Frauenfußball

Der EM-Effekt: Türen öffnen sich für Spielerinnen aus kleinen Ländern

Helene Altgelt
Nach der EM mit Nordirland wurde Lauren Wade vom englischen Erstligisten FC Reading verpflichtet
Nach der EM mit Nordirland wurde Lauren Wade vom englischen Erstligisten FC Reading verpflichtet / Naomi Baker/GettyImages
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In Deutschland wird darüber debattiert, wie nachhaltig der Effekt der EM sein wird, oder was dazu führen kann, dass er nicht nach wenigen Monaten verpufft. Aber für kleinere Nationen hat das Turnier vermutlich größere Auswirkungen, neue Türen öffnen sich. So manche Spielerin konnte auf sich aufmerksam machen und bekommt nun die Chance, professionell zu spielen.


Equal Pay und Equal Play in Deutschland Gesprächsthema

Am Dienstag trifft sich Olaf Scholz mit hochrangigen Vertretern des DFB, um auf das Thema Equal Pay zu sprechen zu kommen. Sein Tweet mit der Forderung, Fußballer und Fußballerinnen vom Verband gleich zu bezahlen, hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt, mehr noch aber die Antwort von Oliver Bierhoff, der Scholz anbot, ihn "über die Zahlen aufzuklären".

Für Bierhoff lautet das Zauberwort nicht Equal Pay, sondern Equal Play - gleiche Bedingungen für alle. Beim Nationalteam war die Vorbereitung auf die EM mit den Trainingslagern hervorragend, die Bedingungen sehr ähnlich zu denen der Männer. Darüber zeigten sich auch die Spielerinnen und Trainerin sehr erfreut und lobten oft die Anlagen und neuen Möglichkeiten.

Auf Klub-Ebene allerdings ist man von Equal Play ebenso weit entfernt wie von Equal Pay. Einige Bundesligisten haben nur unzureichende Trainingsmöglichkeiten, Freiburg etwa konnte vor dem Umzug an das Dreisamstadion öfters bei schlechtem Wetter nicht trainieren. Zudem ist die medizinische Betreuung zu dünn, was das Verletzungsrisiko nochmal erhöht.

An diesem Punkt kommen dann auch wieder Equal Play und Equal Pay zusammen. Denn wer so wenig bezahlt wird, dass ein Vollzeitjob neben dem Fußball notwendig ist, hat auch nicht die gleichen Bedingungen und kann sich nicht auf den Sport fokussieren. In Deutschland sind es die Vorreiter, Bayern und Wolfsburg, die das bieten, in Teilen noch andere Klubs wie Frankfurt.

Sichtbarkeit von kleineren Ligen nicht da - wenig Chancen, sich zu zeigen

Die anderen Spielerinnen können sich mit guten Leistungen aber für die großen Vereine empfehlen, oder für Klubs im Ausland. Trotz der mangelnden Sichtbarkeit für die Öffentlichkeit ist die Bundesliga als große Liga anerkannt, auf die alle Klubs der Top 5-Ligen beim Scouting ein Auge haben. Damit ist sie immerhin eine Plattform für Spielerinnen, um sich zu zeigen.

Das ist nicht selbstverständlich. Die nordirische, finnische, belgische oder portugiesische Liga bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Die Champions League ist eine Chance, sich zu zeigen - oder eben die EM. Während die nordirischen Vereine mit klangvollen Namen wie "Linfield Ladies", "Crusaders Strikers" oder "Glentoran FC" nicht auf dem Zettel aller europäischer Klubs stehen werden, waren alle Scouting-Abteilungen bei und kurz vor der EM sicherlich hellwach.

Für den Fortschritt ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt, dass auch Spielerinnen in kleinen Ligen in Zukunft mehr Chancen bekommen, indem größere Vereine mehr Zeit und Geld in das Scouting investieren. Dass es genug talentierte Spielerinnen gibt, auf die es sich lohnt, ein Auge zu haben, zeigte die EM erneut - die meisten Underdogs schafften es nicht aus der Gruppenphase raus, konnten aber trotzdem teilweise starke Leistungen zeigen.

EM als Bühne für Spielerinnen

Für manche Spielerinnen machen die sich jetzt schon belohnt: Der englische Erstligist Reading gab etwa bekannt, die beiden nordirischen Spielerinnen Jackie Burns und Lauren Wade verpflichtet zu haben. Die Torhüterin und rechte Offensivspielerin hatten beide zuvor schon im Ausland gespielt, aber der Schritt in die professionelle englische Liga ist nochmal deutlich größer.

Auch bei den anderen Nationen, deren Spielerinnen der Öffentlichkeit und selbst den meisten Fans zuvor eher unbekannt waren, zeigte sich dieser Effekt. Bei Portugal spielt der überwiegende Teil der Spielerinnen in der heimischen Liga, jetzt aber wurden kurz vor und nach der EM einige Wechsel in die Primera Iberdrola nach Spanien vermeldet.

Die EM war nicht nur für Deutschland oder England, sondern gerade auch für kleinere Länder ein wichtiges Turnier, um den Spielerinnen die Bühne zu geben, sich zu zeigen. Und für manche Vereine ist sie vielleicht ja auch ein Hinweis, dass es sich auch außerhalb von internationalen Turnieren lohnen kann, den Blickwinkel zu erweitern.


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