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FC Schalke 04

Grammozis findet Latza-Kritik "übertrieben" - Startelf-Debatte schwächt S04-Captain

Yannik Möller
Danny Latza erhält Rückendeckung von Grammozis
Danny Latza erhält Rückendeckung von Grammozis / BSR Agency/GettyImages
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Auf Schalke steht Danny Latza derzeit in der Diskussion. Nicht als Kapitän, keineswegs. Es geht um die Startelf-Garantie von Dimitrios Grammozis, die er direkt nach seiner Verletzungsrückkehr und trotz (noch) zu schwacher Leistung ausgesprochen hat. So wird der Captain eher geschwächt als mit einer klar kommunizierten Pause. Ein Kommentar.


"Wenn er für 60, 70 Minuten fit ist, dann spielt er bei mir", hatte Dimitrios Grammozis vor wenigen Wochen betont. Gemeint war Danny Latza, der nach seiner Verletzungsrückkehr zurzeit eher ein Klotz am Bein als direkte Hilfe für Schalke 04 ist. So deutlich muss es gesagt werden. Daher hatte auch sein Trainer zugleich betont: "Es ist klar, dass Danny nach seiner langen Verletzung noch nicht bei 100 Prozent ist."

Auch vor dem Spiel gegen den SV Sandhausen am Samstag (13:30 Uhr) waren Latza und seine Startelf-Garantie wieder ein Thema. Auf der Pressekonferenz vor der Partie bezog der Trainer erneut Stellung zur Personalie: "Ich finde die Kritik an ihm übertrieben. Danny war lange raus, das kriegt man nicht innerhalb von einem Monat zurück. Von seiner Persönlichkeit und seinem Leistungsniveau kann er der Mannschaft viel geben. Wir wissen alle, dass er besser spielen kann."

Leonardo Bittencourt, Danny Latza
Latza im Duell mit Bremens Bittencourt / Stuart Franklin/GettyImages

Insbesondere der vorletzte Satz ist dabei wichtig - und auch richtig. Natürlich kann der gebürtige Gelsenkirchener eine sehr wichtige Figur für S04 sein. Als Identifikationsfigur für die Fans sowie als Führungsspieler innerhalb des Teams.

Noch wichtiger: das ist er zurzeit aber noch nicht. Eben weil er noch nicht bei 100 Prozent ist. Weshalb seine garantierte Aufstellung in der Startelf momentan ein großer Fehler ist.

Seitdem der 31-Jährige wieder einsatzbereit ist, stellt sich wöchentlich die Frage, wer denn nun auf der Bank Platz nehmen muss. Trifft es Dominick Drexler oder Rodrigo Zalazar? Gleichzeitig ist es klar, dass Spieler wie Blendi Idrizi noch eine Reihe weiter nach hinten rutschen.

Latza-Rückkehr hätte besser gehandhabt werden müssen

Dabei tut Grammozis weder Latza selbst, noch dem Team einen Gefallen. Er möchte seinen Kapitän aufspielen lassen, weil er ihm das Vertrauen schenken will und ihn in seinem Status nicht beschädigen möchte. Das passiert auf diese Art und Weise aber viel eher, viel deutlicher und mit vermeidbaren Einschränkungen bei der Leistung. Er ist eben noch nicht bei 100 Prozent und das merkt man auch.

Ein Kapitän, der leistungsunabhängig nur spielt, weil er eben der Kapitän ist - das stärkt ihn nicht. Ein besseres Zeichen wäre es doch gewesen, wäre durch Grammozis kommuniziert worden, ihn vorerst punktuell einsetzen zu wollen. Ihn mit gezielten Einsätzen durch Einwechslungen zu stärken. Hier ein Input, dort eine gezielte Verstärkung.

Dimitrios Grammozis
Einige Personalentscheidungen seitens Grammozis bleiben fehlerhaft / Dean Mouhtaropoulos/GettyImages

Es wäre als rücksichtsvolle Maßnahme gegenüber der ganzen Mannschaft wahrgenommen worden. Zugleich hätte Latza diesen Schritt als maßvoll und genau richtig kommentieren können. Ein Zeichen, dass er sich selbst nur seines Amtes wegen nicht so wichtig nimmt, sich über das Team zu stellen. Das macht er auch so nicht, doch das Trainerteam tut es.

Zalazar und Drexler, die Schalke zurzeit deutlich mehr geben können als Latza, hätten die letzten Partien zusammen in der Startelf spielen können. Punkte und Gründe zum Wechseln gibt es immer genug. Anstatt Latza also die "60, 70 Minuten" zu garantieren, wäre es schlauer, ihm andersherum immer wieder die 30, 20 Minuten zu geben. Zum Aufbauen, für eine behutsame Rückkehr ohne Hauruckverfahren.

Ansonsten hat Königsblau weder etwas von einem zurückgekehrten Kapitän, noch hat das Team aus sportlicher Sicht einen Vorteil dadurch. Und nur darum darf es gehen. Mit einer klar kommunizierten Strategie, Latza Stück für Stück wieder auf die benötigten 100 Prozent zu bringen, wäre niemandem ein Zacken von der Krone gebrochen.

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