Frauen-EM

Englands Joker und Innenverteidigung stark: Die EM-Siegerinnen in der Einzelkritik

Helene Altgelt
England  v Germany  -EURO Women
England v Germany -EURO Women / Soccrates Images/GettyImages
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It came home: Mit 2:1 setzte sich England gegen Deutschland vor mehr als 87.000 Zuschauern im Wembley-Stadion durch. Im Mittelpunkt bei dem engen Finalsieg waren die Einwechselspielerinnen, die beide Tore erzielten. Auch die Innenverteidigerinnen spielten stark - die Einzelkritik.


Spielverlauf

0:1 Ella Toone (62./Vorarbeit Keira Walsh)
1:1 Lina Magull (79./ Waßmuth)
1:2 Chloe Kelly (110./ ohne Vorarbeit)

Mary Earps (TW): Bewertung 7/10

Earps hatte zu Beginn der Partie einen kleinen Wackler und wirkte in der Szene, in der Deutschland wegen Handball auf Elfmeter reklamierte, nicht ganz souverän. Danach aber schon, pflückte die Flanken zuverlässig herunter. Auch bei Deutschlands Abschlüssen war die Torhüterin von Manchester United stets zur Stelle und hatte mit fünf Paraden Anteil an Englands Sieg.


Lucy Bronze (RV): Bewertung 6/10

Wieder ein Spiel mit Licht und Schatten für Bronze. Vorne wie immer viel dabei, kam auch zu einigen Kopfballchancen und war bei Standards gefährlich. Aber defensiv offenbarte der Barcelona-Neuzugang auch in diesem Spiel Schwächen und Deutschland konnte einige Male über die linke Seite den Platz ausnutzen, den sie ließ. Bronze konnte nur sechs von 18 Duellen gewinnen, aber war offensiv wichtig und suchte immer wieder den Pass in die gefährlichen Zonen.


Millie Bright (IV): Bewertung 7/10

Bright stellte in diesem Spiel wieder eindrucksvoll ihre Kopfballstärke unter Beweis. Von links, von rechts, aus dem Halbfeld - egal von wo es Deutschland mit den Flanken versuchte, Bright war da und klärte insgesamt neun Mal. Mit einem Fehler ermöglichte sie aber die Chance von Tabea Waßmuth, kam auch beim Ausgleich gegen Lina Magull etwas zu spät - wobei das auch schwer zu verteidigen war.


Leah Williamson (IV): Bewertung 7/10

Williamson war im Finale sehr aufmerksam und trug viel dazu bei, dass Deutschland sich schwertat, Chancen herauszuspielen. Englands Kapitänin zeigte sich zweikampfstark und zeigte im größten Spiel ihrer Karriere keine Nerven. Sie hatte allerdings etwas Glück, dass es nicht geahndet oder zumindest überprüft wurde, als sie den Ball an den ausgestreckten Arm bekam.


Rachel Daly (LV): Bewertung 6/10

Daly zeigte eine klare Leistungssteigerung im Verlauf des Spiels. In der Anfangsphase sah sie noch in einigen Szenen nicht gut aus, wollte etwa in der 9. Minute Huth halten und kam dann nicht mehr hinterher, wodurch Deutschland eine Chance bekam. Andererseits schon in der ersten Hälfte mit ein paar guten Chipbällen. Danach war sie auch defensiv stabil und gewann mehr Zweikämpfe.


Keira Walsh (DM): Bewertung 8/10

Walsh war über Strecken des Spiels unauffällig, aber sie stellte erneut ihre Qualitäten unter Beweis. Auch bei deutschen Druckphasen bewahrte sie einen kühlen Kopf und brachte die Bälle zu ihren Mitspielerinnen. Bei dem 1:0 zeigte sie mit einem Pass in die Schnittstelle mit perfektem Timing ihre ganze Klasse. Auch wenn Deutschland den Ball hatte, war sie fleißig und lief viel.


Georgia Stanway (ZM): Bewertung 6/10

Stanway bestritt viele Zweikämpfe, besonders mit Sara Däbritz, wovon sie auch viele gewann. Teils aber recht rustikal dabei, weshalb sie dann auch die gelbe Karte sah. Wie oft war Stanway sehr viel auf dem Platz unterwegs, darunter litt an diesem Abend etwas ihre Effektivität. Die Neuverpflichtung von Bayern störte das deutsche Spiel aber gut.


