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Freiburg oder Italien? Meine Erkenntnisse zur BVB-Niederlage beim Sport-Club

Oscar Nolte
Der BVB verliert beim SC Freiburg
Der BVB verliert beim SC Freiburg / THOMAS KIENZLE/Getty Images
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Der BVB verliert sein erstes Bundesliga-Spiel unter Marco Rose. Gegen den SC Freiburg unterlag die Borussia am Samstagnachmittag mit 2:1 und muss nach dem verlorenen Supercup den zweiten Rückschlag in dieser Woche verarbeiten.

Meine fünf Erkenntnisse zur Partie:

1. Nicht den Kopf verlieren!

Giovanni Reyna, Robert Schroder
Der BVB lässt in Freiburg Federn / Matthias Hangst/Getty Images

Nach der Niederlage im Supercup lässt der BVB auch beim SC Freiburg Federn. Die Anfangs-Euphorie, die nach dem Feuerwerk gegen Frankfurt entfacht wurde, ist etwas verpufft. Die verlorenen Punkte in Freiburg sind bei Gott aber kein Grund, jetzt den Kopf zu verlieren.

Diese Mahnung muss in Dortmund auch stetig wiederholt werden. Die BVB-Gemeinschaft ist unruhig geworden, über die letzten Jahre, und nicht besonders dankbar. Zwei Rückschläge in einer Woche können im schwarz-gelben Lager gerne dafür sorgen, dass die Stimmung kippt.

Ebendiese Rückschläge waren angesichts des Trainerwechsels und der schwierigen Vorbereitung aber zu erwarten. Gegen den FC Bayern hat sich der BVB teuer verkauft und mit etwas mehr Spielglück, hätte auch gegen Freiburg ein Sieg herausspringen können. Die Ansätze, die die Mannschaft unter Marco Rose zeigt, sind herausragend. Rückschläge müssen an dieser Stelle demnach auch einfach mal akzeptiert werden.

2. Malen zeigt, was er braucht und was er kann

Donyell Malen, Jonathan Schmid
Donyell Malen feierte gegen den SCF sein Startelf-Debüt / Matthias Hangst/Getty Images

Donyell Malen feierte gegen Freiburg sein Startelf-Debüt. Der Neuzugang aus Eindhoven musste sich im Netz nach seinen ersten Kurz-Einsätzen bereits leise Kritik gefallen lassen. Völlig absurd natürlich.

Gegen Freiburg wirkte Malen ambitioniert, aber ein wenig glücklos. Doch in den Aktionen, die der Niederländer hatte, konnte man gut erkennen, was er kann: sein Tempo, seine Physis und seine Dribbelstärke machen Malen zur absoluten Waffe - egal, ob auf dem Flügel oder im Sturmzentrum. Der BVB wird ganz viel Spaß an diesem Jungen haben, davon bin ich überzeugt.

Der Auftritt gegen Freiburg hat allerdings auch gezeigt, was Malen braucht: Zeit und Geduld. Der Niederländer hat kaum in der Vorbereitung mitwirken können, spielte im Sommer zudem eine kräftezehrende EM und muss sich überhaupt noch in der starken Bundesliga und beim BVB akklimatisieren. Malen ist ein Spieler, der über absolutes Selbstvertrauen kommt; der Weg dahin kann gar nicht so kurz sein, wie sich das einige BVB-Fans wünschen würden. Kritik ist daher völlig fehl am Platz!

3. Rückstand in Freiburg hat was von Italien

Giovanni Reyna, Nicolas Hofler
In Freiburg ist's immer schwer / Matthias Hangst/Getty Images

Sechs Minuten hat es gedauert, bis der Dortmunder Matchplan über den Haufen geworfen wurde. Ein zauberhafter Freistoß von Vincenzo Grifo besorgte den BVB-Rückstand. Nichts zu machen.

In Freiburg hinten zu liegen ist undankbar. So undankbar, dass ich mich an italienische Mannschaften erinnert fühle. Der Platz im Breisgau ist ob des verhältnismäßig steilen Gefälles unglaublich schwierig zu spielen, der Sport-Club in Führung ebenso. Die Mannschaft von Christian Streich ist wunderbar organisiert und immer bereit zu leiden. Die Freiburger Konter sind zudem eine echte Waffe.

In Gänze bewerten lässt sich das Spiel des BVB daher nicht. Denn ein früher Rückstand in Freiburg ist einfach undankbar - für jede Mannschaft.

4. Bellingham hat Lieblings-Potenzial

Christian Gunter, Jude Bellingham
Jude Bellingham spielte einmal mehr überragend / Matthias Hangst/Getty Images

Jude Bellingham ist 18 Jahre alt. Punktum.

Der Junge spielt aktuell seine bereits dritte (!) Profisaison und ist einfach schon wahnsinnig gut und weit. Fußballerisch hat der englische Nationalspieler keine Limits; der BVB darf sich in den nächsten Jahren entweder über einen der besten Mittelfeldspieler der Welt oder eine astronomische Ablösesumme freuen.

Abseits davon hat Bellingham etwas, das in Dortmund besonders hoch geschätzt wird: Lieblings-Potenzial. Der Youngster rennt sich in jedem Spiel die Lunge aus dem Leib und ist der erste, der bei einem Rückstand vorangeht. Dem 18-Jährigen zuzuschauen, ist einfach ein Genuss - und nicht nur sportlich. Bellingham wird beim BVB ein ganz Großer im Fan-Block werden, davon bin ich überzeugt.

5. Guerreiro ist Balsam für die Seele

FBL-GER-BUNDESLIGA-FREIBURG-DORTMUND
Raphael Guerreiro feierte gegen Freiburg sein Comeback / THOMAS KIENZLE/Getty Images

Marco Rose wechselte in der 38. Minute zum ersten Mal und brachte Raphael Guerreiro für Nico Schulz. Angeschlagen oder die Höchststrafe, also einfach eine zu schwache Leistung, war nicht abzusehen.

Die Rückkehr von Guerreiro, auch wenn deutlich früher, als geplant, ist allerdings Balsam für meine Seele. Die Dortmunder Abwehr ist personell aktuell die absolut rote Zone, vor allem auf den beiden Außenverteidiger-Positionen. Ja, Nico Schulz hat einen Schritt nach vorne gemacht. Und doch fehlt die Qualität. Das Duo Akanji / Witsel wirkte gegen Freiburg auch nicht besonders sattelfest.

Für mich ist Raphael Guerreiro einer der besten Spieler der Bundesliga. Seine Rückkehr wird ein absoluter Gewinn für die Mannschaft sein und die Sorgen der BVB-Fans deutlich entlasten. Es bleibt zu hoffen, dass seine sicher nicht geplante Einwechslung gegen Freiburg kein Rückschritt für seine Fitness bedeutet. Der BVB braucht den Portugiesen einfach.

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