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Bundesliga

Gegen Zuschauer-Reduzierungen im Stadion: Impf-Fortschritt zu Nutze machen!

Yannik Möller
Auch für Fußballstadien sollte mehr Flexibilität bei der Zuschauerzahl möglich sein
Auch für Fußballstadien sollte mehr Flexibilität bei der Zuschauerzahl möglich sein / Cathrin Mueller/Getty Images
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Mit weiterhin nach und nach steigenden Inzidenzen drohen die ersten Rücknahmen der eigentlich angedachten Stadion-Kapazitäten. Teilweise werden den Vereinen - je nach Standort und Inzidenz - große Teile der zuvor zugelassenen Zuschauer wieder untersagt. Bei gleichzeitig steigender Impfquote erscheint dieses Vorgehen unsinnig und nicht zielgerichtet - es gäbe wohl verständnisvollere Maßnahmen, die Geimpfte und Genesene stärker einbeziehen. Ein Kommentar.


Seit rund zwei Wochen steigen in Deutschland die festgestellten Infektionen mit dem Coronavirus wieder an. Über die letzten Tage zwar zum Glück nicht mehr so stark, wie zu Beginn des erneuten Anstiegs, doch die Inzidenzen gehen in die Höhe.

Für den Fußball in Deutschland bedeutet das vor allem eines: die erhoffte Rückkehr der Fans in die Stadien droht vorerst ausgebremst zu werden. Damit sind nicht die Geisterspiele gemeint, die uns in der vorigen Saison so lange begleitet haben. Es geht um die Verkleinerung der zunächst angedachten Stadion-Kapazitäten.

Ein derzeit passendes Beispiel gibt Eintracht Frankfurt ab. Am Samstag wird der Bundesligist gegen die französischen Gäste von St. Etienne testen - im heimischen Deutsche Bank Park. Eigentlich sollten 10.000 Zuschauer für dieses Spiel zugelassen werden, und das, obwohl die Inzidenz vor Ort bis inklusive Montag über der Marke von 35 lag.

Eintracht Frankfurt
Im Frankfurter Stadion werden am Samstag zahlreiche Plätze frei bleiben müssen / Alex Grimm/Getty Images

Das hatte das Gesundheitsamt der Stadt nach Rücksprache mit dem Rechtsamt so erklärt. Eine Bedingung war, dass mindestens die Hälfte der 10.000 Zuschauer vollständig geimpft sein müssten. Doch dazu kommt es nun nicht. Das hessische Ministerium für Soziales gab in einer Klarstellung bekannt, dass nur die Hälfte, also 5.000 Zuschauer maximal anwesend sein dürfen.
Eine Umsetzung á la 5.000 Zuschauer plus zusätzlich Geimpfte und Genesene sei nicht vorgesehen.

Unabhängig von diesem Vorgehen und welcher Bereich welche Entscheidung getroffen hat: derartige Rücknahmen von Stadion-Kapazitäten sind in näherer Zukunft mehrfach zu erwarten. Wieder einmal zeigt sich die fehlende Flexibilität und Umsetzung simpler Anpassungen in derartigen Corona-Fragen.

Dank Fortschritt beim Impfen: Aktuelle Maximal-Auslastung der Fußball-Stadien müsste nicht wieder verkleinert werden

Die Stadien unterliegen bereits einer aktuell maximal zulässigen Auslastung von bis zu 50 Prozent, die 25.000 Zuschauer dürfen dabei jedoch nicht überschritten werden. Es spräche wohl nichts dagegen, diese Kapazität auch bei noch weiter steigenden Inzidenzen beizubehalten, damit die Vereine diese dann mit geimpften oder genesenen Personen auffüllen können.

Dass die Schnelltests gerade in größerer Stückzahl und bei einer allgemein erhöhten Infektionsdynamik an Sicherheit verlieren, ist keine Neuigkeit mehr. Doch werden wir den Impfungen, die wir glücklicherweise in inzwischen sehr großer Stückzahl zur Verfügung haben, genug vertrauen. Dieses Vertrauen ist gegeben. Dann reicht es auch aus, vor dem TV keine Schweißperlen auf der Stirn stehen zu haben, wenn zwei Zuschauer mit vollständigem Schutz mit etwas Abstand im Stadion nebeneinandersitzen.

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In der 2. Liga waren am Wochenende bereits wieder tausende Fans im Stadion / Cathrin Mueller/Getty Images

Eine erneute Reduzierung der Kapazitäten würde einerseits die Fans treffen, die an der frischen Luft und geschützt durch strenge Konzepte wieder ihre Mannschaft anfeuern wollen. Andererseits wären auch die Klubs selbst betroffen. Das mag nicht jeder gerne hören, aber selbstverständlich hätten die Vereine an weiterhin zum Großteil fehlende Ticket-Einnahmen auch zu knabbern.

Zweifelsohne hat der Fußball auch in Deutschland einige Zugeständnisse bekommen, vor allem im letzten Jahr. Das ändert aber nichts daran, dass auch die Vereine ein definitiv berechtigtes Interesse an der Fan-Rückkehr haben. Und sei es nicht im finanziellen, dann wenigstens im sportlichen oder im schlichtweg rechtlichen (Stichwort Verhältnismäßigkeit) Sinne.

Im Falle des Frankfurt-Testspiels wäre ein solches Vorgehen sehr einfach umzusetzen. Die 10.000 Zuschauer sind die höchste Zulassung. Steigen die Fallzahlen so stark an, dass eine Reduzierung aus Sicht der politischen Verantwortungsträger notwendig sein sollte, zählt das nur für reine Anzahl der Getesteten. Fans mit Impfschutz oder einer überstandenen Infektion, die nicht allzu lange zurückliegt, wären davon nicht betroffen. Die 10.000 wären weiterhin möglich.

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Beim Test der Bayern gegen Ajax waren lediglich 8.500 Zuschauer im Stadion / Alexandra Beier/Getty Images

Ein solches Vorgehen wäre anhand der derzeitigen 50-Prozent-Regelung auch nicht nur in einzelnen Bundesländern, sondern (wenn notwendig) übergreifend möglich. Die Klubs sowie die Fans hätten Planungssicherheit. Dazu reizt es vielleicht den ein oder anderen Unentschlossenen, sich aufgrund der gegebenen Sicherheit doch noch den Piks abzuholen.

Natürlich muss man angesichts der Impfquote in Deutschland auch über die allgemeinen Einschränkungen rein anhand der Inzidenzen diskutieren - immerhin wird noch in dieser Woche die Marke von 50 Prozent Doppelt-Geimpften erreicht. Doch das ist ein anderes Thema.

Rein auf den Fußball bezogen wäre ein solches Vorgehen einfach umzusetzen, ebenso einfach zu verstehen und für alle Betroffenen gleich. Es brächte Fairness und ein sichtbares und dringend notwendiges Einbeziehen des Impfschutzes. Diesem sollte man in solchen Fragen unbedingt vertrauen, möchte man eine höhere Quote und Verständnis erreichen.

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