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"Eine Gefahr für den Klub" - Zorc warnt vor zu hohen Erwartungen beim BVB

Simon Zimmermann
Michael Zorc spricht von einem ungleichen Meisterrennen
Michael Zorc spricht von einem ungleichen Meisterrennen / Stuart Franklin/GettyImages
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BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat vor dem Klassiker in München über das "ungleiche Rennen" um die Meisterschaft gesprochen und warnt vor zu hohen Erwartungen in Dortmund. In Sachen Transferpolitik müsse sich Schwarz-Gelb aber kritisch hinterfragen, auch wenn das Geschäftsmodell alternativlos sei.


Wenn am Samstagabend um 18.30 Uhr in der Allianz Arena der deutsche Klassiker angepfiffen wird, will der BVB verhindern, dass sich der FC Bayern zum zehnten Mal in Folge zum Deutschen Meister krönt. Verhindern wird das Schwarz-Gelb nicht können - unmittelbar nach dem direkten Duell will man den Rivalen aus München aber nicht jubeln sehen.

"Eine Gefahr für den Klub" - Zorc warnt vor zu hohen Erwartungen in Dortmund

Vor der Partie hat sich Michael Zorc ausführlich zum "ungleichen Rennen" um die Meisterschaft und die "Gefahr" in der Entwicklung beim BVB geäußert. Der Noch-Sportdirektor sprach im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe über die Unterschiede zwischen den Bayern und der Borussia:

"Wir haben im letzten Geschäftsjahr 285 Millionen Euro weniger Umsatz gemacht als der FC Bayern. Dieser Unterschied führt dazu, dass sich die Bayern, was die Gehälter angeht, ca. zehn Gnabrys mehr leisten können als wir", so Zorc.

Trotz der gravierenden Unterschiede in den finanziellen Möglichkeiten seien die Erwartungen in Dortmund hoch. Zu hoch, wie der 59-Jährige bemängelt: "Für den zweiten Platz klopft dir keiner mehr auf dem Westenhellweg in Dortmund auf die Schulter. Diese Stimmung ist eine Gefahr für den Klub und seine 800 Mitarbeiter. Wir müssen davon wegkommen, dass man als gescheitert gilt, wenn man nicht Meister wird."

Dass der FC Bayern Meister wird sei der "Normalfall", betonte Zorc. "Wir müssen dennoch die Möglichkeit haben, Zufriedenheit zu erreichen", erklärte er weiter. Eine Zufriedenheit, die es in Dortmund während der laufenden Saison nicht gab. Das lag nicht nur am zweiten Platz in der Bundesliga, sondern vor allem auch am schwachen Abschneiden in den Pokalwettbewerben.

"Zu oft passiert" - Zorc hinterfragt BVB-Transfers

Die Saisonziele hat der BVB dort verpasst. Was für Zorc auch zu einem großen Teil an den schwerwiegenden Verletzungsproblemen lag. "Wenn ein Erling Haaland in weniger als 50 Prozent der Spiele zur Verfügung steht, hat das Einfluss auf das Abschneiden. Und hier geht es längst nicht nur um Erling, sondern um ganze Mannschaftsteile. So ganz trage ich die Kritik nicht mit. Und das nicht, weil ich etwas schönfärben möchte", beteuerte er.

Ganz rausnehmen aus der Kritik möchte er sich und die Klub-Verantwortlichen aber nicht. In Sachen Transferpolitik sei Kritik durchaus angebracht. Bei einigen Neuzugängen sei es nicht gelungen, die Spieler "auf das nächste Level zu hieven", hielt Zorc fest. "Das ist in der Häufung zu oft passiert, dafür müssen wir uns auch kritisch hinterfragen."

BVB für Talente "der attraktivste Klub in Europa"

An der grundsätzlichen Transferpolitik wolle man beim BVB aber festhalten. Weiterhin gelte es, hochkarätige Talente zu finden und in Dortmund weiterzuentwickeln. Schwarz-Gelb müsse die nächsten Haalands, Dembélés oder Sanchos finden: "Für diese Jungs aus dieser Talentkategorie sind wir der attraktivste Klub in Europa. Deshalb sollte das auch ein wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells bleiben. Denn die fertigen 1a-Spieler gehen zu Manchester City. Oder zu Bayern München."

Mit Erling Haaland wird das nächste Juwel den BVB im Sommer aller Wahrscheinlichkeit nach als Superstar verlassen. Möglich macht das eine Ausstiegsklausel im bis 2024 gültigen Vertrag. "Da kann man jetzt zwar sagen, man hätte ihm keine Ausstiegsklausel geben dürfen. Aber dann hätte man ihn gar nicht bekommen", so Zorc. Vielmehr zog er bereits ein positives Fazit von Haalands Zeit in Dortmund: "Er hat sich bei uns entwickelt und wir haben von ihm profitiert."


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