Ex-Präsident Fritz Keller rechnet mit der "Schlangengrube" DFB ab - und geht auf Rainer Koch los

Simon Zimmermann
Fritz Keller rechnet mit dem DFB ab
Fritz Keller rechnet mit dem DFB ab / Alex Grimm/GettyImages
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Den Machtkampf beim DFB hat er verloren. Fritz Keller trat als DFB-Präsident zurück. Und teilt nun mächtig aus. Vor allem Rainer Koch steht im Mittelpunkt seiner Abrechnung.


Knapp 1,5 Jahre war Fritz Keller Präsident des DFB. Doch statt der 'Präsident der Veränderung' zu werden - mit diesem Wahlslogan war der 64-Jährige angetreten - wurde er der nächste in der Reihe der Verbandsbosse, der frühzeitig abdanken mussten.

Aktuell sucht der größte Sportverband der Welt nach einem Nachfolger. Ein neuer Präsident soll im März 2022 gewählt werden. In der Zwischenzeit wollte es sich Keller nicht nehmen lassen, kräftig abzurechnen. Sein Interims-Nachfolger steht dabei besonders im Fokus der Kritik.

Keller ledert gegen DFB-Interimspräsident Rainer Koch

"Meiner Meinung nach handelt es sich vornehmlich um Rainer Koch, dem nach meinem Befinden jeglicher moralischer Kompass abgeht, der seit Jahren seine Intrigen schmiedet, Menschen innerhalb und außerhalb des DFB mit seinen Seilschaften massiv unter Druck setzt", so Keller im Interview mit der Sportbild.

Rainer Koch
Rainer Koch wird von Fritz Keller hart kritisiert / Handout/GettyImages

"Ich bin fest davon überzeugt, dass er die Schmutzkampagnen ­gegen Vorgänger von mir und gegen mich über den vom DFB bezahlten Medienberater Kurt Diekmann mindestens mitinitiiert hat. Vermutlich wurde schon Wolfgang Niersbach von Koch hintergangen, der vor ihm Informationen über die Recherchen zur Sommermärchen-­Affäre hatte, diese Niersbach aber nicht mitgeteilt hat", führte Keller weiter aus.

"Da wird ein Präsident nach dem anderen reingeholt und gekillt."

Keller über die "Schlangengrube" DFB

Der 62-jährige Koch ist bereits seit 2007 Vize-Präsident des DFB und führt den Verband seit dem Rücktritt von Keller gemeinsam mit Peter Peters als Doppelspitze.

"Koch treibt schon lange seine Machtspielchen beim DFB, er verteilt Pöstchen, die mit Aufwandsentschädigungen verbunden sind", holte Keller weiter aus. Dabei setze er Mitarbeiter unter Druck, die nicht nach seiner Nase tanzen. Als Beispiel nennt Keller die fristlose Kündigung seines ehemaligen Büroleiters Samy Hamama: "Ihm wurde gesagt, dass seine Kar­riere keinen Schaden nehme, wenn er Belastendes gegen mich liefert. Als Hamama dies ablehnte, wurde ihm nur Stunden später fristlos gekündigt. Das hat Hamama vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt."

Keller geht auf DFB-Funktionäre los: "Betrachten den DFB als Selbstbedienungsladen"

Doch nicht nur Koch bekam sein Fett weg. Keller beschuldigt viele DFB-Funktionäre, in ihrer eigentlich ehrenamtlichen Tätigkeit nur den eigenen Vorteil zu sehen: "Das Problem beim DFB sind in den allermeisten Fällen Funktionäre, die nicht den Fußball sehen, sondern nur sich selbst. Die den DFB als Selbstbedienungsladen betrachten - wir reden hier über ein Ehrenamt, dieses Geld geht dem Amateurfußball verloren - und sich gegenseitig die Posten zuschanzen: 'Wenn du mich wählst, erhältst du danach diese oder jene Position.' Auf diese Positionen gehören aber Experten, die es können - im sportlichen, finanziellen und Schiedsrichter-Bereich."

In der aktuellen Verbandsstruktur dürfte das aber eher ein frommer Wunsch bleiben. Auch Kellers Forderung nach einer Amtszeit-Begrenzung. Wer sägt sich schließlich schon den Ast ab, auf dem er sitzt?

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