2:0, aber ohne "letzte Konsequenz": Die Einzelkritik zu Wolfsburgs Sieg gegen Potsdam

Vier Siege aus vier Spielen: Gelungener Saisonstart von Wolfsburg, auch wenn gegen Potsdam noch mehr drin gewesen wäre
Vier Siege aus vier Spielen: Gelungener Saisonstart von Wolfsburg, auch wenn gegen Potsdam noch mehr drin gewesen wäre / Matthias Kern/GettyImages
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Der VfL Wolfsburg hat in der Frauen-Bundesliga seine weiße Weste gewahrt und gegen Potsdam den vierten Sieg in Folge eingefahren. Nach dem 2:0 war Alexandra Popp trotzdem nicht hundertprozentig zufrieden, denn sie und ihre Sturmkolleginnen hatten die "letzte Konsequenz" vermissen lassen, wie sie sagte. Die Einzelkritik der Wolfsburg-Spielerinnen.


Merle Frohms (Tor): 7/10

Frohms hatte im Tor relativ wenig zu tun - aber es gab schon früh eine gefährliche Situation. Wäre Wiankowskas Kopfball statt an den Pfosten (4. Minute) etwas weiter rechts gelandet, hätte sie vermutlich keine Chance gehabt. So musste sie kaum eingreifen, zeigte aber trotzdem, dass sie auf ihrem Posten war - etwa bei Kyokawas Distanzschuss kurz vor Ende der ersten Hälfte, der dann am Tor vorbeisegelte. In der 77. Minute aber mit einer kleinen Unsicherheit, als sie den Ball nicht festhalten konnte. In der Spieleröffnung war Frohms gewohnt souverän.

Joelle Wedemeyer (Rechtsverteidigung): 7/10

Ordentlicher Auftritt von Wedemeyer, die mal wieder von Anfang an spielen durfte. Sie machte es besonders in der Anfangsphase gut und ging gerne mit nach vorne. Dabei fand sie auch einige Räume und brachte gute Hereingaben. In der 11. Minute mit einer unglücklichen Defensivaktion, als sie den Ball schlecht klärte und damit ihre Abwehr etwas in Bedrängnis brachte. Ansonsten arbeitete sie aber gut nach hinten mit, so etwa in der 61. Minute im Verbund mit Hendrich gegen Wiankowska.

Kathrin Hendrich (Innenverteidigung): 6/10

Zu Beginn des Spiels mutiger als in manch anderem Spiel: Hendrich ging einige Male aus der Abwehrkette raus und störte Potsdam im Mittelfeld. Damit bereinigte sie einige Situationen früh, wurde aber auch bestraft, wenn sie den Ball verlor. So stellte sie mit zunehmender Spieldauer diese Ausflüge ein und konzentrierte sich auf den Spielaufbau, wo sie es gut machte.

Dominique Janssen (Innenverteidigung): 6/10

Unauffälliger Auftritt der Niederländerin, die weniger präsent war als ihre Nebenfrau Hendrich. In der Spieleröffnung könnte mehr von ihr kommen. Wenn gefordert, zeigte sie sich defensiv kopfballstark.

Sara Agrez (Linksverteidigung): 7/10

Sara Agrez
Für Sara Agrez war es ein besonderes Spiel / Lukas Schulze/GettyImages

Ein besonderes Spiel für Agrez, die letzte Saison noch als Kapitänin für Turbine aufgelaufen war. In Wolfsburg ist sie nun eher Ergänzungsspielerin, durfte aber gegen Potsdam von Beginn an ran. Sie zeigte sich zunächst eher defensiv orientiert, ging danach aber auch mal mit nach vorne, als sich dort Räume ergaben. Agrez steuerte einige gute Flanken bei und war auffällig oft deutlich jenseits der Mittellinie positioniert - Potsdam strahlte über ihre Seite wenig Gefahr aus. In einigen Aktionen fehlte aber die Genauigkeit.

Lena Lattwein (defensives Mittelfeld): 7/10

Grundsolides Spiel von Lattwein, die wegen des Ausfalls von Oberdorf noch einen Tacken defensiver spielte als sonst. In dieser Rolle zeigte sie sich souverän und sicherte den Raum gut ab. Dazu setzte sie ein paar Impulse nach vorne und bereitete etwa eine der vielen guten Chancen Popps in der 69. Minute vor.

