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Brasilien empört über Benzemas Vinicius-Kommentar - und den interessiert es nicht

Guido Müller
Werden sich auch wieder vertragen: Vinicius Jr und Karim Benzema
Werden sich auch wieder vertragen: Vinicius Jr und Karim Benzema / Quality Sport Images/Getty Images
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Aus rein journalistischer Perspektive haben die corona-bedingten Geisterspiele auch ihr Gutes. Denn was früher aufgrund akustischer Unmöglichkeit nicht weiter nach außen drang, wird jetzt von den Medien begierig aufgesogen - und in der Öffentlichkeit verbreitet. Wie der jüngste Disput zwischen Real-Stürmer Karim Benzema und seinem brasilianischen Sturmpartner Vinicius Jr.

Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass der betreffende Vorfall im Spielertunnel des Borussia-Parks stattfand. In der Pause des Champions-League-Spiels der Königlichen bei Borussia Mönchengladbach hatte der Franzose zu seinem französischen Landsmann Mendy gesagt: "Gib ihm nicht den Ball, Bruder! Er macht was er will. Er spielt gegen uns."

Mit "ihm" oder "er" war Benzemas Sturmkollege Vinicius Jr gemeint, der in einigen Spielsituationen nicht genügend Überblick bewies und mögliche Anspiele zu Benzema verpasste. Das rief den Zorn des Franzosen hervor.

Brasilianische Kommentare lassen Benzemas Twitter-Account bersten

Und der wiederum hat nun ein entsprechendes Echo in den brasilianischen Medien gefunden. Und nicht nur dort. Vinicius' Landsmann Richarlison, in Diensten des FC Everton, ging gleich direkt auf Benzemas Twitter-Account und postete: "Mit der Truppe von Vini spielt man nicht!" Auf selbem Account, durchschnittlich mit 2000 bis 3000 Kommentaren gefüttert, sammelten sich in den letzten Tagen bis zu 90.000 Statements, vorwiegend aus Brasilien. Einhelliger Tenor: ein bisschen mehr Respekt, bitte!

Die brasilianische Journalistin Camila Carelli, von Radio Globo, wurde noch deutlicher: "Ich halte es für eine sehr hässliche Geste von Benzema, weil er es vor den Augen von Vinicius gesagt hat, in einer Sprache, von der er weiß, dass Vinicius sie nicht versteht. Das ist unterste Schublade und sehr feige."

Bei solchen Reaktionen zeigt sich eine gewisse emotionale Entrüstung, die vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausschießt. Ob Journalisten wie Carelli jemals das Innenleben einer Fußballmannschaft persönlich miterlebt haben, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Französische Replik auf die Empörung in Brasilien

Doch statt es dabei zu belassen, schießen jetzt wiederum die französischen Medien zurück. Der in England tätige französische Sportjournalist Julien Laurens kann die Aufregung der Südamerikaner nicht nachvollziehen. "Ich habe kein Problem mit dem, was Benzema gesagt hat. Spieler werfen sich die heftigsten Dinge an den Kopf, nur dringt es meistens nicht an die Öffentlichkeit. Aber egal: Benzema kümmert das eh nicht. Seine Antwort auf das Video: 'Und in der Zwischenzeit bellen die Hunde, und die Neun interessiert es nicht!' Mit "Neun" meint er sich natürlich selbst."

Wie gesagt: sollte man alles nicht so hoch hängen. Für Vinicius Jr dürfte Benzema auch weiterhin das große Idol bleiben, der dieser schon vorher für ihn war. Und wer weiß: vielleicht zofft in einem der nächsten Spiele ja auch mal Vinicius sein Vorbild auf dem Platz an. Aber ob wir es dann alle mitkriegen, ist eine andere Geschichte.

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