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Der Gefühlscheck beim BVB: Das kann richtig gut werden!

Oscar Nolte
Der BVB will wieder angreifen
Der BVB will wieder angreifen / Matthias Hangst/Getty Images
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Der BVB steht vor einem Neuanfang. Auf und abseits des Rasens werden ordentlich Stühle gerückt, mit dem Bedürfnis, endlich wieder Konstanz in den Verein zu kriegen. Michael Zorc geht in seine letzte Spielzeit, mit Marco Rose kommt ein neuer Trainer und mit Jadon Sancho gilt es, einen der Top-Stars zu ersetzen. Mein schwarz-gelbes Bauchgefühl sagt mir: das kann richtig, richtig gut werden!


Geschlossen, vor allem im Fanlager, trat die schwarz und gelbe Gemeinschaft zuletzt in der Ära Jürgen Klopp auf. Seitdem beherrschen Dortmund Streitigkeiten, Umbauarbeiten und eine gewisse sportliche Unzufriedenheit (trotz zwei DFB-Pokalsiegen). Nun steht dem BVB - wieder einmal - ein Neuanfang ins Haus. Und dem Fußball so eigen, vertraue ich als glühender Fan weniger auf meine Ratio, als auf meine Intuition.

Auf der Agenda stehen: die Akten Marco Rose, Edin Terzic, Sebastian Kehl, Jadon Sancho und Gregor Kobel. Und eine gehörige Portion Unmut, die in den vergangenen Monaten durch das Westfalenstadion wehte. Die Entscheidung pro Marco Rose, der baldige Abschied von Susi Zorc und der Kaugummi-Transfer von Jadon Sancho inklusive der Suche nach einem Nachfolger lösten im schwarz-gelben Fanlager hitzige Diskussionen und allgemein viel Bitterkeit aus. Mit der laufenden Europameisterschaft löste sich der drohende Nebel etwas auf und meine Gefühls-Antennen konnten sich in Ruhe ausrichten. Und ich merke, dass sich da gerade ganz viel Euphorie aufbaut.

BVB-Umbruch: Neuer Trainer, neuer Sportdirektor - und viele gute Entscheidungen

Die schweren Entscheidungen, die die BVB-Führung über die vergangenen Monate getroffen hat, finden bei mir Anklang. Marco Rose ist ein herausragender Trainer, der seine Qualitäten sowohl in Salzburg, als auch in Gladbach nachgewiesen hat. Dass der BVB den Coach schon länger auf dem Zettel hat, bekräftigt mich in dem Gefühl, dass die Entscheidung pro Rose sich auszahlen wird. Das Wechseldrama während der Saison war so lästig wie hemmend. Meine Begeisterung über die Verpflichtung stellte sich erst nach Ablauf der Saison und mit der Verlängerung von Edin Terzic ein.

Dass Terzic dem BVB erhalten bleibt, fühlt sich nicht minder richtig an. Und dass der Erfolgscoach der letzten Saison das Trainerteam verlässt und als Technischer Direktor mehr Freiheiten und Autonomie bewilligt kriegt, dürfte für glatte Wogen in Dortmund sorgen. Ich sah die Schlagzeilen bei ausbleibenden Leistungen schon kommen: 'Rose funktioniert im Schatten seines Co-Trainers nicht.' Ich bin froh, dass uns das erspart bleibt. Und: Terzic auf Abruf zu halten und auf Sicht als möglichen Cheftrainer einzuplanen, ergibt absolut Sinn.

Mit Rose und Terzic beginnt eine neue Ära in Dortmund, die vor allem deswegen notwendig ist, da Susi Zorc seine Manager-Schuhe an den Nagel hängt. Eine letzte Saison mit dem BVB, dann ist Schluss. Als sein Nachfolger wurde Sebastian Kehl bestätigt - und damit eine waschechte Borussia-Ikone, die in den vergangenen Jahren das Geschäft hinter den Kulissen von der Pike auf lernte und einen charismatischen, reflektierten und smarten Eindruck macht. Dass Kehl in den vergangenen zwei Jahren von Zorc lernen konnte und auf seine Anstellung als Sportdirektor hinarbeitete, klingt vielversprechend.

Kehl, Terzic, Rose - und im Hintergrund natürlich Aki Watzke als Geschäftsführer und Oberhaupt. Diese Konstellation unterschreibe ich und ich bin davon überzeugt, dass der BVB die Segel in eine sehr erfolgreiche Zeit hisst.

Sebastian Kehl
Sebastian Kehl übernimmt beim BVB den Staffelstab von Michael Zorc / Pool/Getty Images

Auch auf dem Rasen tut sich einiges beim BVB. Ich habe sehr unter der Zurückstufung Roman Bürkis gelitten, den ich für einen erstklassigen Torwart halte. Durch die fehlende Festlegung zwischen den Pfosten wurde in den vergangenen Monaten aber glasklar: eine Veränderung muss her. Meine Sorge, dass der BVB weiter mit dem offenen Kampf zwischen Bürki und Marwin Hitz plant, zerschlug sich mit der Verpflichtung von Gregor Kobel. Der Schweizer ist jung, hungrig und selbstbewusst - und zudem einer der besten Keeper der abgelaufenen Spielzeit. Das ist das Paket, das Roman Bürki seinerzeit bei seinem Wechsel aus Freiburg nach Dortmund mitbrachte und mich damals definitiv abholte.

Mit Julian Brandt scheint zudem einer meiner Lieblinge dem BVB erhalten zu bleiben. Der offensive Mittelfeldspieler, der bisher für viel Licht und Schatten in Dortmund sorgte, will sich unter Marco Rose neu anbieten und könnte vom taktischen Systemwechsel sicher profitieren.

Ohnehin sehe ich den Kader abseits der Problemzone Außenverteidigung hervorragend aufgestellt. Dass Jadon Sancho den Verein verlassen würde, ist seit einem Jahr ein offenes Geheimnis. Sorge bereitete mir eher, dass auch Erling Haaland auf einen vorzeitigen Abflug zu schielen schien. Der norwegische Bomber bleibt allerdings und kriegt - wenn man den Gerüchten glauben mag - mit Donyell Malen (und eventuell Noni Madueke; beide PSV Eindhoven) noch ordentlich Tempo und Feuerkraft an die Seite gestellt. Dass Marco Reus auf die EM verzichtete, um sich angemessen auf die neue Saison mit dem BVB vorzubereiten, ist da noch das Sahnehäubchen obendrauf.

Alles in allem bin ich heiß wie Frittenfett auf die neue Saison und dieses Kapitel mit dem BVB. Mental stelle ich mich bereits auf die Kritiken und den Spott ein, die aufkommen werden, sobald die Borussia ihr erstes Saisonspiel verliert. Aber sollen sie ruhig reden, ich reite die schwarz-gelbe Euphoriewelle - endlich mal wieder!

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