Frauen-Bundesliga

Doppelter Zweikampf zeichnet sich ab: Wer macht das Rennen um die UWCL-Plätze?

Helene Altgelt
Eintracht Frankfurt mit Sara Doorsoun will den Champions-League-Platz verteidigen
Eintracht Frankfurt mit Sara Doorsoun will den Champions-League-Platz verteidigen / Mark Wieland/GettyImages
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Wolfsburg, Bayern, Frankfurt, Potsdam, Hoffenheim: Letzte Saison spielte ein Quintett um die drei Champions-League-Plätze in der Frauen-Bundesliga. Von Potsdam wird diese Saison aufgrund der zahlreichen Abgänge eher ein Mittelfeldplatz erwartet, einigen anderen Teams wird dagegen eine Überraschung zugetraut. Wer hat die besten Karten für die UWCL-Qualifikation?


Die Gesetzten: Wolfsburg und Bayern

Selbst Wolfsburgs zweite Elf hätte Chancen auf die UWCL

Alexandra Popp
Wolfsburg will die Meisterschale verteidigen - die UWCL-Qualifikation sollte kein Problem sein / Christof Koepsel/GettyImages

Wolfsburg startet in die Saison als Favorit auf den Meistertitel. Nachdem Tommy Stroots Team letztes Jahr in der Rolle des Jägers erfolgreich war, wollen sie die Schale nun verteidigen. Das Duell mit Bayern könnte spannend werden, aber dahinter fehlt den Teams noch die Qualität, besonders in der Breite, um die Großen wirklich anzugreifen. Alles andere als ein Top-2-Finish von Wolfsburg wäre nicht nur eine Überraschung, sondern ein Erdrutsch. Es müsste schon sehr viel schief laufen, damit gar die Champions League in Gefahr geraten würde. In einzelnen Spielen können Frankfurt, Hoffenheim und co. sie schlagen und haben damit einen großen Schritt nach vorne gemacht. Aber über die ganze Saison muss sich Wolfsburg wohl noch keine Sorgen machen.

In der Breite sticht Wolfsburgs Qualität besonders heraus. Eine erste Elf könnte zum Beispiel so aussehen: Frohms - Wilms, Hendrich, Janssen, Rauch - Oberdorf, Lattwein - Waßmuth, Roord, Jonsdottir - Pajor.

In dem Fall säße immer noch sehr viel Qualität auf der Bank, Stroot könnte einmal komplett durchwechseln und folgendes Team auf den Platz schicken: Weiß - Wedemeyer, Hegering, Demann, Agrez - Brand, Starke, Huth, Wolter - Popp, Blomqvist. Auch diese Elf würde einige Bundesligisten wohl mühelos schlagen.

Auch in München höhere Ziele als bloß die UWCL-Qualifikation

Bayern München - VfL Wolfsburg - Women's DFB Cup Semi Final
Wolfsburg-Jäger Nr.1: Bayern München mit dem neuen Trainer Alexander Straus / Sebastian Widmann/GettyImages

Neuer Trainer, ein hochkarätiger Neuzugang von der Insel und nach einem zweiten Platz erneut die Rolle als Jäger: Bayerns Situation zum Bundesligastart zeigt offensichtliche Parallelen zu der von Wolfsburg letzte Saison. Alexander Straus übernahm die Regie an der Isar und möchte mit dem Team so schnell wie möglich sein Konzept umsetzen und Wolfsburg angreifen. Dabei helfen einige gute Neuzugänge, besonders Europameisterin Georgia Stanway. Bei Wolfsburg gelang das schnelle Zusammenwachsen letzte Saison eher nicht, aber nach dem Fehlstart wurden die Fehler schnell erkannt und korrigiert.

Bayern könnte ebenfalls auf solche Anfangsschwierigkeiten stoßen, aber um die erneute Qualifikation müssen die Verantwortlichen in München kaum bangen. Zu stark ist auch hier der Kader, zu konstant waren die Leistungen letzte Saison, zu überzeugend waren auch die ersten Spiele unter Straus. Die Lücke zwischen Wolfsburg und Bayern ist wohl kleiner als die zwischen Bayern und den weiteren Verfolgerinnen. Dementsprechend ist das Ziel auch nicht nur, den zweiten Platz zu verteidigen, sondern wieder ein enges Duell zu liefern. Nach dem unglücklichen Aus gegen PSG im Frühling soll auch in der UWCL der nächste Schritt gemacht werden.


