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Abwehr-Alarm beim FC Bayern? Chef oder kein Chef - das ist hier die Frage

Simon Zimmermann
Wie plant der FCB in der Defensive?
Wie plant der FCB in der Defensive? / Sebastian Widmann/GettyImages
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Abwehr-Alarm beim FC Bayern, schrillt es von überall. Die Bosse sollen sich Sorgen machen und über einen neuen Abwehrchef nachdenken. Doch braucht es das überhaupt? Eine Baustelle klafft schließlich auch hinten rechts.


Nach der Pleite in Bochum nahm rund um den FC Bayern die Debatte um die Abwehr wieder mächtig Fahrt auf. Nach dem 1:1-Remis in Salzburg dürfte diese nicht wirklich abflachen.

Jahrelang waren David Alaba und auch Jerome Boateng elementare Säulen der Bayern-Defensive. Im vergangenen Sommer kam es hier zum Umbruch. Rekord-Transfer Lucas Hernandez sollte endlich übernehmen, dazu kam Landsmann Dayot Upamecano als Königstransfer aus Leipzig.

Doch wirklich gefunden scheint sich die FCB-Abwehr noch nicht zu haben. Neue Hierarchien konnten sich auch aufgrund der vielen Wechsel im Verbund noch nicht bilden. Einen "Anführer", wie er von vielen gefordert wird - also einen waschechten Abwehrchef, sucht man im Team vergeblich. Vielmehr scheinen Hernandez, Upamecano, Süle und Co. aktuell zu sehr mit sich und ihren eigenen Leistungen beschäftigt zu sein.

Braucht es diesen einen Abwehrchef?

Jerome Boateng erklärte im Gespräch mit dem kicker, dass es diese traditionelle Vorstellung von einem Abwehrchef und seinem Nebenmann nicht unbedingt brauche: "Es muss nicht zwangsläufig den einen Chef geben, wenn beide Spieler ihre Vorderleute einteilen und sich gut kennen und verstehen, wie das beispielsweise bei David [Alaba, Anm. d. Red.] und mir der Fall war. Vielleicht spricht einer mehr, dafür erfüllt der Nebenmann andere Aufgaben."

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Boateng und Alaba bildeten noch vergangene Saison ein eingespieltes IV-Pärchen / ANDREAS GEBERT/GettyImages

"Gerade auf dieser Position gab es bei Bayern in den vergangenen Jahren meist Spieler mit jahrelanger gemeinsamer Erfahrung. Wir kannten uns sehr gut. Aber das braucht natürlich Zeit", fügte Boateng hinzu.

Eine Einschätzung, die auch Ottmar Hitzfeld teilt: "Wichtiger als ein einziger Abwehrchef ist das Kollektiv im Abwehrverbund. Man muss sehen und erkennen, was der Mitspieler macht. Diese Automatismen wie das Verschieben muss man permanent und intensiv trainieren."

Bayerns Suche nach Verstärkung: Abwehrchef oder Davies-Klon für rechts?

Dennoch sollen die Sorgenfalten bei den Bayern-Verantwortlichen größer werden, berichtet der kicker. Es werde über einen Spieler diskutiert, der das Zeug zu einem Abwehrchef besitzt. Einen Kommunikator, ähnlich wie das Alaba in den letzten Jahren war. Hernandez und Upamecano sind das eher nicht, Süle ebenso wenig. Zumal der 26-Jährige die Bayern im Sommer gen Dortmund verlässt.

Eine weitere Überlegung der Bayern-Führung bleibt die Verpflichtung eines neuen Rechtsverteidigers, der dann ähnliche Qualitäten wie Alphonso Davies auf links besitzen soll. Vorteil eines solchen Transfers wäre es, Benjamin Pavard häufiger auf seine Lieblingsposition im Zentrum ziehen zu können. Manche Bayern-Bosse sollen sich den Franzosen dort gut vorstellen können, heißt es im kicker-Bericht. Allerdings habe man bei Pavard in den vergangenen Monaten eine ausbleibende Entwicklung registriert.

Was bleibt, sind einige offene und schwer zu beantwortende Fragen in Sachen Kaderplanung für den Sommer. Trainer Nagelsmann hatte zuletzt mehr als nur durch die Blume angedeutet, dass er sich Verstärkungen wünsche. Die mangelnde Reibung, die von Uli Hoeneß ins Spiel gebracht wurde, könne man nur beheben, wenn "man auf dem Transfermarkt aktiv" werde.

Aktiv werden kann und will der Rekordmeister aber nur mit finanzieller Vernunft. Damit dürfte es auch schwieriger werden, einen Spieler zu finden, der auf Anhieb die Chefrolle in der Defensive einnimmt. Zumal diese Diskussion ohnehin recht müßig ist. In den Worten von Jerome Boateng steckt jedenfalls jede Menge Wahrheit: Eine Defensive muss sich über viele Monate oder vielleicht sogar Jahre finden.

In diesem Prozess stecken die Bayern derzeit. Mit Hernandez und Upamecano verfügt man dabei über ein Duo, das durchaus die nötigen Qualitäten besitzt. Geduld und Vertrauen könnten hier Tugenden für die FCB-Führung sein, die sich auf Dauer auszahlen. Ein neuer Rechtsverteidiger könnte die deutlich cleverere Lösung sein. Und es war ja auch nicht so, dass die Bayern mit dem Duo Alaba/Boateng deutlich weniger Gegentore kassiert hätten...


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