FC Barcelona

Der FC Barcelona verliert sich in einer Schlammschlacht gegen Ex-Trainer Quique Setién!

Guido Müller
Wurde nach dem 2:8 gegen die Bayern freigestellt: Quique Setién
Wurde nach dem 2:8 gegen die Bayern freigestellt: Quique Setién / Pool/Getty Images
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Im August vergangenen Jahres erlebte der FC Barcelona seine schwärzeste Stunde seit ewigen Zeiten und kam im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Bayern München mit sage und schreibe 2:8 unter die Räder. Der damalige Chefcoach der Blaugrana, Quique Setién, wurde tags darauf beurlaubt. Doch statt sich in der Folgezeit mit dem 62-Jährigen auf die entsprechende Abfindung zu einigen, zieht der Klub nun gegen ihn vor Gericht. Und bedient sich dabei eher fragwürdiger Argumente.

Im Kern ist die Sache natürlich klar: der FC Barcelona will schlicht und einfach um die in solchen Fällen übliche Abfindungszahlung kommen. Das allein ist schon bemerkenswert für einen Klub, der gleichzeitig in der Lage ist, für Spieler wie Dembélé, Coutinho oder Griezmann annähernd 400 Millionen Euro in dreieinhalb Jahren auszugeben. Von Messis Megagehalt mal ganz zu schweigen.

Spekulationen wie hoch die Entschädigung für Setién sein würde, verbieten sich zwar angesichts nicht gesicherter Zahlen bezüglich des Gehalts des Kantabriers. Doch es kann davon ausgegangen werden, dass Trainer wie Pep Guardiola, Luis Enrique oder auch Setiéns Vorgänger Ernesto Valverde erheblich mehr verdient haben.

Wir reden also über einen recht überschaubaren Kostenfaktor für die Blaugrana. Doch entweder geht es dem Klub noch viel schlechter als bisher bekannt geworden - oder er gefällt sich einfach in der Rolle des in jedes verfügbare Fettnäppchen tretenden Liga-Trottels.

Denn um das Gericht im sich anbahnenden Arbeitsrechtprozess von ihrer Position zu überzeugen, wollen die Verantwortlichen des Klubs tatsächlich "berufliche Unfähigkeit" seitens Setiéns als Argument vorschieben.

Einem Bericht des Radiosenders Cadena SER zufolge soll der im Oktober von seinem Amt als Vereinspräsident zurückgetretene Josep Maria Bartomeu in der anhängigen Causa bereits seine Aussage gemacht haben.

"Es ist öffentlich bekannt, dass Ihnen die Führungskraft fehlt!"

Diese ist in etwa deckungsgleich mit dem Inhalt des Kündigungsschreibens, das der Klub dem geschassten Coach Mitte September zukommen ließ (und zu dem genannter Sender Zugang gehabt haben will). Darin heißt es unter anderem: "Es ist öffentlich bekannt, dass Ihnen Führungskraft fehlt. Mit Ihrer Haltung rufen Sie kontinuierliche Kritik hervor, da es so scheint, dass es der zweite Trainer [Eder Sarabia, Anm. d. Red.] ist, der die Mannschaft während der Spiele und der Trainingseinheiten anleitet und nicht Sie."

Eder Sarabia (hier im Dialog mit Leo Messi) kam bei den Spielern des FC Barcelona nicht so gut an
Eder Sarabia (hier im Dialog mit Leo Messi) kam bei den Spielern des FC Barcelona nicht so gut an / Soccrates Images/Getty Images

Des weiteren warf der Klub Setién in diesem Schreiben vor, seine Versprechen bezüglich des Spielstils und der Einbindung des Nachwuchses nicht gehalten zu haben. Auch hielt der Klub Setién vor, die heimische Liga nicht gewonnen zu haben. Obwohl er den Klub ja als Tabellenführer übernommen habe. Auch das verheerende 2:8 gegen die Bayern wird als "Beweis" der Vertragsbrüchigkeit Setiéns angeführt.

Der Leiter des Cadena SER-Formats "El Larguero", Manu Carreño, gießt das ungläubige Staunen, das einem beim Lesen dieser Zeilen überkommt, in nahezu perfekte Worte. Was der FC Barcelona hier abziehe, sei in seinen Augen "surreal".

"Mit einem so schäbigen Argument sich um die Zahlung der Abfindung drücken zu wollen, erscheint mir für einen Klub wie dem FC Barcelona, der sich ja selbst gerne als "mehr als ein Klub" bezeichnet, absolut unpassend. Dies zeigt, dass die Führung, die diesen Klub in den letzten Jahren geleitet hat, keine Klasse hat." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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