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DFB-Team

Löw erklärt späte Musiala-Einwechslung

Jan Kupitz
Musiala konnte am Ende nichts mehr ausrichten
Musiala konnte am Ende nichts mehr ausrichten / Robbie Jay Barratt - AMA/Getty Images
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Gegen die englische Nationalmannschaft durfte Jamal Musiala sein fünftes Länderspiel im DFB-Dress feiern - doch zum Entsetzen aller deutschen Fans wurde der 18-Jährige erst in der 92. Spielminute von Joachim Löw eingewechselt. Der Bundestrainer versuchte seine Entscheidung im Nachhinein zu rechtfertigen.


Schon gegen Ungarn war Musiala, der beim FC Bayern München eine starke Saison hingelegt hatte und die Anhänger beeindrucken konnte, erst in der 82. Minute eingewechselt worden. Doch allein in den Schlussminuten des Spiels zeigte der Youngster mehr als seine Vereinskollegen Serge Gnabry und Leroy Sané im Spielverlauf zuvor. Dass er mit einer genialen Aktion maßgeblich am 2:2-Ausgleich - und somit am Weiterkommen der deutschen Elf - beteiligt war, war das Sahnehäubchen eines überaus gelungenen (Kurz-)Auftritts.

Es gab daher nicht wenige Fans, die sich Musiala gegen die Three Lions von Beginn an gewünscht hätten. Löw entschied sich jedoch dagegen und warf stattdessen Timo Werner als Überraschung in die Startelf. "Nun gut, dann kommt Musiala eben in der 60. oder 70. Minute. Je nach Spielverlauf", dachte man sich vor dem heimischen TV. Als Joker dürfte er vermutlich sogar noch wertvoller sein als von Beginn an.

Doch die Minuten verstrichen und obwohl Deutschland offensiv nahezu nichts gebacken bekam, war von Musiala kein Zeichen zu sehen. In der 69. Minuten nahm Löw den ersten Wechsel vor: Gnabry kam für Werner ins Spiel. Ein Tausch, der verpuffte.

Sechs Minuten später erzielte Raheem Sterling die Führung für die Engländer. "Jetzt muss Jogi doch wechseln und frischen Wind reinbringen", stöhnte man verzweifelt auf dem Sofa. Doch Löw reagierte nicht.

Als Harry Kane in der 86. Minute das 2:0 erzielte, war es eigentlich auch schon zu spät. Nur ein kleines Wunder hätte Deutschland noch in die Verlängerung gerettet - aber wie man am Tag zuvor bei Kroatien vs. Spanien und Frankreich vs. Schweiz gesehen hatte: Unmöglich ist es nicht!

Lieber Can statt Musiala

Doch anstatt alles auf eine Karte zu setzen, nahm Löw Matthias Ginter raus und brachte - Emre Can! Leroy Sané kam zudem für Robin Gosens. Von Musiala, der ein Spiel mit einer genialen Aktion drehen kann (wie er gegen Ungarn gezeigt hat!), war weiterhin nichts zu sehen.

Dann, in der 92. Minute, war es soweit: Der 18-Jährige kam für Thomas Müller ins Spiel. Zwei Minuten später war das Spiel vorbei. Fredi Bobic nannte die Einwechslung des Youngsters auf MagentaTV "ein Alibi", Michael Ballack fügte hinzu: "Das bringt gar nichts."

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel versuchte Löw, die späte Einwechslung zu rechtfertigen. "Jamal wird gut und hat sehr gute Fähigkeiten. Aber man hat manchmal gemerkt, er wird noch ein bisschen brauchen. So weit, wie manche nach einem Spiel glauben, ist der auch noch nicht", erklärte Löw (via WAZ). Stattdessen habe er sich für Gnabry und Sané entschieden, da beide "ihre Klasse über Jahre schon unter Beweis gestellt" haben und "immer frischen Wind bringen" können.

Als Fan bleibt man ob solcher Aussagen ein wenig fassungslos zurück, möchte Jogi am liebsten zurufen: "WHO THE F*CK CARES MAN! MUSIALA WAR STARK GEGEN UNGARN! LASS IHN DOCH RAN!"

Ändern wird das am Spiel leider nichts mehr - beim zweiten großen Turnier in Folge bleibt die deutsche Nationalmannschaft weit hinter den eigenen Erwartungen arg zurück. Verstehen kann man Löws Entscheidungen allerdings beim besten Willen nicht.

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