Trotz Derbysieg und Tabellenführung: Die Baustellen beim BVB werden größer

Auf Edin Terzic wartet viel Arbeit
Auf Edin Terzic wartet viel Arbeit / SASCHA SCHUERMANN/GettyImages
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Der BVB feiert - und das völlig zurecht! Das gewonnene Revierderby katapultierte die Borussia an die Tabellenspitze, zeitgleich ließ auch noch der FC Bayern Federn gegen den FC Augsburg liegen. Und doch ist die Situation in Dortmund bedrohlich. Das Spiel gegen Schalke warf weitere Baustellen auf.


Cheftrainer Edin Terzic wird in der Länderspielpause viel zu tun haben. Angefangen mit dem Ausfall von Kapitän Marco Reus, der unter Terzic Dreh- und Angelpunkt der Dortmunder Mannschaft ist. Doch das ist nicht die einzige Baustelle, um die sich Terzic kümmern muss.

Das Personal bleibt beim BVB Kryptonit

Denn schon ohne den Ausfall von Marco Reus ging der BVB auf dem Zahnfleisch. Die Langzeitverletzten Mo Dahoud, Sebastien Haller, Mateu Morey, Jamie Bynoe-Gittens fehlen an allen Ecken und Enden. Mit Gregor Kobel und zuletzt auch Raphael Guerreiro fehlen weitere Leistungsträger.

Es ist der Mannschaft anzumerken, dass sie ans Limit gehen muss, um zu punkten. Auf Dauer wird das nicht gut gehen, zumal es die nächsten Gegner mit dem 1. FC Köln, dem FC Sevilla (Hin- und Rückspiel), dem FC Bayern und Union Berlin so richtig in sich haben. Ohne Reus, Haller, Dahoud und Co. könnte das eine ganz schöne Talfahrt werden.

Statistik zeigt: BVB die torungefährlichste Mannschaft der Bundesliga

Neben personellen Problem drückt der Schuh im Bereich der Torgefahr. In der Statistik-Erhebung der Bundesliga ist der BVB noch hinter dem VfL Bochum die ineffizienteste Mannschaft der Liga. Der Ausfall von Reus verschärft das Problem noch, auch wenn mit den wieder genesenen Donyell Malen und Karim Adeyemi endlich wieder Entlastung in das lahme Offensivspiel kommt.

Was fehlt, ist ein Vollstrecker, ist Sebastien Haller. Der als Ersatz verpflichtete Anthony Modeste ist mehr Fremdkörper als Soforthilfe, hat seinen größten Wert aktuell noch in der Lufthoheit bei (gegnerischen) Standards. Technisch ist der Franzose zu schwach, ist somit ein Stolperstein im Kombinationsspiel der Borussia. Geholt wurde Modeste ja auch eigentlich für die Verwertung von Hereingaben. In puncto Flankenhäufigkeit und -präzision ist der BVB aber schlichtweg eine Katastrophe.

Zwar würde der BVB mit Haller deutlich mehr Qualität und einen flüssigeren Ballvortrag im letzten Drittel dazu gewinnen, an der Präzision von Hereingaben muss die Borussia aber ganz dringend arbeiten.

Eine Lösung stellt Youssoufa Moukoko dar. Der Youngster wurde gegen Schalke eingewechselt, machte ordentlich Dampf und erzielte schließlich auch den Siegtreffer. Moukoko fehlt es aber an Reife in seinem Spiel, versucht es zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Mit seinen immer noch 17 Jahren ist das verständlich, aber durchaus einer der Gründe, warum das Edel-Talent Modeste nicht längst auf die Bank verdrängt hat.

Meunier wird trotz guter Leistungen zum Problem

Personell wie in puncto Torgefahr sieht es in Dortmund aktuell ganz dünn aus. Hinzu kommt für Edin Terzic noch ein drittes Problem: fehlende Optionen auf der rechten Abwehrseite. Thomas Meunier spielt zwar eine ordentliche, wenn nicht sogar sehr gute Saison, hat seine Schwächen aber im Spiel mit dem Ball am Fuß. Seine Hereingaben und Spieleröffnungen haben nicht die Qualität, die der BVB braucht. Dem Gegner wird es aktuell leicht gemacht, Verlagerungen auf die rechte BVB-Seite zu erzwingen und den Ballvortrag Meunier zu überlassen.

Dadurch, dass Marco Reus für die anstehenden Aufgaben nicht zur Verfügung steht, wird das Dortmunder Spiel zwangsläufig auf die Flügel verlagert werden. Das wird schwierig, wenn Meunier den Ballvortrag und die Hereingaben schultern muss. Denkbar wäre es, dass Terzic in den schweren Spielen gegen Köln, Sevilla, Bayern und Union auf Dreierkette umstellt und die rechte Außenbahn mit Marius Wolf oder Thorgan Hazard besetzt. Das setzt aber voraus, dass Raphael Guerreiro fit bleibt.

Der BVB holt das Maximum raus

Es ist schwierig, den Ball nach dem tollen Auftritt gegen Manchester City und dem Derbysieg flach zu halten. Und doch muss man sich beim BVB schlichtweg gewahr sein, dass die kommenden Wochen ganz schön finster werden könnten.

Und dann gilt es, die personelle Misere zu berücksichtigen und nicht den Kopf zu verlieren, denn was klar festzuhalten ist, ist dass die Mannschaft das Maximum herausholt. Und das ist es doch, was in der Vergangenheit viel zu oft gefehlt hat.


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