Die Rivalinnen: Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim

Nikolaos Arnautis
Niko Arnautis steht bei den Eintracht-Frauen an der Seitenlinie / Mark Wieland/GettyImages

Frankfurt brennt auf zweite Chance in der UWCL

Die Champions-League-Euphorie war groß bei der Eintracht, nachdem am letzten Spieltag die Quali klargemacht wurde. Aber bevor die Bundesliga-Saison überhaupt gestartet hat, ist sie auch schon wieder verpufft: In der ersten Runde der Playoffs schied Frankfurt nach Chancenwucher und Abwehrwacklern gegen Ajax Amsterdam aus. Aus der Traum von einer Gruppenphase mit Teams wie Barcelona, Chelsea oder PSG. Aber im Leben wie im Fußball gibt es ja immer eine zweite Chance, und so brennt Niko Arnautis' Team jetzt darauf, die Leistung des Vorjahres zu bestätigen und erneut Dritter zu werden.

Das größte Hindernis teilt dabei den Namen mit einer Stadt am Bodensee: Konstanz. Die Hochs waren letzte Saison am Main höher als je zuvor. Elektrisierende Heimsiege gegen Bayern und Hoffenheim (je 3:2) zeigten, wie viel Offensivpower in diesem Kader steckt. Von der war in anderen Spielen, wie einer trüben Vorstellung beim 0:1 gegen Bremen, wiederum wenig zu sehen. Tendenziell ist Frankfurts Kader diese Saison nicht stärker geworden, die Neuzugänge sind eher junge Talente. Der Abgang von Merle Frohms im Tor, die die ein oder andere Führung festhielt, schmerzt. Theoretisch ist die Qualität der Eintracht aber wohl höher als die der Konkurrenz, die Frage wird wieder sein, wie oft sie das auf den Platz bringen kann.

Hoffenheim will nach schwacher Rückrunde zurück ins internationale Geschäft

Alexia Putellas (2nd R) of FC Barcelona in action during the...
Barcelona sehen und ausscheiden: Gegen die Katalaninnen um Ballon d'or-Gewinnerinnen Alexia hatte Hoffenheim letztes Jahr keine Chance / SOPA Images/GettyImages

Hoffenheim hat letzte Saison bereits international gespielt und war dabei weiter gekommen als Frankfurt: Nachdem in den Playoffs der schwedische Verein FC Rosengard ausgeschaltet worden war, traten sie in einer schweren Gruppe an. Gegen Arsenal und den FC Barcelona zahlten die Kraichgauerinnen einiges an Lehrgeld, profitierten aber auch von der Herausforderung. Im letzten Spiel gegen die Londonerinnen wuchs das Team von Gabor Gallai über sich heraus und zog fast noch in die K.o.-Phase ein.

im grauen Ligaalltag sah es dann aber nicht immer so überzeugend aus. Nachdem Hoffenheim in der Hinrunde nur eine Niederlage hinnehmen musste, waren es in der zweiten Hälfte der Saison vier. Zu oft fehlte der Elf von Gallai das Tempo, dazu waren sie immer wieder für einen Patzer in der Abwehr gut. Trotzdem hat Hoffenheim Qualität und Gallais Idee war weiterhin zu sehen, auch wenn sie dabei teilweise baden gingen. Zudem schätzt der Trainer seinen Kader stärker ein als in der Vorsaison: Mit Melissa Kössler, Julia Hickelsberger-Füller und Ereleta Memeti wurden viel Schnelligkeit und Kreativität in der Offensive geholt. Sehr wichtig ist auch das Comeback von Flügelspielerin Paulina Krumbiegel, die vor ihrem Kreuzbandriss auch schon das DFB-Trikot trug.


Die Außenseiterinnen: Bayer Leverkusen, Freiburg und Köln

Dass es zu einer Überraschung kommt, ist eher unwahrscheinlich. Drei Teams wäre das noch am ehesten zuzutrauen: Leverkusen, Freiburg und Köln haben Chancen, die Top-5 zu komplettieren und vielleicht auch noch höher anzugreifen. Leverkusen hat sich diesen Sommer stark verstärkt, unter anderem mit drei Leistungsträgerinnen der SGS Essen. Freiburg hat eine gute Mischung aus Talent und Erfahrung, die schon lange zusammengeblieben ist. Und der Effzeh konnte mit der Verpflichtung von Selina Cerci einen echten Transfercoup landen - die Mittelstürmerin fällt allerdings noch mit einem Kreuzbandriss aus und kann das Team nicht sofort verstärken.


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