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Borussia Mönchengladbach

Max Eberl bekräftigt sein Handeln aus Loyalität - zahlt Hütter diese nun zurück?

Christian Gaul
Max Eberl steht für die Werte der Borussia
Max Eberl steht für die Werte der Borussia / INA FASSBENDER/Getty Images
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Max Eberl ließ sich in der Causa Rose nicht verbiegen, trotz aller Widerstände hielt der Gladbacher Sportdirektor in der abgelaufenen Saison an seinem scheidenden Trainer fest. Nun bekräftigt Eberl sein damaliges Handeln und erklärt, welche positiven Auswirkungen diese Konstanz in den Entscheidungsgrundlagen beinhaltet.


Nicht wenige Anhänger der Borussia wollten eine vorzeitige Trennung vom damaligen Trainer Marco Rose. Auch einige "Experten" verstanden nicht, wieso Max Eberl nicht frühzeitig die Reißleine zog, um damit eventuell das Verpassen des internationalen Geschäfts zu verhindern. Letztlich zeigte sich Eberl jedoch äußerlich unbeeindruckt vom Gegenwind in der Trainer-Debatte der abgelaufenen Saison und verzichtete auf eine Freistellung.

Fakt ist, dass die Gladbacher in der kommenden Saison nicht auf der europäischen Bühne vertreten sein werden. Spekulativ ist, ob ein frühzeitiger Trainer-Wechsel dies geändert hätte.

Loyalität und sportlicher Erfolg auf Augenhöhe - Die Borussia macht ein Angebot


"Wir alle bei Borussia wollen den größtmöglichen Erfolg, dafür arbeiten wir jeden Tag. Aber, und das ist mir ganz wichtig: Für das Erreichen eines kurzfristigen Zieles würde ich niemals den Stab brechen über Personen, von denen ich überzeugt bin", bekräftigte Eberl in seinem sportlichen Jahresbericht, dass er für eine langfristige Entwicklung des Vereins auch das Verpassen des internationalen Geschäfts opfern kann, auch wenn dies natürlich weh tut (via FohlenEcho).

Denn oberstes Ziel ist es, die Werte des Vereins mit einem stetigen Annähern an sportliche Erfolge zu Verbinden.

"Wir stehen auch für Loyalität zu unseren Angestellten, für Transparenz in unseren Entscheidungen, für ein Miteinander unter Menschen, für Geradlinigkeit und Haltung. Dieses Wertesystem sehe ich auf derselben Stufe wie sportlichen Erfolg. Mit einer vielleicht bei vielen Fans populären Entscheidung gegen Marco Rose hätte ich viel Reputation bei Menschen verloren, mit denen ich vielleicht in Zukunft zusammenarbeiten möchte", präzisierte Eberl seine schon vor Monaten getätigten Aussagen im Bezug auf die Entscheidungsfindung.

Auch der Klassiker wurde erneut bemüht:

"Auch wenn ich die Emotionen der Fans ja durchaus Woche für Woche mehr verstanden habe: Ich als Sportdirektor darf mich in meinen Entscheidungen nicht von Emotionen leiten lassen."

Adolf Huetter
Adi Hütter könnte Eberl bestätigen / Lars Baron/Getty Images

Erkennbar ist somit, dass Eberl und sein Team einen klaren Plan verfolgen, um der Borussia ein Gesicht zu verschaffen. Das "Gallische Dorf", das ambitioniert die "Großen" nerven will, soll nicht nur auf reiner Tradition und Nächstenliebe aufgebaut sein, aber eben auch.

Diese Kontinuität im Handeln trägt dazu bei, aus dem Verein etwas Besonderes zu machen, ohne eine reine Wohlfühl-Oase zu sein oder sich mit anderen namhaften Klubs in den unteren Ligen zu balgen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Gratwanderung auf Gegenseitigkeit stößt.

Denn die Borussia macht mit diesem Vorgehen ein klares Angebot an Spieler und Trainer. Doch ist die Gefahr nie auszuschließen, von Spielern und Trainern enttäuscht zu werden, da diese nicht in gleichem Maße gewillt sind, Loyalität oder Miteinander an den Tag zu legen. Ebenso ist fraglich, wo die Loyalität bei Andre Schubert oder Dieter Hecking versteckt wurde, obwohl diese beiden Themen wahrlich nicht rein plakativ als Falsifikationen des angestrebten Werte-Systems herhalten dürfen. Das riesige Fass "Geld vs. Loyalität" lassen wir an dieser Stelle lieber gänzlich ungeöffnet.

"Ich habe schnell gemerkt, dass er überzeugt war von der Idee, Borussia zu übernehmen", benannte Eberl auch den neuen Trainer Adi Hütter als Fan des Gladbacher Weges. In der kommenden Saison - oder besser: in den kommenden Jahren - kann der neue Mann an der Seitenlinie beweisen, dass es sich dabei nicht nur um - abermalige - Lippenbekenntnisse handelt.

Die Zeichen stehen gut, verzichtete man bei Hütter doch auf eine Ausstiegsklausel.

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