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EM 2020

"Spanien ist leer" - Heimische Presse feuert nach Nullnummer gegen La Roja

Yannik Möller
Spanien kam gegen Schweden nicht über ein torloses Remis hinaus
Spanien kam gegen Schweden nicht über ein torloses Remis hinaus / Julio Munoz - Pool/Getty Images
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Mit dem 0:0 zwischen Spanien und Schweden gab es das erste torlose Spiel dieser Europameisterschaft. Gewohnt kritisch geht die spanische Presse nach dem ausgebliebenen Auftaktsieg mit ihrer Mannschaft um und schreibt u.a., dass die Zweifel am Erfolg zunehmen. Die Kritik richtet sich vor allem an Stürmer Alvaro Morata.


Am Donnerstagabend startete Spanien im ersten Gruppenspiel gegen Schweden in die Europameisterschaft. Der erhoffte Auftaktsieg, dessen Bedeutung immer betont wird, blieb jedoch aus. Trotz einer dominanten Leistungen und zahlreichen Abschlüssen blieb es schlussendlich beim 0:0-Remis, dem ersten torlosen Spiel der laufenden Europameisterschaft.

Das große Problem der Spanier wurde gegen Schweden überdeutlich: die Chancenverwertung. Während die spanische Offensive schon jetzt heftig in der Kritik steht, hätte es durchaus auch ein unverdienter Schweden-Sieg werden können. Die Skandinavier kamen zwar nur höchst selten vor das Gehäuse von La Roja, hatten aber zwei dicke Einschussgelegenheiten.

Pablo Sarabia
Dass das 0:0 viel zu wenig ist, war auch den Spielern sofort bewusst / Marcelo Del Pozo - Pool/Getty Images

Zur Begleitung des Spiels war Fernando Morientes ins ZDF-Sportstudio geladen worden. Angesprochen darauf, wie diese Partie am nächsten Morgen in der spanischen Presse aufgenommen werden würde, erwartete er vor allem eines: Kritik. Und diese gibt es auch, mit teils deutlichen Worten und auch auf einzelne Spieler gerichtet, etwa Alvaro Morata. Der Stürmer hätte seinem Team gut und gerne den Sieg holen müssen.

"Was hast du getan, Morata?", fragte beispielsweise die Mundo Deportivo. Weiter: "Er konnte trotz einer Handvoll Chancen kein Tor gegen Schweden erzielen, an einem schicksalhaften Abend von Morata, der anstelle von Gerard Moreno begann und von den Fans ausgepfiffen wurde."

Die Sport bezeichnete ihn als "besonders erfolglos", wenngleich Schwedens Torwart Robin Olsen als "der Retter" seines Teams gelobt wird. Dennoch blieb Morata im Fokus, stets mit dem verfehlten Erfolg in Verbindung gebracht: "Der Juve-Stürmer, der alles im Griff hatte, verzog und der Ball ging knapp am Pfosten vorbei. Ein schwerwiegender Fehler für das Spiel."

Alvaro Morata
Alvaro Morata wird dieses Spiel erst einmal sacken lassen müssen / Thanassis Stavrakis - Pool/Getty Images

Am Dienstagmorgen werden in Spanien auch einige italienische Medien zitiert, um das Bild zum 28-jährigen Angreifer zu schärfen. Durch seine Ausleihe zu Juventus Turin liegt auch dort ein Augenmerk auf ihm. In der La Stampa wird er so als "uninspiriert" betitelt. (via AS). "Dann war es Morata, der allein im Strafraum durch ein Geschenk von Danielson die größte Chance des Spiels knapp vergab", wird auch dort betont.

Frust in Spanien - Kritik von den Fans

Doch auch Spanien als ganzes Team bekommt bereits nach dem Auftaktspiel ihr Fett weg - die heimischen Medien zeigen sich, gewohnt, nicht gerade zimperlich. "Spaniens Torflaute und die Zweifel nehmen zu", so die Mundo Deportivo nach den 90 torlosen Minuten.

Das Blatt malt der Nationalelf keine gute Chancen aus: "Ohne einen Torhüter, der hinten für Sicherheit sorgt und ohne einen Stürmer, der vorne mitmischen kann, wird es schwer, in einem Turnier wie diesem weit zu kommen, in dem alle Favoriten stark gestartet sind und keine Zugeständnisse gemacht haben."

Luis Enrique
Nationaltrainer Luis Enrique steht für die Stürmerwahl in der Kritik / David Ramos/Getty Images

Die AS titelt derweil: "Spanien ist leer." Damit ist selbstredend der offensive Punch gemeint. "Es fehlte, wie fast immer, das Tor", so das Blatt, das ausführte: "Es gibt nun ein fünftägiges Zeitfenster, in dem die Verantwortlichen wütend sind; denn es reicht, halboffene Ohren zu haben, um zu erkennen, dass man die Frage stellen sollte: Warum hat Moreno bis zur 73. Minute nicht gespielt, wenn er doch der beste spanische Torschütze in LaLiga ist?"

Während auch die Marca nicht mit Kritik geizt, stellt sie Morata aber nicht so deutlich in den Fokus. In einem Kommentar wird Autor Carlos Carpio sehr deutlich. "Uns fehlen Tore und wir haben zu viele dumme Menschen", schreibt er. "Wir wussten bereits, dass es Spanien an Toren mangelt. Nichts Neues, in der Tat ist es ein Problem, das wir schon lange haben."

Ein Problem, das aber auch schon bei den zwei vorigen Europameisterschaften und auch der Weltmeisterschaft 2018 vorhanden war und später gelöst wurde. Carpio weiter: "Was hingegen nicht wiedergutzumachen ist, sind die dummen Leute, die Morata in der 49. Minute von der Tribüne aus auspfiffen, als er einen Schuss aus nächster Nähe verfehlte, nachdem er in der ersten Hälfte bereits eine klare Chance vergeben hatte."

Moratas Teamkollege Aymeric Laporte fand nach dem Spiel klare Worte in Richtung der Kritiker: "Nächstes Mal schießt er drei Tore und stopft allen das Maul. Du kannst einen Stürmer wie Alvaro nicht infrage stellen, der schon so viel gezeigt hat", befand der Man-City-Verteidiger. Aus Sicht des spanischen Teams und vor allem aus Sicht von Morata muss man tatsächlich hoffen, dass der Knoten im zweiten Spiel platzt. Ansonsten dürfte die Kritik in Spanien noch viel deutlicher werden...

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