Fran Kirby (ZM): 5/10

Eines der Schlüsselduelle dieses Abends würde Lena Oberdorf vs. Fran Kirby sein, hatte 90min vorhergesagt - und der Punkt ging an Oberdorf. Kirby hatte früh eine sehr gute Aktion, aber White konnte ihren Pass nicht verwerten. Danach war sie weniger aktiv, konnte körperlich mit Oberdorf nicht mithalten und verlor daher auch einige Duelle. Da sie einiges einstecken musste, holte Kirby auch ein paar Freistöße für England heraus, die aber zumeist nicht gefährlich wurden. Wurde dann in der 54. für Ella Toone ausgewechselt.


Beth Mead (RF): Bewertung 7/10

Englands Plan, die technisch begabte Mead mit hohen Bällen anzuspielen, wurde beim Finale sehr deutlich. Die Arsenal-Spielerin wurde oft geschickt, stand dabei aber auch einige Male im Abseits. Trotzdem, ob rechts oder links, ein Unruheherd, Rauch holte sich gegen sie eine gelbe Karte ab. Musste dann in der zweiten Hälfte wegen körperlicher Beschwerden ausgewechselt werden.


Ellen White (ST): 6/10

Eins der besseren Spiele von White bei dieser EM. In der Anfangsphase hatte sie einige auffällige AKtionen und störte immer wieder den deutschen Spielaufbau. Danach war sie eine Zeit lang weniger im Spiel, vergab dann in der 38. Minute noch eine Chance, als sie zu zentral zielte. Wurde dann in der 54. für Alessia Russo ausgewechselt.


Lauren Hemp (LF): Bewertung 7/10

Hemp war in der ersten Hälfte aktiv, konnte mehrmals nur von Huth und Gwinn im Verbund gestoppt werden - Gwinn machte es gegen die dynamische Hemp gut und hinderte sie oft am Dribbeln. Auch Hegering half in manchen Situationen mit aus. In einer Szene zeigte sie ihre sehr gute Technik, ansonsten lauerte sie stets auf den Pass in die Schnittstelle. Defensiv war Hemp an dem Abend sehr engagiert, lief viel und kam oft Daly und Greenwood zur Hilfe.


Einwechselspielerinnen

Alessia Russo (54. für White) - Bewertung 5/10

Russo konnte weniger beeindrucken als bei ihren vorigen Einsätzen, was auch an der guten Leistung der deutschen Innenverteidigung lag. Auch sie wartete auf die Pässe hinter die Abwehrkette, die auch mehrmals kamen, aber die deutsche Verteidigung war wachsam. In der Nachspielzeit holte sie nochmal einen gefährlichen Freistoß raus, trat sonst aber eher wenig in Erscheinung. Dass sie in der Verlängerung noch eine gute Chance zum 3:1 vergab, wird ihr jetzt vermutlich relativ egal sein.


Ella Toone (54. für Kirby) - Bewertung 7/10

Toone blieb beim 1:0 eiskalt und brachte das Spielgerät mit einem perfekt gechippten Ball im Tor unter. Ein sehr souveräner Abschluss der ManUnited-Spielerin, die auch danach clever agierte und einige Fouls rausholte. In der Verlängerung war sie weniger auffällig, kam aber noch zu einer guten Chance.


Chloe Kelly (64. für Mead): Bewertung 8/10

Kelly war ein "gamechanger" für England. Die quirlige Dribblerin, erst im April von einem Kreuzbandriss zurückgekommen, hatte mehrere gute Chancen und verwandelte eine davon gedankenschnell zum 2:1. Kelly war vorne sehr präsent und holte viele Ecken heraus. Ihre Spielchen an der Eckfahne gegen Ende der Verlängerung muss man nicht gut finden, aber effizient waren sie allemal.


Alex Greenwood (87. für Daly): keine Bewertung

Greenwood fügte sich nahtlos in das englische Spiel ein und klärte viele Bälle. Hatte in der zweiten Hälfte der Verlängerung, als sich das Geschehen sehr an die deutsche Eckfahne verschoben hatte, nicht mehr viel zu tun.


Jill Scott (87. für Stanway): keine Bewertung

Scott ist die einzige Spielerin, die sowohl bei Englands 2:6-Finalniederlage als auch beim Sieg gegen Deutschland auf dem Platz stand. Brachte ihre Erfahrung in Form von ein paar Fouls ein, um Deutschlands Angriffe zu stoppen, ansonsten eher unauffällig.


Nikita Parris (119. für Hemp) - keine Bewertung

Parris kam zu ihren ersten Minuten beim Turnier und darf jetzt auch von sich sagen, etwas zum EM-Sieg beigetragen zu haben.


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