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Tempo, Taktik und Personal: Die Baustellen beim BVB

Oscar Nolte
Der BVB hat in Leipzig Leergeld bezahlt
Der BVB hat in Leipzig Leergeld bezahlt / RONNY HARTMANN/GettyImages
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Beim BVB herrscht nach der deutlichen Pleite gegen RB Leipzig gedrückte Stimmung vor. Der mutlose und über weite Strecken ideenlose Auftritt bei den Sachsen wirkt wie ein Rückfall in alte Muster und passt so gar nicht zu der Mannschaft, die wir in dieser Saison bisher sehen durften.
In der Analyse der Niederlage in Leipzig offenbaren sich beim BVB einige Baustellen, die es in den kommenden Wochen zu beheben gibt


1. Personell drückt der Schuh

Wie schon in der Vorsaison hat der BVB bislang ungehöriges Verletzungspech. Mit Sebastien Haller, Mo Dahoud, Jamie-Bynoe Gittens, Karim Adeyemi, Donny Malen, Gregor Kobel, Thorgan Hazard und Mateu Morey fehlen Edin Terzic momentan gleich acht Spieler, die allesamt nicht gerade unwichtig sind. Und die meisten fallen sogar langfristig aus.

Der BVB befindet sich inmitten englischer Wochen und ist ligaweit die Mannschaft, die vor dem Spieltag die meisten Sprints absolviert hat. Die hohe Intensität und die fehlende Rotation machten sich in Leipzig bemerkbar. Insgesamt vier Kilometer weniger lief die Mannschaft von Edin Terzic bei der 3:0-Niederlage, gemessen am Saison-Durchschnitt, mit dem der BVB ligaweit auf Platz drei steht.

Dass die Borussia gegen Leipzig kaum in die Zweikämpfe fand und überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel bekam, dürfte auch an den fehlenden Reserven liegen. Spieler wie Marco Reus, Nico Schlotterbeck, Jude Bellingham, Julian Brandt oder Raphael Guerreiro kriegen derzeit überhaupt keine Pausen und gehen auf dem Zahnfleisch.

Entspannen wird sich die Personalsituation vor den anstehenden Partien gegen Manchester City und Schalke 04 kaum. Einzig Karim Adeyemi und Donyell Malen werden in der kommenden Woche zurückerwartet. Das Sturm-Duo könnte für den BVB aber sofort wichtig werden.

2. Kein Tempo, keine Durchschlagskraft

Denn Adeyemi und Malen bringen beide genau die Eigenschaften mit, die dem BVB derzeit fehlen: Tempo und Durchschlagskraft. Mal etwas gelungenes über die Außen, sei es durch einen Sprint oder ein gewonnenes Eins-gegen-Eins; das fehlt Dortmund derzeit komplett.

Einen wirklichen Vorwurf kann man der Mannschaft oder dem Trainerteam aber nicht machen. Mit Malen und Adeyemi, aber auch mit Bynoe-Gittens und Hazard fehlen der Borussia derzeit alle Spieler, die über diese Fähigkeiten verfügen. Mit Malen und Adeyemi kommen nun zumindest zwei Tempodribbler zurück, die die Last des offensiven Ballvortrag ein wenig von den Schultern Marco Reus' und Julian Brandts abnehmen können.

Mit Malen und Adeyemi wird der BVB in den kommenden Wochen wieder deutlich gefährlicher sein. Nachdem die Mannschaft von Edin Terzic gegen RB Leipzig nicht einen einzigen Schuss auf das Tor zustande brachte, ist das auch bitter nötig.

3. Taktisch und qualitativ limitiert: keine Variabilität beim BVB

Die dünne Personaldecke wirkt sich auf nahezu alle Bereiche beim BVB aus, auch auf die Taktik. Cheftrainer Edin Terzic stößt derzeit an seine Grenzen, wenn es um das Thema Variabilität und Unausrechenbarkeit geht. Ohne die Tempodribbler in der Mannschaft muss Terzic improvisieren und das Spiel vermehrt auf die Außenverteidiger ziehen.

Dort sind Raphael Guerreiro und Thomas Meunier aktuell zwangsweise gesetzt (Marius Wolf muss weiter vorne aushelfen). Das ist insofern problematisch, da ein Angriffsspiel über die Seite von Meunier kaum bundesligareif ist. Der Belgier hat seine Qualitäten in der Arbeit ohne Ball, muss aber zunehmend den Ballvortrag der Mannschaft aus dem Spielaufbau heraus dirigieren.

Und das liegt an der fehlenden Variabilität. Anthony Modeste ist im Spiel außerhalb der beiden Strafräume nicht existent, ein Spiel durch die Mitte derzeit kaum möglich. Verteidigende Mannschaften können daher in aller Seelenruhe die Guerreiro-Seite beim BVB zumachen und die Borussia dazu zwingen, den Ball früher oder später auf die Meunier-Seite zu bringen. Ohne offensive Tempodribbler und einen Stürmer, der abgesehen von Torabschlüssen nicht am Spiel teilnimmt, bleibt dem BVB auch keine wirkliche Wahl - und wird dadurch komplett ausrechenbar.


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