Die Bundestrainer der DFB-Geschichte im Ranking

Auf Joachim Löw folgt Bundestrainer Nummer elf
Auf Joachim Löw folgt Bundestrainer Nummer elf / Alexander Hassenstein/Getty Images
facebooktwitterreddit

Zehn Trainer hatten in der DFB-Geschichte bislang das Amt des Bundestrainers inne. Mit Joachim Löw wird nach der EM im Sommer 2021 der zehnte seinen Abschied nehmen. Wer Nummer elf wird, ist noch offen. Seine Vorgänger führten die deutsche Nationalmannschaft zu vier Weltmeistertiteln und drei EM-Triumphen. Wir blicken auf alle Bundestrainer in unserem Ranking zurück.


Die zehn Bundestrainer im Ranking:

10. Erich Ribbeck

Erich Ribbeck - der erfolgloseste Bundestrainer aller Zeiten
Die Zeit als Bundestrainer von Erich Ribbeck war alles andere als erfolgreich / DENIS CHARLET/Getty Images

Im Amt: 1998 - 2000
Spiele: 24 (1,5 Punkte im Schnitt)
Erfolge: -

Nach der verkorksten WM 1998, als Deutschland gegen Kroatien chancenlos im Viertelfinale die Segel streichen musste, übernahm Erich Ribbeck das DFB-Team. Doch statt besser zu werden, wurde es noch viel schlimmer: Bei der EM 2000 blamierte sich Deutschland und schied in der Vorrunde aus.

Die 0:3-Pleite gegen ein portugiesisches B-Team zum Gruppenabschluss war der negative Höhepunkt - Ribbeck musste gehen.

9. Otto Nerz

Im Amt: 1926 - 1936
Spiele: 75 (1,9 Punkte im Schnitt)
Erfolge: WM-Dritter 1934

Professor Otto Nerz war der erste Bundestrainer der DFB-Geschichte. Er implementierte das sog. "WM-System" oder auch "Nerz-System", das den deutschen Fußball damals revolutionierte.

Vor Nerz war die DFB-Bilanz äußerst schlecht (86 Spiele, 58 Niederlagen, 12 Remis). Mit ihm sprang völlig überraschend Rang drei bei der WM 1934 heraus. Kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin 1936 trat Nerz ab

8. Jürgen Klinsmann

Jürgen Klinsmann als Bundestrainer bei der Heim-WM 2006
Jürgen Klinsmann führte die Nationalelf durchs Sommermärchen / MARCUS BRANDT/Getty Images

Im Amt: 2004 - 2006
Spiele: 34 (2,06 Punkte im Schnitt)
Erfolge: WM-Dritter 2006

Die EM 2004 ging in die Binsen, Fußball-Deutschland schrie nach einem Retter. Strahlemann Klinsi sollte es sein - und das DFB-Team für die Heim-WM rüsten. Trotz eines durchwachsenen Spielermaterials krempelte Klinsmann das deutsche Team ordentlich um und änderte verkrustete Strukturen. Im herrlichen '06er Sommer durften wir ein echtes Märchen erleben, dem Italien im Halbfinale ein Happy End verwehrte.

Für Klinsmann war seine Mission damit vollbracht, er verabschiedete sich und übergab den Staffelstab an Jogi Löw.

7. Rudi Völler

Rudi Völler bei der WM 2020 in Japan und Südkorea
Rudi Völler führte die DFB-Elf 2002 ins WM-Finale / Shaun Botterill/Getty Images

Im Amt: 2000 - 2004
Spiele: 53 (1,85 Punkte im Schnitt)
Erfolge: WM-Zweiter 2002

"Ein Rudi Völler, es gibt nur ein Rudi Völler. Ein Ruuuudiiii Vöööölleeeer..."
Tante Käthe hatte ein Denkmal verdient. Bei der WM in Japan und Südkorea führte er eine Nationalelf mit den Marco Bodes, Oliver Neuvilles und Carsten Ramelows dieser Nation bis ins Endspiel! Dort war man gegen Brasilien sogar richtig gut - doch ausgerechnet der Titan patzte. Dennoch war der zweite Platz deutlich mehr, als man von dieser Truppe erwarten durfte. In der Heimat wurde Völler dafür zurecht gefeiert.

