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Bundesliga

Bundesliga-Abstiegskampf: Herrlich wackelt in Augsburg - Köln "lebt wieder"

Simon Zimmermann
Heiko Herrlich im Gespräch mit FC-Coach Friedhelm Funkel
Heiko Herrlich im Gespräch mit FC-Coach Friedhelm Funkel / CHRISTOF STACHE/Getty Images
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Der Schock über eine desolate erste Halbzeit saß tief beim FC Augsburg. Nach der Pleite gegen den 1. FC Köln steckt der FCA nicht nur wieder Mitten im Abstiegskampf. Auch der Trainerstuhl von Heiko Herrlich wackelt bedenklich. Geschäftsführer Stefan Reuter will das Wochenende zur Analyse nutzen und dann eine Entscheidung bekannt geben.

Beim Effzeh auf der anderen Seite war die Erleichterung groß. Friedhelm Funkel war stolz auf die Mannschaft, sprach gleichzeitig aber auch eine Warnung aus.


Ein Punkt aus den letzten vier Spielen, nur vier Siege aus den vergangenen 15 Bundesliga-Partien. Beim FC Augsburg geht drei Spieltage vor Saisonende wieder die Abstiegsangst herum. Grund ist eine 3:2-Pleite am Freitagabend gegen den 1. FC Köln, bei der die Fuggerstädter in der ersten Halbzeit eine desolate Vorstellung ablieferten. Mit 0:3 ging es für den FCA in die Pause, die erhoffte Aufholjagd im zweiten Abschnitt stockte nach dem schnellen Anschluss.

"Ich sehe nichts Positives. Wir verlieren zu Hause und lassen in den ersten 45 Minuten die Eier in der Kabine. Es war ein Abschlusstraining für sie in der ersten Halbzeit. Am Ende schießen wir ein Tor zu wenig und verlieren ein wichtiges Spiel", polterte FCA-Keeper Rafal Gikiewicz im Anschluss ins DAZN-Mikro.

Rafal Gikiewicz war erbost über den Auftritt seiner Vorderleute
Rafal Gikiewicz war erbost über den Auftritt seiner Vorderleute / Stuart Franklin/Getty Images

"Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war bodenlos. Eine absolute Frechheit. Gerade wie wir verteidigt haben, das geht gar nicht."

André Hahn, via DAZN

FC Augsburg steckt wieder Mitten im Abstiegskampf

Das Team von Trainer Heiko Herrlich, dass sich eigentlich schon im sicheren Tabellen-Niemandsland wähnte, gerät plötzlich wieder in akute Abstiegsgefahr. Der Relegationsplatz, auf den Gegner Köln vorrückte, ist nur noch vier Zähler enfernt. Davor und dahinter tummeln sich mit Bielefeld und Hertha Mannschaften, die zuletzt entweder konstant punkten konnten (Arminia) oder noch drei Spiele weniger auf dem Konto haben (Hertha). Sieben Punkte ist die Alte Dame vom FCA entfernt - theoretisch könnte man Augsburg also einholen.

"Erlauben Sie mir, dass wir uns jetzt das Wochenende Zeit nehmen, um gemeinsam zu besprechen und zu analysieren."

Stefan Reuter zur Herrlich-Zukunft

"Ich will nicht zu viel sagen, weil ich sonst eine Strafe bekomme. Wir reden vor dem Spiel, dass es um Leben oder Sterben geht und spielen dann so eine erste Halbzeit. Wir machen ein skandalöses Pressing. Dann kassieren wir ein Tor nach Einwurf in der Bundesliga - das ist auch ein Skandal. Das ist einfach viel zu wenig. Es sind jetzt 31 Spiele vorbei, ich weiß nicht, was ich sagen soll", polterte Gikiewicz weiter.

Sein Trainer wirkte nach dem Spiel ratlos. Herrlich habe "keine Erklärung. Ich glaube, dass es einige noch immer nicht kapiert haben, obwohl wir immer wieder darauf hinweisen, dass wir noch nicht gerettet sind. Zu den Gegentoren braucht man nichts sagen und die Zweikampfquote in der ersten Halbzeit war desaströs. Da hilft auch eine gute zweite Halbzeit nichts mehr und wenn du so ins Spiel gehst, dann hast du es auch nicht verdient. Ich habe zwei Wechsel in der ersten Halbzeit gemacht und dann noch einen in der Pause. Ich hätte aber auch noch vier oder fünf andere auswechseln können."

Herrlich vor dem Aus? Reuter will zunächst analysieren

Für Herrlich könnte es das letzte Spiel als Trainer des FCA gewesen sein. Die Aussagen von Manager Stefan Reuter nach dem Spiel ließen jedenfalls tief blicken. Eine solch erschreckende erste Halbzeit müsse man "hoffentlich nie wieder erleben", so Reuter. "So etwas muss man erst mal sacken lassen, eine Nacht drüber schlafen und sich dann zusammenzusetzen und überlegen, wie wir die letzten drei Spiele angehen", erklärte er weiter.

Mit Heiko Herrlich? Das ließ Reuter offen: "Ich schätze Heiko unglaublich, aber erlauben Sie mir, dass wir uns jetzt das Wochenende Zeit nehmen, um gemeinsam zu besprechen und zu analysieren, wie es zu so etwas kommen kann." Eine Entscheidung wolle der Klub "zu gegebener Zeit" bekannt geben.


Kaputte Kölner schöpfen neuen Mut - Funkel warnt

Ganz anders war dagegen die Stimmung im Kölner Lager. "Wichtig ist, dass wir herangekommen sind und gewonnen haben. Das steht unter dem Strich", freute sich Trainer Friedhelm Funkel. "Der Gegner versucht noch einmal alles, wir haben uns zu weit zurückgezogen und nicht mehr die Dominanz gehabt, die Wucht der Augsburger hat uns das Selbstbewusstsein genommen und wir haben zwei Tore hinnehmen müssen. Aber wir haben es mit Leidenschaft verteidigt und am Schluss ein Quäntchen Glück gehabt", erklärte Funkel die Zitterpartie nach 3:0-Führung.

Der erfahrende Coach warnte seine Mannschaft nach den beiden Siegen in der Englischen Woche: "Wir haben 29 Punkte, die reichen nicht, um in der Bundesliga zu bleiben. Wir müssen dranbleiben." Das Restprogramm macht durchaus Mut. Der FC trifft an den letzten drei Spieltagen auf Freiburg, Hertha und Schalke.

"Köln lebt auf jeden Fall."

Florian Kainz
Doppelpacker Duda und Kainz waren die Kölner Matchwinner
Doppelpacker Duda und Kainz waren die Kölner Matchwinner / CHRISTOF STACHE/Getty Images

Zunächst steht aber die Regeneration im Vordergrund. Die drei Spiele der Woche haben viel Kraft gekostet. "Wir hatten das dritte Spiel innerhalb von sieben Tagen und haben in allen Spielen einen hohen läuferischen Aufwand betrieben. Die Spieler sind an ihre Grenzen gegangen", meinte Funkel. Torschütze Florian Kainz stimmte zu: "Die ganze Mannschaft ist durch, weil es eine harte Woche war. Es war eine Zitterpartie. Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, in der zweiten Halbzeit war es aber kein gutes Spiel von uns. Wir sind einfach froh über die drei Punkte und können das jetzt genießen. Köln lebt auf jeden Fall. Die zwei Siege waren sehr wichtig für uns."

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