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FC Barcelona

FC Barcelona heiß auf Donnarumma - Mehr als ein Back-up für ter Stegen?

Guido Müller
Claudio Villa/Getty Images
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Was noch vor ein paar Jahren undenkbar schien, ist nun Realität: Gianluigi Donnarumma wird seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bei der AC Mailand nicht verlängern und die Rossoneri nach insgesamt acht Jahren verlassen. Doch eventuell fällt der 22-Jährige weich: denn der FC Barcelona scheint an dem italienischen Schlussmann interessiert zu sein.


So zumindest berichtet es seit einigen Tagen nicht nur die barça-nahe Mundo Deportivo, sondern auch der italienische Transferexperte Gianluca Di Marzio. Warum die Blaugrana, die mit Marc-André ter Stegen bereits über einen der weltbesten Torhüter verfügen, sich ein Großkaliber wie Donnarumma in den Kader holen wollen, erscheint auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar.

Doch der zweite Blick bringt dann schon ein wenig Klarheit in die Beweggründe des katalanischen Riesen.

Im August vergangenen Jahres, nur Tage nach jenem denkwürdigen 2:8 gegen die Bayern im Champions League-Viertelfinale, hatte sich der deutsche Keeper einer OP an der Patellasehne unterzogen und aus diesem Grund bereits die ersten Saisonspiele dieser gerade beendeten Spielzeit verpasst.

Erst am 7. November bestritt der 29-Jährige sein erstes Ligaspiel. Da das betroffene Knie auch in der Folge immer wieder kleinere oder größere Probleme bereitete, entschied ter Stegen gemeinsam mit dem Klub, sich noch vor dem letzten Spieltag der Saison ein weiteres Mal operieren zu lassen.

Immer wieder Knieprobleme für Marc-André ter Stegen

Probleme mit dem Knie ziehen sich wie ein roter Faden durch die bislang sieben Jahre, die der Deutsche mittlerweile für die Katalanen aktiv ist.

Blieb er in seiner ersten Spielzeit für die Blaugrana (2014/15) davon noch verschont, ließen ihn diverse Knieprobleme in den beiden folgenden Spielzeiten bereits fünf Pflichtspiele verpassen. Und das Panorama sollte sich auch danach nicht wesentlich ändern.

Marc Andre Ter Stegen
Leidet immer wieder unter Knie-Problemen: Marc-André ter Stegen / Soccrates Images/Getty Images

De facto hatte ter Stegen in den letzten vier Spielzeiten regelmäßig Probleme mit dem Knie. Und natürlich muss ein Klub solche Daten auch berücksichtigen. Mit 29 Jahren ist der Deutsche für einen Torwart zwar im allerbesten Alter - aber eben auch keine 20 mehr.

Und wenn er bisher schon regelmäßig Probleme mit den Knien hatte, kann man logischerweise davon ausgehen, dass diese in Zukunft nicht weniger werden. All dies gilt es aus Vereinssicht zu berücksichtigen.

Hinzu kommt das hohe Gehalt des Deutschen, der nach seiner im Oktober fixierten Vertragsverlängerung (bis 2025) in den beiden letzten Vertragsjahren wohl bis zu 18 Millionen Euro einstreichen könnte - netto!

Donnarumma wäre eine preiswertere Option

Zum Vergleich: Donnarumma wäre wohl schon mit "bummeligen" 10 Millionen Euro netto per annum zufrieden. Zudem ist der Italiener nun frei auf dem Markt - wird aber von Mino Raiola vertreten, der bekannt dafür ist, üppige Kommissionen für sich herauszuschlagen. Gemunkelt wird von 20 Millionen Euro, die der Berater einstreichen würde, wenn sein Mandant tatsächlich bei Barça unterschreibt.

Doch einen Torwart dieser Güteklasse in diesen schwierigen Corona-Zeiten für "relativ" schmales Geld zu bekommen, ist eine Option, die sich jeder ambitionierte Klub zumindest durch den Kopf gehen lassen muss.

Andererseits wäre ein Torwart-Tandem bestehend aus ter Stegen (der deutschen Nummer 1,5) und Donnarumma (der italienischen Nummer 1) ein wahrer Luxus - den man eben aufgrund dieser Krisenzeit seinen Mitgliedern auch erstmal erklären muss.

Von daher steht sogar ein Verkauf des Deutschen im Raum. Sportlich zwar über jeden Zweifel erhaben, könnte ter Stegen jedoch eine Menge Geld in die leeren Kassen der Blaugrana spülen. Mit Donnarumma hätte man eine kostengünstigere Alternative im Tor - die langfristig durchaus das Zeug dazu hat, dasselbe Level wie ter Stegen zu erreichen. Wir vergessen nicht: Donnarumma ist erst 22.

Barça auf der Torwartposition traditionell nie mit Weltklasse bestückt

Und bei einem Blick auf die historische Torwart-Tradition der Katalanen fällt auf, dass sie eigentlich nie einen absoluten Weltklasse-Torwart zwischen den Pfosten stehen hatten. Namen wie Andoni Zubizarreta, Victor Bahía, Ruud Hesp oder Victor Valdez standen für gehobenes internationales Niveau - aber nie für die absolute Weltspitze (wie sie aktuell ter Stegen verkörpert).

Victor Valdes
Ter Stegens Vorgänger im Tor des FCB: Victor Valdez / Alex Livesey/Getty Images

Es geht also in den kommenden Wochen um eine klassische Abwägung von Prioritäten. Hinten solide bis gut aufgestellt zu sein - um finanziellen Spielraum für die geplanten (kostspieligen) Personalentscheidungen, allen voran bezüglich Lionel Messis, zu haben, könnte der Leitfaden für die Transferpolitik in den kommenden Monaten sein.

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