Zwei Jahre später lief es dann aber deutlich schlechter. Bei der EM in Portugal schied Deutschland nach 2000 erneut in der Gruppenphase aus. Rudi trat zurück - und Waldemar Hartmann musste sich eine Weißbier-Träne verdrücken.

6. Berti Vogts

Berti Vogts wurde als Bundestrainer Europameister 1996
Berti Vogts übernahm nach dem WM-Titel 1990 vom Kaiser / United Archives/Getty Images

Im Amt: 1990 - 1998
Spiele: 102 (2,2 Punkte im Schnitt)
Erfolge: EM-Zweiter 1992, Europameister 1996

Nach dem WM-Triumph von Rom 1990 übernahm Vogts für Kaiser Beckenbauer. Der hatte nach dem dritten deutschen Titel großmündig verkündet, dass Deutschland über Jahre unschlagbar sein werde. Das Selbstvertrauen nahm der Kaiser von den DDR-Kickern, die künftig wieder für den DFB auflaufen durften.

Doch des Kaiser Prophezeiung wurde nicht wahr. Bei der EM '92 überraschten uns die Dänen im Finale, 1994 folgte das bittere Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien. Erst auf der Insel zwei Jahre später konnte eine deutsche Elf wieder einen Pokal in die Höhe recken. Oliver Bierhoff erzielte im Finale gegen Tschechien das erste Golden Goal der Fußballgeschichte. Doch so erfolgreich ging es für Vogts nicht weiter. Das nächste Viertelfinal-Aus bei der WM '98 (krachend mit 0:3 gegen Kroatien) kostete ihn den Bundestrainer-Job.

5. Jupp Derwall

Jupp Derwall, Bundestrainer von 1978 bis 1984
Jupp Derwall übernahm 1978 vom großen Helmut Schön / Getty Images/Getty Images

Im Amt: 1978 - 1984
Spiele: 66 (2,17 Punkte im Schnitt)
Erfolge: Europameister 1980, WM-Zweiter 1982

Acht Jahre war Derwall Co-Trainer unter Helmut Schön und gewann in dieser Funktion mit der Nationalelf den EM-Titel 1972 und die WM '74 im eigenen Land. Nach dem verlorenen EM-Finale '76 und der berühmten "Schmach von Cordoba" als Deutschland mit 2:3 gegen Österreich verlor und in der Zwischenrunde ausschied, nahm Schön seinen Hut - Derwall übernahm.

Und das gleich sehr erfolgreich: 1980 schnappte er sich mit dem DFB EM-Titel Nummer zwei, '82 zog Deutschland ins WM-Finale ein, musste sich dort aber Italien mit 1:3 geschlagen geben. 1984 war nach der EM aber Schluss. Deutschland enttäuschte mit dem Gruppen-Aus maßlos, Derwall wurde dabei die Hauptschuld gegeben. Nach dem Turnier trat er zurück. Ein gewisser Franz Beckenbauer übernahm...

4. Joachim Löw

Joachim Löw tritt nach 15 Jahren als Bundestrainer ab
Jogi Löw geht als vierter Weltmeister-Bundestrainer in die DFB-Geschichte ein / Laurence Griffiths/Getty Images

Im Amt: 2006 - 2021
Spiele: 188 (2,11 Punkte im Schnitt)
Erfolge: EM-Zweiter 2008, WM-Dritter 2010, Weltmeister 2014, Confed-Cup-Sieger 2017

Nach dem Sommermärchen 2006 stieg Löw vom Co zum Bundestrainer auf. Er sollte eine 15-jährige Ära prägen. 2008 erreichte er das Finale der EM (0:1 gegen Spanien), 2010 ging es gegen die Iberer im Halbfinale raus, 2012 folgte das enttäuschende Aus, ebenfalls im Halbfinale, gegen Italien - ehe 2014 in Rio endlich die Krönung einer Generation erfolgte. Der vierte WM-Titel war perfekt. In den Jahren danach ging es jedoch stetig bergab: Gegen Gastgeber Frankreich folgte das unglückliche EM-Halbfinal-Aus 2016, ehe 2018 in Russland der Super-Gau eintrat. Erstmals schied ein DFB-Team nach der WM-Vorrunde aus. Und das als Weltmeister.

