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Duda bei Hertha BSC: Zweite Chance oder Abflug

Aug 6, 2020, 1:32 PM GMT+2
Ondrej Duda
Könnte unter Bruno Labbadia eine zweite Chance bekommen: Ondrej DUda / Jean Catuffe/Getty Images
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Hertha BSC kann in der kommenden Saison wieder auf Ondrej Duda bauen. Der Slowake war in der abgelaufenen Spielzeit nach England ausgeliehen und könnte unter Bruno Labbadia nun eine zweite Chance in Berlin bekommen. Eine Chance, die er verdient hat, aber auch nutzen muss. Sonst heißt es: Abflug.

Man stelle sich vor, man gehe in seine dritte Saison für den neuen Verein und alles läuft super. Nach zwei durchwachsenen Jahren der Akklimatisierung beim neuen Klub mit viel Zeit auf der Bank und relativ wenig Zeit auf dem Platz, scheint man den Durchbruch endlich geschafft zu haben und erzielt in 32 Bundesliga-Partien elf Tore und sechs Vorlagen, zählt dazu noch zu besten Spielern der Mannschaft, vielleicht sogar der Liga und dann passiert es. Man wird verliehen. Rumms!

Erst Top-Scorer, dann Leihe

So geschehen in Berlin. Der Mann in der Mitte: Ondrej Duda. In der Saison 2018/19 noch Top-Scorer seines Teams, verlor er unter Ante Covic zunächst seinen Stammplatz und unter Jürgen Klinsmann dann scheinbar gänzlich den Spaß am Fußball. Die Konsequenz war ganz einfach: Im Januar folgte die Leihe nach England. Genauer gesagt zu Norwich City, damals Tabellenletzter in der Premier League.

Nur am Rande: Auch Dudas Ankunft konnte den Abstieg der Ost-Engländer in die zweite Liga nicht verhindern. Nach etwas mehr als einem halben Jahr in England, in dem Duda sportlich ebenfalls nicht hundertprozentig überzeugen konnte, immerhin jedoch nötige Spielzeit bekam, ist der 25-jährige Spielmacher zurück in Berlin, und will um sein altes Standing im Klub kämpfen. Will zurück zu alter Form und besseren Zeiten, in denen er noch Top-Scorer der Mannschaft war.

Vor rund einer Woche erklärte Duda in einer Medienrunde seine Absichten in Berlin und ließ die letzte Saison Revue passieren: "Das vergangene Jahr war kein einfaches, aber nun bin ich bereit und will wieder angreifen." Angreifen ist also das Stichwort. Und: Angreifen muss er auch. Denn seit seinem kurzzeitigen Verschwinden in die Premier League hat sich auch bei der Alten Dame einiges getan. Einen Stammplatz hat der Techniker alles andere als sicher.

Karten in Berlin sind neu gemischt

Überraschenderweise ist Vladimir Darida wiedererstarkt und hatte die Zügel im Berliner Mittelfeld zumindest in der vergangenen Saison fest in der Hand. Dazu kommt, dass Duda und Neuzugang Matheus Cunha sich im Winter quasi die Klinke in die Hand gaben und der Brasilianer zu Dudas Nachteil auf Anhieb zu überzeugen wusste und in elf Bundesliga-Partien für Berlin fünf Tore und zwei Vorlagen vorzuweisen hat. Darüber hinaus reißen Spekulationen über eine weitere Verpflichtung für das offensive Mittelfeld nicht ab. Die Karten in Berlin sind also neu gemischt.

Ondrej Duda
Alles auf Anfang? Für Ondrej Duda zeigt der Blick nur nach vorn / TF-Images/Getty Images

Heißt für Duda: Ärmel hochkrempeln. Denn sein größtes Plus scheint derzeit der neue Trainer zu sein. Bruno Labbadia ist von den Qualitäten des Slowaken überzeugt und will dem Abtrünnigen aus der letzten Saison eine zweite Chance geben: "Ich muss erst ein Gefühl dafür bekommen, wo seine Stärken liegen, aber klar ist auch, dass er Facetten mitbringt, die unserem Spiel gut tun können."

Duda muss kämpfen

Und auch für den Spieler selbst soll es unter Labbadia besser laufen als unter dessen Vorgängern. Zumindest das Verhältnis der beiden scheint schon einmal besser zu sein. Das lässt sich aus Aussagen Dudas zu seinem neuen Förderer schließen. Die Gespräche mit dem 54-Jährigen seien positiv verlaufen: "Bei Klinsmann habe ich den Eindruck gehabt, ich kann tun, was ich will, ich habe eigentlich keine Chance", erklärte der 25-Jährige. Unter Labbadia sei dies nun anders.

Aber Vorsicht! Labbadia mag bisher noch von seinem Schützling überzeugt sein, doch auch er muss an jedem Spieltag die beste Mannschaft auf den Platz bringen, kann also nicht nach Sympathie aufstellen. Das heißt für Duda letztlich nur eines: In jedem Training Vollgas geben aus Dank für die zweite Chance. Sonst droht der nächste Abflug erneut schneller zu kommen als erwartet.

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