stunde lang abgegangen. Viel zu selten hatten Kumagai und Zadrazil den Weg in den französischen Strafraum gesucht, viel zu oft versuchten es die Bayern über außen.

Ralls Torgefahr fehlt den Bayern

Auch dort traf Scheuer - im Nachhinein ist man immer schlauer - die falsche Entscheidung. Statt auf Maximiliane Rall zu setzen, die nach ihrer Einwechslung sofort für Betrieb sorgte, beorderte der Bayern-Trainer Viviane Asseyi auf die linke Außenbahn.

Gegen ihre Landsfrauen erhoffte sich Scheuer vermutlich eine Extraportion Siegeswille von der Französin, zudem hatte Asseyi gegen Frankfurt als Jokerin geglänzt.

Gegen PSG jedoch konnte die 28-Jährige kaum Akzente setzen und handelte sich zu allem Überfluss auch noch eine Gelbsperre für das Rückspiel im Prinzenpark ein.

Dort wird neben den bayerischen Spielerinnen auch Trainer Scheuer gefordert sein. Wenn es nach dem 1:2 mit einem Comeback klappen soll, müssen nicht nur die Entscheidungen auf dem Platz, sondern auch die personellen und taktischen Entscheidungen sitzen.


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