Doch Löw blieb, versuchte sich mehr schlecht als recht an einem Umbruch und hat mit der verschobenen EM 2020 noch ein letztes großes Turnier vor sich.

3. Sepp Herberger

Sepp Herberger brachte uns das Wunder von Bern
Sepp Herberger brachte uns das Wunder von Bern / United Archives/Getty Images

Im Amt: 1936-1964
Spiele: 169 (1,86 Punkte im Schnitt)
Erfolge: Weltmeister 1954

Das Wunder von Bern ist unweigerlich mit Sepp Herberger verbunden. Die Trainer-Ikone machte aus dem krassen Außenseiter Deutschland einen Weltmeister. Der Schweizer Regen begünstigte im Finale den deutschen Überraschungs-Coup gegen Ungarn. Für eine ganze Nation war es in den Nachkriegsjahren nicht nur ein sportlicher Triumph, sondern auch ein Schritt in Richtung gesellschaftlichen Frieden.

Herberger war insgesamt sage und schreibe 28 Jahre Trainer der DFB-Auswahl!

2. Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer als Bundestrainer beim WM-Triumph 1990
Der Kaiser ließ 1990 Deutschland in Italien jubeln / STAFF/Getty Images

Im Amt: 1984 - 1990
Spiele: 66 (1,89 Punkte im Schnitt)
Erfolge: WM-Zweiter 1986, Weltmeister 1990

Nur einer konnte vom so erfolgreichen Jupp Derwall übernehmen: der Kaiser höchstpersönlich! Beckenbauer, als Spieler Welt- und Europameister, schaffte es zwar nicht, den dritten EM-Titel folgen zu lassen. Bei der WM 1990 setzte sich der Kaiser aber endgültig die für alle Zeiten geltende Krone auf. Im Jahr der deutschen Wiedervereinigung führte er Deutschland zum dritten Stern. Und nahm damit Revanche für das vier Jahre gegen Maradonas Argentinier verlorene WM-Finale.

Dazwischen lag noch eine Heim-EM ('88), bei der es ein enttäuschendes Halbfinal-Aus gegen die Niederlande setzte. Marco van Basten traf damals volley aus unmöglichen Winkel.

1. Helmut Schön

Helmut Schön gewann als Bundestrainer EM und WM
Helmut Schön gewann als Bundestrainer EM und WM / Getty Images/Getty Images

Im Amt: 1964 - 1978
Spiele: 139 (2,09 Punkte im Schnitt)
Erfolge: WM-Zweiter 1966, WM-Dritter 1970, Europameister 1972, Weltmeister 1974, EM-Zweiter 1976

Ein gutes Jahr durfte Schön unter dem großen Herberger als Co-Trainer agieren. 1964 übernahm er dann als Bundestrainer das Ruder. Es sollte die erfolgreichste Zeit der DFB-Geschichte werden - mit zwei schwarzen Flecken! In seinem ersten großen Turnier, der WM 1966, musste sich Trainer Schön im Finale von Wembley England und dem Linienrichter ergeben und auch vier Jahre später reichte es nur zu WM-Platz drei. Eine EM dazwischen gab es für Deutschland nicht. Nach der "Schmach von Tirana" verpasste Deutschland erstmals die Qualifikation für eine Endrunde!

Doch dann folgte 1972 bei der nächsten EM-Ausgabe der Titel (3:0 im Finale gegen die UdSSR) und zwei Jahre später die endgültige Krönung bei der Heim-WM. Mit 2:1 gewann Deutschland das Finale gegen die Niederlande und war zum zweiten Mal Weltmeister! Den WM-Titel konnte Schön 1976 aber nicht verteidigen. Es setzte eine Pleite im Finale gegen die damalige Tschechoslowakei. Uli Hoeneß schoss im legendären Elfmeterschießen den Ball in den Nachthimmel von Belgrad. '78 erlebte Deutschland unter Schön die zweite "Schmach". Besagte in Cordoba bedeuteten für die Trainer-Legende das Aus als Bundestrainer.