Jill Roord (Mittelfeld): 5/10

Roord ließ sich teilweise sehr weit nach hinten fallen - vermutlich wegen der Mittelfeld-Aufteilung ohne Oberdorf, aber besonders effektiv war es nicht. Nach vorne verlor sie zu oft einfache Bälle und leistete sich Abspielfehler. Das überschattete die guten Aktionen, die es auch gab - ihre Stärke, den Ball zu behaupten und durchzustecken konnte sie einige Male zeigen und leitete auch das 1:0 ein. Für sie untypisch vergab Roord in der 14. Minute dagegen eine hundertprozentige Chance, als sie aus kurzer Distanz nur ein schwaches Schüsschen zustande brachte.

Svenja Huth (Mittelfeld): 7/10

Huth war sehr aktiv, ihr fehlte in einigen Situationen aber die Genauigkeit. Die Nationalspielerin fand immer wieder die Halbräume und brachte mit Tempoläufen auch mal Dynamik ins Wolfsburger Spiel, am Ende war der Pass aber teilweise zu schlampig. Huth steigerte sich in der zweiten Hälfte dann aber und brachte mehr Präzision in ihre Aktionen.

Tabea Waßmuth (rechter Flügel): 7/10

Im Spiel gegen ihren Ex-Verein Hoffenheim hatte Waßmuth noch völlig neben sich gestanden, die deutlich verbesserte Leistung gegen Potsdam tat ihr nun vermutlich gut. Sie kam auf der rechten Seite öfters zu guten Aktionen, viel in Zusammenarbeit mit Huth, und brachte präzise Hereingaben. In diese Kategorie fällt auch ihre Flanke, die zum 1:0 durch Popps Kopfball führte. Davor hatte sie sich zudem gut in den freien Räumen bewegt, was öfters zu sehen war. Im Verlauf der ersten Hälfte tauchte sie etwas ab, kam später aber wieder besser ins Spiel.

Alexandra Popp (Sturmzentrum): 6/10

Alexandra Popp
Alexandra Popp war mit dem Spiel nicht hundertprozentig zufrieden / Matthias Kern/GettyImages

Ein Auftritt mit Licht und Schatten von Popp: Zum Einen zeugen ihre zahlreichen Chancen erneut von ihrer Fähigkeit, sich freizulaufen und in Position zu bringen. Andererseits wären an diesem Nachmittag auch mehr als ein Tor für sie dringewesen. Mit einem schlechten ersten Ballkontakt machte sie sich diese aber oft selbst zunichte. Popp ging über ihre Rolle als klassische Stürmerin hinaus und war auch öfters auf außen oder im Mittelfeld zu finden, wo sie wie immer viel Einsatz zeigte, manchmal aber auch hängenblieb.

Jule Brand (linker Flügel): 5/10

Brand fehlt noch die Konstanz, das bestätigte dieses Spiel, nach der Hoffenheim-Gala und einem guten Auftritt gegen Leverkusen, erneut. In der Anfangsphase war die 19-Jährige, die sich kürzlich über die Nominierung für den Golden-Girl-Award als bestes Talent Europas freuen durfte, kaum zu sehen. Wolfsburg kam eher über rechts und wenn Brand zu sehen war, dann eher, weil sie in der Mitte agierte. Dadurch blieb links teilweise viel Platz, den Agrez dann besetzte, aber Brand mit ihren Qualitäten im 1-gegen-1 wurde dort in einigen Momenten vermisst. Die Jung-Nationalspielerin kam zu zwei Chancen in der 29. und 42. Minute, agierte aber zu überhastet.

Einwechselspielerinnen:

Rebecka Blomqvist (46. Minute, für Jule Brand): 7/10

Guter Auftritt der schwedischen Nationalspielerin, die mit einigen Aktionen dafür sorgte, dass Wolfsburg mehr über links kam. Blomqvist zeigte ein paar intelligente Läufe und setzte ihre Schnelligkeit gut ein, auch wenn der finale Pass genauer hätte kommen können. Bereitete das 2:0 durch Pajor gut vor.

Ewa Pajor (59., für Jill Roord): 5/10

So einen Chancenwucher ist man von Pajor eigentlich nicht gewohnt. Neben einem artistischen Seitfallzieher in der 65. kam die wuchtige Stürmerin in der Schlussphase zu einer Vielzahl von guten Möglichkeiten, konnte den Ball aber zunächst nicht im Tor unterbringen. Pajor hatte fast im Minutentakt Chancen: In der 82., 86.,89. und 90. Minute scheiterte sie entweder an Frehse oder ihrer eigenen Ungenauigkeit. In der 94. Minute machte sie mit einem schönen Sololauf dann doch noch den Deckel drauf - warum einfach, wenn es auch so geht.

Sveindis Jonsdottir (74. Minute, für Waßmuth): ohne Bewertung

Jonsdottir hatte in den verbleibenden 20 Minuten noch einige Aktionen - die beste dabei war während eines Konters, als sie gut auf Pajor durchsteckte.


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